Leckgeschlagen…

…ist ja dieser Tage so einiges, ganz aktuell aber wohl die US-amerikanische Außenpolitik.

Dabei war die ganze Sache doch absehbar. Im Prinzip ist das, was sich da gerade vor den Augen der Welt abspielt, nichts anderes als ein riesiges Sandkastenspiel. Du haust mir eine runter, also schmeiss ich Dir Sand in die Augen. Du hast mich geschubst, also zertrampel ich Deine Sandburg. Klasse.

Es ist sogar völlig unerheblich, wer mit dem Spiel angefangen hat (ist es bei Kindern auch), spannender ist die Frage, wie mit dem offenkundigen Konflikt umgegangen wird.

Eine Weltmacht wie die USA, die noch dazu geradezu paranoid ist, was eigene Sicherheitsbelange betrifft, müsste sich angesichts schwerwiegender Informationslecks eigentlich erst einmal ganz intensiv mit den Ursachen dieser Lecks und den Inhalten der bekanntgewordenen, angeblich geheimen Informationen auseinandersetzen. Nicht so jedoch in diesem Fall. Anstelle einer vorrangigen Befassung mit den eigenen Problemen wird zunächst einmal massiv auf den “Whistleblower” geschossen – und das aus allen Rohren, einschließlich ausgesprochen schmutziger solcher.

Damit kein falscher Eindruck entsteht, ich maße mir weder an, die heute weltweit in der Presse angeprangerte Weltsicht der USA zu beurteilen, noch ob Julian Assange zu recht oder nur willkürlich strafrechtlich verfolgt wird. Mir geht es um die höhere Ebene:

Einerseits begrüße ich, dass jemand, der von undichten Stellen in Regierungsorganisationen Kenntnis erlangt, dies publik macht. Man kann dies sicher auf sehr unterschiedliche Weise tun, genau wie das auch z.B. bei den allfälligen Sicherheitslücken von Software geschieht. Der eine schickt dem Betroffenen eine Warnung und sagt “Hey, ich würd mal da und da checken…”, der andere sagt sich “Das bringt ja sowieso nichts, hier muss ich das ganz große Fass aufmachen…” – und dazwischen gibt’s eine Menge feine Nuancen. Ob WikiLeaks hier den Pfad der Tugend beschritten oder gefährlich am Abgrund agiert hat wird wohl nur die Zeit zeigen können.

Andererseits muss sich die im aktuellen Fall betroffene US-Regierung die Frage gefallen lassen, wie sehr sie ihrem eigenen Anspruch an Ethik und Moral gerecht wird. Wenn ich ein Problem mit der Vorstellung habe, meine hinter vorgehaltener Hand geäußerte Meinung über irgendjemanden könnte mir schweren Schaden zufügen, wenn sie denn jemals publik wird – dann bin ich gut beraten, schlicht und einfach den Mund zu halten. Nichts verbreitet sich schneller als eine Information, die als “geheim” eingestuft ist und dann irgendwo durchsickert – das ist die Natur des Menschen und die ändert auch keine selbsternannte oder anerkannte Weltmacht.

Um zum Sandkastenspiel zurückzukommen: Als bekannt wurde, dass WikiLeaks über Informationen verfügt oder an Informationen zu kommen weiß, die dann vielleicht doch besser geheim gehalten würden, hätte der Eigentümer der Information vielleicht mal strategische Gespräche führen können. Ich sträube mich einfach dagegen, WikiLeaks pauschal soviel kriminelle Energie zu unterstellen, dass sie die erfahrenen Geheimnisse in jedem Fall vollumfänglich publik gemacht hätten, selbst wenn man auf sachlicher Ebene Gespräche gesucht hätte. Stattdessen wurde massiv gegen die Plattform vorgegangen, und der Selbstverteidigungsreflex führte zu weiteren Enthüllungen – die Eskalation ist bestimmt noch nicht abgeschlossen.

Wie peinlich es potenziell für die Amerikaner kommen könnte, das haben ja schon die diplomatischen Vorwarnungen der letzten Tage gezeigt – da suchte man bereits das Gespräch mit befreundeten Regierungen a la “es könnte sein dass Euch da jemand was steckt was Ihr so nicht von uns gedacht hättet”. Der Witz ist bloss – ich bezweifle, dass die das alle wirklich nicht gedacht hätten. Herr Berlusconi, den man ja sonst nicht unbedingt geneigt ist, besonders ernst zu nehmen, macht jedenfalls fröhlich Witze über das, was da so ans Licht kam. Vermutlich sind die meisten betroffenen Regierungen – sofern sie dazu ansatzweise fähig sind – gut beraten, hier Humor walten zu lassen. Im übrigen traue ich Politikern zu, dass die alle gleich ticken und keiner am anderen ein gutes Haar lässt wenn nur die Gesellschaft (und im Zweifel der Alkoholpegel) stimmt.

Am Ende ist die ganze Affäre vielleicht für eins gut: Sie zeigt uns überdeutlich, in welch einer vergleichsweise doch glücklichen Zeit wir leben. Noch vor zwei Generationen wäre eine derartige “Enthüllung” diplomatischer Intimitäten für Waffengänge gut gewesen. Heute gibt’s gerötete Wangen und wenn wir Glück haben vielleicht den einen oder anderen überfälligen Rücktritt (wobei ich daran erst glaube, wenn er in den Nachrichten steht) – aber das war’s dann auch schon. Der einzige Diktator, der sich aktuell provoziert fühlen könnte, dürfte durch dieses Leck nicht wirklich Neues über sich erfahren haben und spielt ja aktuell ohnehin schon fleißig mit dem Feuer – für seinen ganz persönlichen Krisenherd konnte es also auch nicht schlimmer werden.

Was ich mir wünsche? Mehr Offenheit und Ehrlichkeit in dieser Welt. Und vielleicht, dass die, die sich anmaßen, hierfür Maßstäbe vorzugeben, diese auch vorleben. Es ist so leicht, Richtlinien für andere aufzustellen – aber unvergleichlich schwerer, diese auch für sich selbst glaubwürdig umzusetzen. Vor allem, wenn man nach all den Jahren und all den Konflikten praktisch “betriebsblind” geworden ist.

