Flurbereinigung

Heute war mal wieder einer von den Tagen:

Es fing damit an, dass ich einen mittlerweile ansatzweise antiken Webserver bereinigen musste – dabei stolperte ich über ein paar schon vergessene Webseiten, über deren Erhaltungswert man sich trefflich streiten kann, und habe diese – motiviert wie ich war – prompt dem digitalen Nirvana überantwortet. Spannend war aber, dass ein Teil davon als Karteileichen in meinem Google AdSense Konto rumgeisterte – also dort auch Hausputz gemacht und bei der Gelegenheit eine ganze Reihe „Neuerungen“ bei AdSense festgestellt, die eigentlich schon lange keine mehr sind – wie die Zeit doch rennt.

Na jedenfalls gab eine Arbeit die andere – denn Google macht scheinbar Druck, was die bessere Einstufung von SSL-verschlüsselten Webseiten betrifft. Einige meiner am besten laufenden Seiten warfen kaum mehr Werbeeinnahmen ab, und das nicht zuletzt, weil sie noch unverschlüsselt liefen.

Zum Glück hat LetsEncrypt hier für einen günstigen Weg der Abhilfe gesorgt, und auch die Integration in das von mir inzwischen hoch geschätzte ISPconfig funktioniert (fast) tadellos – es gibt halt ein bis zwei Fallstricke zu vermeiden. Wen’s interessiert: Wer bei einer laufenden ISPconfig Installation LetsEncrypt „nachrüstet“, sollte höllisch aufpassen, dass er 1. dem CertBot bei der Installation auf keinen Fall erlaubt, schonmal fröhlich Zertifikate für die bestehenden Webseiten zu erstellen und 2. vor der Aktivierung von LetsEncrypt evtl. schon vorhandene Zertifkate von den umzustellenden Webseiten zu löschen. Sonst legt sich das Ding die Karten oder macht einfach gar nichts. Man kann dann mitunter Bissspuren in der Tischplatte  hinterlassen…

Genug des Exkurses – nachdem der Spaß lief, durfte ich dann in antikem Perl-Code wühlen und LUGNET debuggen – ärgerlicher als gar keine Verschlüsselung ist das gelbe Ausrufezeichen, das auf „Mixed Content“ hinweist – oder mit anderen Worten auf einen Webmaster, der seine Hausaufgaben nicht richtig gemacht hat. Soll vorkommen, fuchst aber wenn man selbst derjenige ist. Ich hoffe, die ursprünglichen Macher der Seite haben meine Flüche nicht vernommen…

Wehe wenn die Kreativität ausbricht – als nächstes war dieses Blog fällig – und in diesem ist auch meine Genealogie-Hobbyseite eingebaut, die mit Webtrees läuft. Ein tolles System, das ich über die Jahre sehr schätzen gelernt habe – aber auch dieses wollte mich heute mit ein paar Eigensinnigkeiten beschäftigen. Zugegeben, ich hatte es vorher nie probiert, aber wenn sich eine Theme-fähige Plattform mit vorinstallierten solchen beharrlich weigert, das Theme umstellen zu lassen, kann einen das schonmal kirre machen. Der Trick war am Ende, den Wahlschalter für die Theme-Umstellung für alle User sichtbar zu machen und dort tatsächlich einmal die Einstellung zu ändern. Anschließend lies sich das Default-Theme ändern und auch so locken, dass es jetzt dauerhaft aktiv bleibt. Trotzdem schräg. Dafür fand ich dabei ein schön elegantes Theme einer niederländischen Entwicklerin, das ich mit Freuden weiterempfehle.

Am Ende eines Tages wartet ein großer Weinbr… ähm, Quatsch… wartet ein Wust von Spam in den Kommentaren von WordPress. Also die Grobkeule rausgekramt und V**gra, C**lis und „gutgemeinte Tipps“ zu fragwürdigen Finanzierungen, bewusstseinserweiternden Substanzen und anderen abwegigen Praktiken, gern auch in kyrillischer Schrift, in den virtuellen Rundordner verfrachtet – nur um dabei tatsächlich ein paar teils uralte Drafts von Blog-Beiträgen zu finden, die ich warum auch immer nie freigeschaltet hatte. Wenn sich also jemand über nicht mehr ganz tagesaktuelle Posts von heute wundert… aber keine Sorge, Hobbies und Tagespolitik motivieren mich gerade, hier wieder aktiver (und aktueller) zu werden.

In diesem Sinne einstweilen gute N8.

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Abgestraft?