Leitmotto der USA ist “In God We Trust” – ich fürchte, in Anlehnung an eine bekannte Kaffeewerbung hält man sich zu oft an Petrus’ (John Malkovich’s) Einlassung: “Maybe we could make an arrangement…”

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Ganz schön schattig!

Kaum glaublich, ich hab mal die Verbrauchsdaten unserer Heizung von vor einem Jahr und aktuell verglichen – das lässt ganz nett Rückschluss auf das damalige und heutige Wetter zu (letzteres sehen wir leider nur zu deutlich – buaaaah!). Irgendwie war’s letztes Jahr um die gleiche Zeit für ein paar Mark wärmer (nagut, für ein paar Euro, bevor ich hier als Skeptiker der Gemeinschaftswährung akquiriert werde).

Zu solchen Gelegenheiten überkommt mich mal wieder ein wenig das Heimwerkerfieber – nicht dass ich zuviel Langeweile, geschweige denn auch nur “Zeit” (Hilfe, ich hab das schlimme Wort gesagt!) hätte, aber der “Baustellenflur” wurde langsam doch extrem fußkalt. Also die alten, hässlichen 30er Jahre Fliesen mit ihrem kombinierten Überzug aus Kleberesten und Ausgleichsmasse mit jeweils 5mm Filz und 5mm Polystyrol-Platten abgedeckt – nun kann man hier, die Abwesenheit von Kunststoffallergien vorausgesetzt, sogar barfuss über den Flur stiefeln. Da der Abend noch jung ist, wäre nun die Schnellverlegung skandinavischen Billig-Laminats (ich muss nicht “Elch” sagen um die Herkunft zu erläutern, oder?) angezeigt – doch leider sprachen die Unterlegplatten eine klare Sprache: 4,8qm Laminat reichen nicht, ich brauch noch ein Paket!

Weltuntergang ist anders, doch wird der Elan schlagartig eingebremst. Vielleicht ist es auch nicht dumm, denn mit Laminat wird’s wieder kühl am Fuß, andererseits wär’s nett ein paar Stolperfallen weniger zu haben. Naja, wenn’s sonst für nichts gut ist, kann ich wenigstens bei der Nachschubbeschaffung gleich noch die fehlenden Türschwellen und Kehlleisten organisieren.

Was mich darauf bringt, dass Herr Jauch gestern abend auch auf die Heimwerkernation Deutschland eingegangen ist – mit nicht durchweg schmeichelhaften Kommentaren aber dem Testergebnis, dass wir besser sind als unser Ruf. Also werd ich wohl meinen Allerwertesten in das unmöglichste aller Möbelhäuser schaffen, die Fehlteile besorgen und mein Image pflegen…

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Auf die Zunge beißen…

…musste ich mir vorhin beim Besuch einer bekannten Büroartikelmarkt-Filiale.

Eigentlich wollte ich nur ein paar harmlose Verbrauchsmaterialien erwerben, doch kam ich nicht umhin, ein wahres Verkaufsgenie und seinen nicht minder weltgewandten Kunden bei der Diskussion über mobile Internet-Endgeräte (a.k.a. Tablets) zu belauschen. Und was die zwei sich für einen fortgesetzt sinnfreien Kram in die eigene Tasche erfanden, da hätte ich am liebsten achtkantig verbal reingegrätscht.

Wie könnte es anders sein, der Kunde interessierte sich augenscheinlich für das auch dort angebotene iPad. Erste Frage (für den weiteren Gesprächsverlauf geradezu wegweisend): Ja wie bekomme ich denn da meine Daten drauf? Da brauche ich doch noch einen PC?

*MÖÖP* Leider verloren. Ein Tablet ist by Design kein kompletter Computerersatz – irgendein stationäres Gerät zum Datenabgleich sollte üblicherweise vorhanden sein. Schauen wir mal.

Genie: Jaa, Sie meinen sicher weil das iPad keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten bietet? Das sage ich ja auch immer – ein nettes Spielzeug, aber wenn es um Erweiterungen geht, wegwerfen und was Neues kaufen.

Als Chef dieses begabten Verkäufers, in dessen Laden besagtes Gerät in einer immerhin 699 € teuren Variante angeboten wird, müsste mir da spontan der Kamm schwellen – nicht nur, weil sich der Mitarbeiter offensichtlich nicht im entferntesten mit der angebotenen Ware auseinandergesetzt hat, sondern auch, weil er soeben den Tagesumsatz nachhaltig geschädigt hat. Aber er ist noch nicht fertig:

Kunde (offenbar ein echter Kenner): Naja, ich bin ja bei Apple-Produkten auch immer etwas skeptisch.

Glanzvorlage für das Genie: Jaaa, bei anderen Anbietern ist der Kunde König, bei Apple eher der Sklave. Wenn Sie etwas erweiterbares suchen, sollten Sie sich mal das neue Samsung Galaxy ( er meint das Galaxy-Tab, Anm. d. Red.) anschauen.

Kunde: Das Betriebssystem ist sicher Windows-ähnlicher?

Genie (Vorsicht, Krampfgefahr): Ja, das nennt sich An-droh-id. Das ist eine freie Software, dafür können Sie sogar selbst Programme schreiben…

Kunde: Und das ist dann erweiterbar?

Genie: Ja das hat dann USB, da können Sie alles anschließen.

Kunde: Und hat das irgendwelche Laufwerke? (Oh Schmerz!)

Genie: Da können Sie dann alle Ihre Laufwerke anschließen. (Na das will ich sehen…)

Die weiteren tiefgründigen und aus kultiviertem Halbwissen entsprungenen Ergüsse überspringe ich hier mal, denn die Pointe kommt ja noch:

Genie: …und das Ganze kostet dann nur die Hälfte und kann doppelt soviel. (Logisch, das deckt sich exakt mit meiner Marktkenntnis ;) )

Kunde: Können Sie mir das mal vorführen?

Genie: Naja, das haben wir nicht da, aber da sollten Sie mal bei (Mobilfunkanbieter) fragen!

Hallo?!? Dieser Mann erzählt seinem Kunden vollendet unfundierten Dünnsinn über ein Gerät, das er verkaufen könnte, wenn er sich denn mal selbst damit befasst hätte, und schickt den Kunden dann auch noch zur Konkurrenz???

Ich maße mir nicht einmal an zu beurteilen, ob besagter Kunde mit dem einen oder anderen Gerät besser bedient wäre – ich schätze sogar, dieser Kunde ist noch nicht in der Tablett-Zielgruppe angekommen. Aber bei einem solchen Nichtverkaufsgespräch kriegt auch ein ausgewiesener Nichtvertriebler wie ich wahre Watussi-Hörner!

Schade, ich hatte mein iPad (mit dem ich das hier gerade schreibe) leider nicht dabei, sonst hätte es mir viel Spaß gemacht, ihnen die Fehler ihrer Wege in allen Farben des iOS 4.2 aufzuzeigen. Mein iPhone (das im Zuge des Gespräches auch sein Fett wegbekam) hatte ich am Mann, aber das hätte nicht soviel Spaß gemacht.

Ich will ja gar nicht behaupten, dass alles, was “mit Obst” zu tun hat, per se der Weisheit letzter Schluss ist, aber es ist traurig, mit anzusehen, was manche Menschen unter kompetenter Beratung verstehen.

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Sauwetter…

Gut, dass es Mittagspausen gibt… ich bleib nämlich niemandem gern was schuldig.

Da klagte doch mein lieber Kollege André über die Eigenwilligkeiten seiner nicht mehr so ganz taufrischen Heizungsanlage, und ich hab mich hinreissen lassen, einen Blogpost zu unserer Lösung zu verfassen. Na dann will ich mal:

Wir schrieben das Jahr 2008 als sich im schon damals nicht gerade ausgesprochen milden Winter unsere alte Vaillant Niedertemperaturheizung mit dem Begehren meldete, mal Pause machen zu wollen. Klasse. Draussen kalt, drinnen kalt – ärgerlich. Der herbeigerufene Heizungsbauer fand einen spontanen Fehler in der Steuereinheit, die er für geradezu unglaublich günstige 450 Euro auswechseln wollte. Was zur Not noch okay gewesen wäre, wenn denn diese Steuerung den Fehler behoben hätte. Mitnichten. Zwei Tage später stellte sich dann heraus, dass die alte Steuerung völlig intakt war, lediglich der Außentemperaturfühler war komplett abgesoffen, weil ihn irgendein Volldepp mit der Kabelöffnung nach oben an die Aussenmauer geschraubt hatte. Kann ja nicht gut gehen.

Damit war das Vertrauen in besagten Heizungsbauer besiegelt, und da wir im gleichen Jahr zu einer gewissen Summe Geldes kamen (ist eine andere Geschichte) war dann mal Grundrenovierung angezeigt – nicht zuletzt auch, weil die alte Anlage im Frühjahr zu allem Überfluss noch anfing zu lecken!

Passenderweise lernten wir im selben Jahr einen – meiner Meinung nach – deutlich qualifizierteren Heizungsbauer kennen (Schöne Grüße ;) ) und relativ schnell wurde klar, wir machen keine halben Sachen mehr. Gas musste es sein, Brennwert war das Mittel der Wahl, jetzt musste “nur noch” das Design stimmen. (Übrigens ist heute Sauwetter, ich kann also nur mit Innenaufnahmen dienen – zumal die Mittagspause nicht ewig dauert)


Die Idee, die dann zur Umsetzung kam, war ebenso einfach wie genial: Das Niedertemperaturgehopse flog auf den Schrott, auf den es gehörte, und stattdessen gab es einen netten kompakten Wandhänger mit integriertem kleinem 40l-Schichtspeicher für Warmwasser. War auch höchste Zeit, denn unser nur 12 Jahre alter 200l-Speicher erfreute sich nicht unerheblichen Rostbefalls – von dem wegen des Kalkgehalts mitunter als “Flüssigbeton” verschrieenen Wasser hier mal ganz zu schweigen. Übrigens war der alte Kessel zu dem Zeitpunkt 16 Jahre alt und wie ein anderer Installateur mal sagte: “Denken Sie mal dran, wieviele Autos Sie in der Zeit gehabt haben”… und die Dinger haben meist weniger Betriebsstunden auf dem Buckel.

Nagut. Der neue Brenner allein sollte es aber nicht sein – schließlich fraß uns der lokale Gasversorger schon reichlich die Haare vom Kopf. Da unser Haus eine nette Südwestlage hat, bot sich eine kombinierte Heizungs- und Warmwasser-Solaranlage an. Der Haken dabei: Wir wohnen im Altbau, mit knapp 175cm Deckenhöhe im Keller! Es gibt praktisch keinen modernen Solar-Schichtspeicher, der da stehend reinpassen würde – geschweige denn auch nur reingetragen und halbwegs aufgerichtet werden könnte.

Also eine nette Knobelaufgabe für unseren Handwerker. Fünf große Flachkollektoren auf’s Dach zu schmeissen ist bestenfalls etwas, was Muskelschmalz kostet. Aber wie kriegt man die Speicher eingebaut und die Ansteuerung gelöst? Kombinierte Konzepte für Heizungsunterstützung und Warmwasser gehen im Normalfall von 500-750l Schichtspeichern aus, mehr ist besser. Passt aber nicht rein.