Na das ist ja mal eine Erkenntnis:

China bestraft Staaten, deren hochrangige Regierungsvertreter es wagen, den Dalai Lama zu empfangen, auf wirtschaftlichem Wege. Im Durchschnitt 13% weniger Güter sollen betroffene Länder in den Folgejahren eines solchen Besuchs nach China verkauft haben. Eindrucksvoll.

Was mich bei der ganzen Sache ärgert, ist der Nebensatz im oben verlinkten Artikel, der da lautet „Der Westen muss sich entscheiden.“ – muss er das?

Ich muss sagen, ich würde mir vom chinesischen Staat in anderen Belangen ähnlich konsequentes Handeln wünschen wie es im Bezug auf die Tibet-Frage offenkundig wird. Es gibt da im Nordosten Chinas einen – von der behaupteten Ideologie recht ähnlich gelagerten, aber tatsächlich wohl krass anders gestrickten – Nachbarn, der es aktuell mal wieder hervorragend versteht, mit den Zündhölzern zu spielen. Doch hier zeigt sich deutlich, wie unterschiedlich die Interessenlage ist, und da ändert es auch nichts, dass die Herren von Beijing nach anfänglichem Zögern nun versuchen, die Initiative zu ergreifen.

Machen wir uns nichts vor, im Endeffekt spielen Beijing und Pjöngjang auf ihre jeweils eigene Art das gleiche Spiel. China kennt sehr wohl die geradezu unglaubliche Fixierung des Westens auf wirtschaftlichen Erfolg, und nutzt die Lage in einem wenngleich umstrittenen, so doch recht unangreifbar eigenen Gebiet aus, diese Abhängigkeit des Westens für eigene Zwecke auszunutzen. Nach dem Motto „Wenn Ihr mit uns handeln wollt, grenzt gefälligst diejenigen aus, die wir ausgegrenzt wissen wollen“.

Der Obermotz von Pjöngjang hat hingegen die panische Angst des Westens vor einer Konfrontation erkannt, deren Verlauf man nicht einschätzen kann. Also rasselt er mit allen Säbeln und sonstigen militärischen Gegenständen, die ihm zu Gebote stehen – es ist aber auch zu einfach: Seine militärische Stärke kann man nur erahnen, und die Soldatenfriedhöfe der Welt sind voll von unnötigen Opfern, deren Befehlshaber ihren Gegner als den technisch unterlegenen betrachteten. Afghanistan und der Irak sind nicht gerade leuchtende Erfolgsgeschichten, und das kollektive Gedächtnis funktioniert beim Vietnam-Desaster hervorragend. Niemand wird es wagen, der Kim-Dynastie an den Karren zu fahren.

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Gegen das Vergessen…

Was kann ein Einzelner schon bewirken?

Diese Frage könnte man sich berechtigt stellen, wenn eines der größten und totalitärsten Regimes der Welt sein einskommawirwissengarnichtwieviel-Milliarden-Volk in himmlischer Harmonie wiegen und wahrhaft weltbewegende Ereignisse der eigenen jüngsten Geschichte am liebsten totschweigen will.

Hätte sich diese Frage jenem jungen Mann gestellt, dessen Foto und Filmaufnahmen von 1989 aktuell wieder in allen Nachrichtenkanälen zitiert (und im Land des Darüberhinweglächelns zensiert) werden, es gäbe diese Bilder nicht und es wäre ein weiterer Schritt, die Opfer der Demokratiebewegung in China dem Vergessen anheimfallen zu lassen. Was natürlich genau das ist, was die dortige Staatsführung gern möchte, und wozu ihnen alle Mittel recht sind.

Es wäre ja aber auch der für Asiaten traditionell so katastrophale Gesichtsverlust, wenn man öffentlich eingestehen würde, dass es damals durchaus Andersdenkende sogar in den Reihen der glorreichen Partei gab.

Machen wir uns nichts vor, totalitäre Auswüchse sind nicht auf das bevölkerungsreichste Land dieser Welt beschränkt – nein, sie sind nicht mal eine ausschließliche Patentlösung für Staaten „östlicher“ Prägung. In manchen Fällen ist es eine „Partei“ (der Allmachtsanspruch derselben spricht der Parteienidee Hohn), in anderen gar eine je nach Sichtweise „charismatische“ Person, die den Führungsanspruch in ihrem jeweiligen Machtbereich unbedingt behaupten wollen. In anderen Fällen kümmert sich bei den nur allzuhäufigen Schwächeanfällen der lokalen Demokratie das Militär in seiner unendlichen „Weisheit“ um die Geschicke, wobei da auch gern mal die eine oder andere Extrarunde gedreht wird, bis das „demokratische“ Endprodukt den Wünschen und Vorstellungen der Befehlshabenden entspricht – oder diese gar selbst „demokratisch“ installiert und „legitimiert“ sind.