Wenn man nicht schichten kann, muss man eben in die Breite gehen. Also bekamen wir statt eines direkt zwei Speicher eingebaut. Die passten mit je 300l prima in den Keller (auch wenn zum späteren Anodentausch jetzt nur noch Kettenanoden in Frage kommen, da die normalen noch ca. 1m Luft über dem Speicher erfordern würden – das wäre dann in etwa zwei Handbreit über dem Fußboden meines darüberliegenden Musikzimmers…). Einer dieser Speicher ist der Puffer für Warmwasser, der andere ist in den Heizungsrücklauf eingeschleift. Die Solarsteuerung sorgt dafür, dass verfügbare Solarwärme jeweils ideal auf diese Speicher aufgeteilt wird, wobei Warmwasser aus naheliegenden Gründen den Vorrang hat. Das zugrundeliegende Programm ist nicht so ganz trivial, weshalb kein Regler des Heizungsherstellers sondern ein Fremdgerät zum Einsatz kam. Macht aber nichts, das Ding ist dermaßen wartungsfrei dass es ruhig in der Ecke im Keller hängen darf.

Mittlerweile haben wir mit der besagten Anlage schon zwei Sommer hinter uns, in denen die Kollektoren fleißig “gepulvert” haben. Im ersten Jahr hat sich unser monatlicher Gasabschlag durch Minderverbrauch und Preissenkung quasi halbiert (!), im aktuellen Jahr zog die Sache dann wieder an, was aber normal ist da eine komplette Haushälfte dazu kam und nun mit beheizt wird. Gibt schlimmeres…

Zwei Dinge seien noch erwähnt:

So ein Brennwert-Ding verursacht ein nicht geringes Aufkommen an Kondenswasser im doppelwandigen Kunststoff-Kaminzug. Das muss irgendwohin. Mangels Abfluss im Heizungskeller montierten wir eine kleine Pumpe mit ca. 15m Aquariumschlauch, durch die das Wasser bei Überschreiten einer gewissen Menge in die Waschküche befördert wird. Von der Nutzung desselben wird abgeraten weil es durchaus unangenehme Beimischungen enthalten kann (der Schlauch ist inzwischen leicht gelblich verfärbt – das muss ja woher kommen).

Und da es im Winter schonmal richtig kalt werden kann, haben wir uns noch einen kleinen “Smokey Joe” gegönnt, der die Lastspitzen der Heizung in diesem Winter hoffentlich deutlich einkürzen wird. Ich werde zu berichten wissen.

Die beteiligten Handwerksbetriebe empfehle ich bei Bedarf in der Region gern weiter ;)

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Spießbürger und Spaßbremsen

Es ist schon seltsam, man möchte den Eindruck gewinnen, dass liebgewordene Traditionen oder angestammte Einrichtungen heutzutage nichts mehr wert sind, und grundsätzlich hinter dem Interesse Einzelner zurückzustehen haben.

So geschehen dieser Tage in meiner Wahlheimatstadt: Dort gibt es seit geschlagenen 47 Jahren ein Glockenspiel an der Hausfassade eines stadtbekannten Juweliergeschäfts, das jahrein-jahraus mit jahreszeitlich passend gewählten Weisen sechsmal am Tag die Stunde schlug. Schlug, richtig. Denn nun wurde es offenbar einer Anwohnerin zuviel. Sie führte Beschwerde über den Lärm, es wurde gemessen und tatsächlich wagten es besagte Glocken, die zulässige “Lärmbelästigungsgrenze” um 2dB zu überschreiten.

Jeder, der sich mal ein wenig mit Immissionsschutzmessungen auseinandergesetzt hat, weiss zur Genüge, wie stark Ergebnisse solcher Messungen von den tagesaktuellen und örtlichen Gegebenheiten abhängig sind. Das ist aber nicht das Hauptproblem. Vielmehr ist es hier die fehlende Courage und das noch viel mehr fehlende Traditionsbewusstsein einer Stadtverwaltung, hier vielleicht einfach einmal Gesicht zu zeigen und nicht blind angesichts des erstbesten Messergebnisses vollendete Tatsachen zu schaffen – die da bedeuten, dass die Glocken fürderhin zu schweigen haben! Beeindruckend ist die Einräumung der Stadt, dass man “von sich aus nie aktiv geworden wäre” – ist das jetzt eine Entschuldigung oder doch eher ein Armutszeugnis? Eigeninitiative gibt’s nicht? Hmm…

Zwar kenne ich die gute Frau nicht, die über besagten Lärm Klage führte. Auch vermag ich nicht zu beurteilen, welche Gespräche zwischen Stadt, Anwohnerin und Betreiber der “Lärmquelle” geführt wurden. Ich wage aber zu behaupten, in erster Linie zu wenige.

Bottrop ist mit dieser Geschichte ja leider beileibe kein Einzelfall sondern nur einer, der mir zufällig gerade ins Auge sticht und mich auf dieses Thema bringt. Schon vor vielen Jahren erregte ein ähnlich gelagerter Fall viel Aufsehen in meiner alten Heimat Soest. Dort gab es einen seit vielen Jahren etablierten Biergarten einer Traditionsgaststätte, und nur auf Betreiben eines neu zugezogenen Anwohners wurde der Inhaber verdonnert, den Biergartenbetrieb zur besten Jahreszeit prinzipiell um 22:00h zu schließen – keine Option auf lärmmindernde Maßnahmen oder ähnliches, einfach Schließung. Auch das, und vor allem auch damals leider schon kein Einzelfall.

Es gab mal eine Zeit, da galten zwar auch schon Grenzwerte und gesetzliche Regelungen – es gab aber auch sowas wie ein Gewohnheitsrecht, und wenn eine bestimmte Sache nur lange genug etabliert war, hatte irgendein “Zugereister” relativ schlechte Karten, daran irgendetwas ändern zu wollen. Wäre ja auch noch schöner. Wenn ich mir einen neuen Wohnsitz suchen würde (was ich Gott sei dank nicht vor habe), müsste ich mir doch auch denselben intensiv anschauen, was auch die Beurteilung der Umgebung (einschließlich potenzieller Belästigungsquellen) einschließt. Ziehe ich dann trotzdem ein, muss ich mit dem leben, was ich da vorfinde.

Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, wenn ich in eine traditionsreiche deutsche Stadt mit z.B. historisch wertvollem Rathausglockenspiel ziehen würde, und wollte als Neubürger dasselbe stillegen lassen. Über die immer wieder aufkommenden Klagen gegen Kirchenglocken wollen wir da gar nicht nachdenken. Wo bitte ist dieses Land hingekommen?

Mindestens ebenso schlimm ist, dass ja sogar “Alteingesessene” hervorragend in der Lage sind, spontanen Ärger durch völlige Ausblendung ihres Langzeitgedächtnisses (gesunden Menschenverstand schließe ich in diesem Kontext von vornherein aus) zu unterfüttern. So geschehen bei einem Kindergarten in einem Wohngebiet, an dem eine langjährige (und mittlerweile entsprechend betagte) Anwohnerin regelmäßig für Kopfschütteln sorgte, indem sie sich über spielende Kinder beschwerte. Wie diese überhaupt das Ärgernis schlechthin sein müssen – vor allem für diejenigen, deren Renten sie gelegentlich bezahlen sollen. Ausgesprochen ermutigend.

Ich kann es nicht vermeiden, auch hier wieder den Brückenschlag zur Migrantendebatte zu finden: Von unseren lieben Einwanderern erwartet jeder, die oben genannten Beschwerdeführer zweifelsfrei eingeschlossen, dass sie sich an unsere Gegeben- und Gepflogenheiten anpassen und uns als die, “die zuerst hier waren”, respektieren. Wenn aber ein “Nichtmigrant” zuzieht und auf den Putz haut, knicken sofort alle verantwortlichen Stellen ein, denn – oh jemine – derjenige könnte ja vor Gericht ziehen und am Ende noch… recht bekommen! (Auf die Idee, dass auch Richter gelegentlich Traditionen und Gewohnheitsrechte erkennen und unterstützen, kommt in dem Zusammenhang scheinbar niemand) Ich frage mich gerade, ob ein Einwanderer in seinem deutschen Wohngebiet eine Chance hätte, gegen Kirchenglocken zu klagen? (Klagen könnte er, aber wohl nicht gewinnen). Den Gedanken des umgekehrten Falles mag ich nicht zu Ende führen…

Wobei – eigentlich ist unser System ja doch genial. Ich wohne seit 14 Jahren in Steinwurfweite einer vielbefahrenen Einfallstraße und – noch besser – der Autobahn. Wenn ich im Sommer auf der Terrasse sitze und der Wind steht günstig, würde ein Messgerät bestimmt hochinteressante Ergebnisse liefern. Warum fordere ich nicht einfach mal die Behörden auf, ein Tempolimit auf der Autobahn einzusetzen, die durch unsere Straße führende Bedarfsumleitung zu verlegen (und dabei gleich Tempo 30 und Radarkontrollen zu installieren) und auf der Einfallstraße die Grüne Welle so umzuschalten dass der Verkehr auf Kriechgeschwindigkeit runtergeht? Und weil’s soviel Spaß macht, müsste ich meinem Nachbarn noch Hühner- und Ziegenhaltung verbieten lassen damit auch richtig Ruhe herrscht. Bleibt dann nur noch das unerträgliche Gebrüll der Vögel…

Armes Deutschland!

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Mein Unwort des Jahres…

Da hat doch meine liebe Kollegin voll meinen Nerv getroffen mit ihrer Blog-Aktion “Unwort des Jahres”:

Sie wählte “Migrationshintergrund”, und das nicht von ungefähr, wo doch der erstaunlicherweise immer noch diesbezüglich auf Kreuzz.. – ähm – “Informationsveranstaltungen” aktive Herr Sarrazin damit scheinbar dem sich selbst abschaffenden Volk/Land aus der vermeintlichen Seele gesprochen hat. Komisch nur, dass es mir schwerer und schwerer fällt, Menschen zu finden, die an seiner Argumentation irgendetwas sachliches entdecken können. Sollte ihm eines gelungen sein, dann sicher den Kunstbegriff “Migrationshintergrund” final mit einem negativen Beigeschmack zu belegen.

Ich hätte mich auch spontan hinreißen lassen, besagtes Unwort zu unterstützen, wären da nicht noch ein paar andere Begriffe, die ich für vergleichbar qualifiziert halte. Schöne Kandidaten, die allerdings beinahe schon zeitlos oder aber jahresübergreifend sind, wären “Bankenrettung”, “Staatsbankrott”, besonders schön und geradezu eine Tautologie ist “Bad Bank” und so richtig die Gemüter zum kochen bringen dürfte “Laufzeitverlängerung”. Eines aber ist ein wunderbares Wort, das unsere lieben Politiker nur allzugern in den Mund nehmen wenn sie die Argumente der Gegner gleich in Bausch und Bogen abbügeln wollen. Fast könnte man unserer ersten und wenn das so weitergeht einzigen Kanzlerin die Erfindung dieses Begriffs zuschreiben, denn er ist zu ihrem Lieblings-Totschlagargument geworden: Egal was für unpopuläre Entscheidungen anstehen, sie sind scheinbar grundsätzlich “alternativlos”. Bingo. (Oder wie ihr Vorgänger zu sagen pflegte: Basta!)

Eine alternativlose Hummel

Meine Entscheidung wurde spontan von einer kleinen Google-Recherche untermauert: 107.000 Treffer sind keine schlechte Quote für ein werdendes Unwort des Jahres. Es sind natürlich auch schon weniger häufig im Netz anzutreffende Begriffe zu Unwörtern gekürt worden – und das auch zu recht – aber die allgemeine Tendenz, dieses Wort extrem negativ aufzunehmen, ist schon beeindruckend. Fast möchte man Frau Merkel raten, sich diese Alternativlosigkeit wieder abzugewöhnen, denn erstens stellt sie eine ziemliche Sackgasse, wenn nicht gar ein selbstgebasteltes Armutszeugnis dar (ungefähr wie in: “XYZ ist alternativlos weil mir nichts mehr einfällt!”), und zweitens macht die Anwendung des Ausdrucks die damit kommunizierte Entscheidung schlagartig unbeliebt. Marketing Lektion Nr. 1: Wenn ich was verkaufen will, darf ich nicht versuchen, alle Alternativen schlecht zu reden, sondern muss herausstellen, was an meinem Produkt besonders toll ist. Ich mag ja nicht auf Frau Merkels persönlicher Vergangenheit rumreiten, aber die “Alternativlosigkeit” hätte sie sich doch eigentlich zusammen mit 16 Millionen unserer Landsleute in den letzten 21 Jahren ausreichend abgewöhnt haben sollen. Aber vermutlich war auch das, was damals geschah, schon in sich alternativlos. Das wäre dann, von gewissen der Vergangenheit nachhängenden Betonköpfen mal abgesehen, ausnahmsweise ein positives Beispiel: Aus reiner Alternativlosigkeit schafft ein Volk seine Alternativlosigkeit ab. So gesehen fast eine sarrazinische Überschrift.

Aber natürlich halte ich meine Wahl nicht für alternativlos, deswegen lade auch ich alle Leser dieses Artikels ein, in ihrem Blog ihr Unwort des Jahres zu küren und auf andere gleichartige Beiträge zu verlinken. Meine Überzeugung, dass dabei noch viel Interessantes zu lesen sein wird, ist jedenfalls alternativlos ;)

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Zweistein Lernsoftware?

Tag zusammen,

bei Durchsicht meiner Web-Statistiken stolpere ich heute erneut darüber, dass unsere Seite mit dem Google-Suchmuster “Zweistein Lernsoftware” gefunden wird – und das auch noch an oberster Trefferstelle.

Freut einen ja prinzipiell, wenn Web-Suchende auf der eigenen Seite landen, wenn die Sache nicht ein “Geschmäckle” hätte: Wer sich mal durch unsere alten Seiten hangelt (sind oben verlinkt), findet schnell eine gewisse Abmahn-Story, die nicht zuletzt dadurch ausgelöst wurde, dass ein (in meinen Seiten ausdrücklich nirgends erwähnter) Inhaber einer – nach seiner Auffassung – ähnlichen Marke meinte, wir würden in seinem Terrain wildern. Das war natürlich ausgemachter Schwachfug, zumal derjenige großzügig übersehen hatte, dass es sich bei den monierten Seiten um vollkommen antiquierte, private Informationen ohne jegliches kommerzielles Angebot handelte, und darüberhinaus unser Domainrecht viele Jahre länger Bestand hatte als seine recht eigenwillig geschriebene Marke.

Warum ich diesen Artikel zusätzlich noch poste? Ganz einfach: Wer nach wie vor auf der Suche nach einer “Zweistein Lernsoftware” auf unserer Seite landet, soll ausdrücklich wissen:

  • Wir bieten hier keinerlei Lernsoftware an.
  • Es gibt mindestens drei uns bekannte Anbieter einer zu “Zweistein” ähnlich aussehenden/klingenden Lernsoftware.
  • Über zwei dieser Anbieter können wir keinerlei Nachteiliges sagen – über den dritten sagen wir lieber nichts.
  • Deswegen klemme ich mir erneut Namensnennungen. Ich hege aber noch die marginale Hoffnung, dass Nr. 3 den Fehler seiner Wege erkennen möge und sich für die seinerzeitige Abmahnung (gern auch unter Erstattung der uns damals entstandenen eigenen Kosten für die Gegen-Abmahnung) entschuldigt. Sollte das passieren, ist es mir eine Freude, nochmal ganz offen über eine Verlinkung zu diskutieren und ggfs. sogar das betreffende Produkt mal zu testen und zu bewerten. Ich bin nämlich aus Prinzip nicht nachtragend.

    Einzig wer mir schonmal so komisch gekommen ist, der darf bitte wenn er mein Entgegenkommen möchte mal den ersten Schritt dahin tun. Und von seinem Anwalt mag ich nichts mehr hören, sonst hört der von meinem – und das wird dann definitiv nicht lustig.

    Achso, da mich mal wieder eine Verkaufsanfrage erreichte: Sollte das wieder ein “Strohmann-Versuch” gewesen sein: Zwecklos. zweistein.de steht nicht zum Verkauf. Soviel, dass ich mir das überlege, kann mir keiner freiwillig bieten wollen. Über Weiterleitungen und Verlinkungen in sinnvollem Umfang lasse ich gern mit mir reden – dabei steht aber nicht finanzielles Interesse sondern die ethische und inhaltliche Qualität des zu verlinkenden Inhaltsanbieters im Vordergrund – Werte Herrschaften einer gewissen Firma und einer gewissen Kanzlei: Sie werden sich denken können, was ich meine…

    Ansonsten danke für’s ‘reinlesen – es war mir ein Bedürfnis ;)

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    Erschütternd…

    Eigentlich wollte ich nicht erneut davon anfangen, aber als bekennender SternTV-Zuschauer kam ich nicht umhin, dieser Tage meinen ganz speziellen “Freund”, Herrn Sarrazin, dort zu sehen.

    Bis dahin kannte ich von ihm allenfalls Ausschnitte aus Tagespresse und Nachrichtensendungen, in denen er sich auf’s Abgebildet-werden und gelegentliche schriftliche Äußerungen beschränkte. Nachdem ich ihn nun sowohl in der Reportagesequenz, in Vortragsausschnitten und live im TV gesehen habe, stellen sich mir ein paar Fragen:

    Es mag sein, dass sein vielbesprochenes Buch einen Nerv unserer Zeit trifft. Wie gut oder schlecht es das tut, vermag ich mangels Einsichtnahme nicht zu beurteilen, ich frage mich aber dennoch, wie es sein kann, dass ein von ausgewiesenen Fachleuten derart verrissenes Buch in der Auflage von 25.000 (was für ein gelegentliches gnädiges Nischendasein in Bibliotheken reichen dürfte) auf über eine Million anzieht?

    Es mag sein, dass einige Menschen – auch und gerade ohne besagtes Buch gelesen zu haben – von den vordergründig durch die Presse gegangenen Ansichten des werten Herrn angezogen sind – oder gar glauben, diese zu teilen. Wie kann man aber in einer aufgeklärten Zeit wie der unseren so eine Einstellung vertreten oder gar unterstützen? Es wird überdeutlich, dass mein fast-schon-Lieblingsthema ein Problem mit bestimmten – durchweg ein- und derselben Weltreligion zugewandten – Zuwanderergruppen hat. Was gibt ihm aber das Recht, egalwelche Gruppe pauschal, schlimmerweise unter regelmäßiger Betonung des religiösen Zusammenhangs, über einen Kamm zu scheren?

    Schlimmer noch: Es mag sein, dass einige seiner Leser seiner Argumentation (so er eine hat) folgen können. Wie aber können sie das noch, nachdem sie den guten Mann live oder auch nur im TV-Gespräch erlebt haben? Die Geschichtsbücher sind zwar leider voll von Menschen, die mindestens ähnlich wirres Zeug von sich gegeben haben und deswegen besser niemals ein Publikum gefunden hätten. Das scheint aber die Frustrierteren unter uns nicht davon abzuhalten, auf genauso zusammenhangloses und wiederholungsschwangeres Geschwätz erneut hereinzufallen. Bitter.

    Interessant finde ich, dass in den gezeigten Interviews Angehörige der “Tiradenzielgruppe” teilweise sogar Verständnis für manche Thesen des Herrn Sarrazin äußern. Die Selbstkritik ist also eindeutig vorhanden, doch da genau ist ja die Diskrepanz. Wahre Größe zeigt sich nicht darin, nach schönstem Bibelwort jeden Splitter im Auge des Nächsten erkennen zu wollen, darüber jedoch den Balken im eigenen Auge großzügig zu ignorieren. Man möchte Hörner kriegen, dass solchen Leuten auch noch regelmäßig eine Bühne gegeben wird.

    Hatte ich im Sinne der eigenen Meinungsbildung zunächst noch einen Blick in jenes rot eingebundene Machwerk über die Selbstabschaffung unseres Landes erwogen, so hat der Autor zumindest bei mir erfolgreiche Kundenvergraulung betrieben. Danke für das gesparte Geld – die Umweltenlastung durch Nichtdruck dieses Buches wäre vermutlich noch erstrebenswerter. In diesem Sinne war es vielleicht doch nicht so schlecht, dass Herr Jauch seinen Gast empfangen hat…

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    Wird’s jetzt besser?

    …oder noch schlimmer?

    Dieses Zitat kam mir spontan in den Kopf als ich den neuesten Geniestreich von Herrn Schäuble las.

    Ich bin ja nun bekanntermaßen ein Gegner des blauen Dunstes, und das nicht allein weil ich es bislang 44 Jahre lang konsequent “ohne” ausgehalten habe. Aber die anderen traurigen Implikationen gehören grad nicht hierher.

    Trotzdem muss ich mich vorsichtig am Kopf kratzen. Bei Rauchverboten, insbesondere dem nunmehr per Volksentscheid in Bayern besonders rigorosen solchen, habe ich in der Vergangenheit immer losgejubelt. Allerdings hält sich die Schädlichkeit des Rauchens dann doch in überschaubaren Grenzen, da sie sich in erster Linie auf den größten Schädiger selbst auswirkt.

    Anders verhält es sich bei dem, was nun durch erneute finanzielle Belastung der schwindenden Raucherzahl (sei es durch Selektion oder durch die einsetzende Einsicht, dass Geld zu schade zum verqualmen ist) entlastet werden soll: Es geht um die Ökosteuer für besonders energieintensive Betriebe, die im Gegenzug weiterhin niedrig gehalten wird. Ein reichlich dummer Fehler.

    Fehler? Wirklich? Geht es doch vordergründig um die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und damit um Arbeitsplätze. Aber wie sieht’s denn wirklich aus? Die besagten Betriebe wissen doch nicht erst seit gestern, dass Energieverbrauch teurer wird und zur Motivation eines umweltfreundlicheren Verhaltens auch teurer werden muss. Genutzt haben sie die “Vorwarnfrist” aber vor allem dazu, ihre Unternehmensbilanzen im erwünschten Bereich zu halten. Investitionen? Wozu, dafür gibt’s doch bezahlte Lobbyisten?

    Freilich befinden sich die betreffenden Unternehmen in hervorragender Gesellschaft – Politiker tun eben in erster Linie nicht das, was ihre Wähler von ihnen erwarten, sondern das, wofür sie bezahlt werden – sei es das Tagesgeschäft, das durch ihre Diäten abgedeckt ist, oder die Entscheidungen im Sinne einer zahlungskräftigen Lobby, die natürlich um Gottes Willen nicht die Politiker, wohl aber ihre Parteien oder andere ihnen nahestehende Anliegen finanziert. Wir sind nicht korrupt, aber ohne Schmierstoff läuft eben trotzdem nichts. Man muss nicht “Steuergeschenk an Hoteliers” sagen, um zu zeigen, dass hier reichlich viel falsch läuft.

    Wie aber wäre es denn nun richtig? Da ich für mich keine Objektivität beanspruchen kann und will, wäre mein Vorschlag: Am besten: Beides! Die besagten Betriebe bekommen keine Entlastung, können aber nachgewiesene Investitionen in energiesparende Technologien steuermindernd geltend machen. Die erhöhte Besteuerung der Qualmerei findet aber dennoch statt – aber mit anderer Begründung: Sie soll nicht “Gegenfinanzierung” sein, sondern der konsequente nächste Schritt hin zu einer rauchfreieren (und damit hoffentlich gesünderen) Gesellschaft.

    Rauchen ist unpopulär geworden, somit sind die Tabak- und auch die Raucherlobby weitestgehend “abgemeldet”. Vermeidbarer Energieverbrauch soll kraft Ökosteuer ebenfalls unpopulär gemacht werden – die Werbung ist voll davon. Es wäre schön, wenn die Politik auch hier nicht mehr einknicken sondern konsequent handeln würde.

    Wenn die Damen und Herren in Berlin nichts besseres vorhaben – seit bestimmt 20 Jahren redet immer mal wieder einer von ihnen vom “großen Wurf” einer Neuordnung des Steuersystems – meistens wird der Redner anschließend abgekanzelt und im politischen Niemandsland entsorgt. Dieser Debatte sollten sie sich mal stellen. Die Lobby, die dies durchdrücken könnte, ist zwar leider erst 2013 wieder gefragt – aber wer sagt denn, dass man bis dahin gefälligst den Mund zu halten habe?

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    Sind wir zukunftsunfähig?

    Zu Stuttgart 21 wurde bereits viel – möglicherweise alles – gesagt. Aber wenn man sich aktuelle Berichterstattungen z.B. vom Gotthardt-Tunneldurchstich anschaut, so drängt sich doch mehr und mehr die Frage auf: Warum kriegen andere Länder vermeintlich ohne immensen Aufruhr im wahrsten Sinne des Wortes “bahnbrechende” Großprojekte gestemmt während bei uns alles mehr und mehr versandet, medienwirksam blockiert oder einfach nur kaputtdiskutiert wird?

    Dabei gibt es sicherlich zwei Aspekte, die nicht zu leugnen sind: Der eine ist, dass wir weit entfernt sind von den Zeiten, wo alles, was erstrebenswert schien, auch als bezahlbar angenommen wurde (dass es das in der Regel nicht war, belegen die ererbten Schuldenlasten). Der andere ist, dass nicht alles, was politisch gewollt ist, auch objektiv sinnvoll sein muss.

    Dabei muss man sich mal vor Augen halten, dass gerade Deutschland in puncto Großprojekte durchaus Phasen hatte, wo es weltweit führend war. Diese waren – von einer höchst unrühmlichen Ausnahme abgesehen – in der Regel auch von einer gewissen Prosperität begleitet, und spätestens das sollte uns in unserer Post-Bankenkrisen-Zeit zu denken geben. Zwar überschlagen sich manche Experten derzeit geradezu mit rosigen Prognosen über die deutsche Wirtschaft, aber ganz viel davon baut natürlich wieder mal auf den Außenhandel – wenn auch mal im Land ordentlich die Schüppen geschwungen würden, wäre dem Ganzen mglw. etwas mehr Nachhaltigkeit beschert.

    Es ist aber auch so schön (und scheinbar eine deutsche Tugend), Althergebrachtem die Stange zu halten. Da wird über Jahre und Jahrzehnte hinweg der deutsche Kohlebergbau mit massiven Subventionen und gleichzeitig erheblichen Kollateralschäden für die Bevölkerung am Leben gehalten – und wenn dann eine EU auf den Trichter kommt, das Timing für den Ausstieg durcheinanderzuwürfeln, ist das erste was uns – respektive den unmittelbar Betroffenen – einfällt: Protest. Klasse.

    Dann kommt eine – zugegebenermaßen aktuell nicht sonderlich beliebte – Regierung daher und verkündet den Rückzug vom Ausstieg aus der Kernenergie. Interessant ist, dass diejenigen, die als vehementeste Gegner dieser Energieform gelten, früher als “Alternative” firmierten – sich aber heute gern auch so mancher sinnvoller “Alternative” zu den mehr oder weniger zurecht abgelehnten Projekten verschließen. Solche können und müssen eben vielleicht auch mal große Windparks in Wattgebieten (was fast wie ein Wortspiel anmutet) oder verkehrstechnisch sinnvolle Bahnhofsumbauten unter Brutgebieten gewisser Käferarten sein…

    …was nicht kommentarlos jedes Großprojekt in Schutz nehmen soll – beileibe nicht! Gerade bei Stuttgart 21 musste ich ein wenig an den “Anhalter” denken. Dieses Projekt ist nicht erst seit gestern in der Mache und deutsche Gründlichkeit bietet so ziemlich jedem, der nicht davon betroffen ist, die Möglichkeit, seinen Senf oder gar Widerspruch zu einem derartigen Projekt zu äußern – bevor es in Angriff genommen wird. Ein von a bis z genehmigtes Projekt aber dann im Nachhinein doch wieder komplett in Frage stellen zu wollen… fast möchte man sagen, “zu Kaiser’s Zeiten hätt’s das nicht gegeben” (obwohl in jener autoritären Zeit auch mehr Messing als Gold war, was glänzte…).

    Ein anderes, ebenfalls verkehrstechnisches Beispiel für deutsche Kleindenkerei ist der schon legendäre Transrapid. Was haben wir das Ding damals in den 80ern als Vorboten der Moderne bewundert und gespannt darauf gewartet, wann man damit mal so richtig gepflegt von irgendeinem A nach irgendeinem B würde sausen können – statt bis zu einem glücklosen Tag im Emsland einsame Kreise zu ziehen. Geworden ist aus alledem nur eins – die Technologie wird beim einzigen Großkunden inzwischen kopiert und bei uns nach Auslaufen der Patente vermutlich eingestampft. Mag ja sein, dass die notwendigen Unterbauten nicht gerade hübsch gewesen wären – das war die Wuppertaler Schwebebahn aber auch nie und wird trotzdem als historisches und dennoch zukunftsweisendes Verkehrskonzept international bewundert. Womit wir wieder beim “früher ging’s doch auch” wären.

    Haben wir verlernt, innovativ zu sein? Sicher nicht. Aber der Sinn für etwas, was eine Gesellschaft eben auch voranbringt, nämlich das gemeinsame Anpacken für etwas ganz Großes – das ist in unserer Zeit kläglich abhanden gekommen. “Zuerst komme ich, dann lange nichts, dann sicherheitshalber erst nochmal ich, und dann können wir mal diskutieren…” – schade.

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