Aber selbst das glorreiche „Land of the Free“ hat sich längst zu einem „Land of the Paranoids“, einem Land der begrenzten Möglichkeiten gewandelt. Die Liste der Ausspähungen, die in jüngster Zeit bekannt wurden, ist schier endlos und lässt erahnen, was, nicht zuletzt aufgrund der technischen Möglichkeiten, hinter den Kulissen noch alles abgehen mag. Was soll man aber auch erwarten von einem Land, das Einreisewillige unter Generalverdacht und auf eine Ebene mit Kriminellen und Terroristen stellt – prophylaktisch, denn es ist ja mal was passiert und es könnte ja noch viel mehr passieren.

Verwundern würde es nicht, hat sich die selbsternannte „Weltpolizei“ ja nun wirklich zur Genüge in ihrer Selbstgefälligkeit bei vielen Völkern nachhaltig unbeliebt gemacht. Nur weil man einmal ein hochgefährliches totalitäres Regime erfolgreich beseitigt hat, heisst das noch lange nicht, dass man das Universalrezept für alles besitzt, was gut ist für die Menschheit.

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Wanderer zwischen den Wohnungen

Na das ist mal wieder Wasser auf meine Mühlen: Angesichts einer geplanten Gesetzesänderung streiten sich Haus- und Grundbesitzer und Mieterbund über das Phänomen „Mietnomadentum“.

Die eine Seite empfindet das Problem – naturgemäß – als ein massives. Glaubt man der „Fernsehberichterstattung“, so müsste Deutschland in der Tat voll sein von Leuten, die nichts besseres zu tun haben, als ihre Vermieter vorsätzlich und nachhaltig zu schädigen, und dabei auch noch ganz frech auf die gesetzlich verbrieften Mieterrechte zu pochen.

Die andere Seite muss – genauso naturgemäß – abwiegeln, denn schließlich gibt es keine schlimmere Vorstellung als wenn Vermieter zukünftig ihre Mietinteressenten zunächst einmal auf Herz und Nieren prüfen und am besten dazu noch eine Art „Führungszeugnis“ fordern könnten. Das ist natürlich übertrieben, aber in solchen Auseinandersetzungen muss ja fleißig gewuchert werden, sonst gibt’s keine Presse 😉

Jedenfalls ist es nun so, dass es eine Änderung im Mietrecht zur Bekämpfung ebendieses Mietnomadentums geben soll, und damit diese auch Hand und Fuß hat, wurde zunächst eine Studie in Auftrag gegeben – in sowas sind wir Deutschen ja ganz groß. Fatal bloß, dass die Beteiligung an dieser Studie entweder klar belegt, dass das Problem keines ist (bzw. überspitzt dargestellt wird), oder aber die Mehrzahl der Vermieter dermaßen unbeteiligt ist, dass sie sich schlicht nicht um eine Meldung kümmerten. 1400 Meldungen (von denen nur 400 als „echte“ Fälle klassifiziert wurden) auf 24 Millionen Mietwohnungen ist jedenfalls ein verheerendes Bild.

Hat deswegen der Mieterbund mit seiner Einstellung Recht?

Nicht zwingend, möchte ich behaupten. Vermutlich ist die Einschätzung, dass von den gemeldeten Vorfällen nur in ca. 1/3 Vorsatz – und damit der eigentliche Tatbestand des Mietnomadentums – gegeben war, nicht so verkehrt. Aber ebenso vermutlich gibt es eine nicht unerhebliche Dunkelziffer. Schließlich kann der Haus- und Grundbesitzerverband für sich nicht beanspruchen, alle Vermieter erreicht zu haben – sondern nur seine Mitglieder, und die sind entweder im Verhältnis nicht so stark betroffen, oder sie haben um die Aufforderung, sich zu beteiligen, nicht viel gegeben.

Ebenso wie nicht jeder Steuerzahler Mitglied im namensgleichen Bund ist, ist auch nicht jeder Mieter oder Vermieter „organisiert“ (es ist ja auch schon ewig nicht mehr jeder in einer zu seinem Berufszweig „passenden“ Gewerkschaft – von Parteien wollen wir gar nicht reden). Schaut man sich die – sicherlich auf Sensation getrimmten – einschlägigen Reportagen über geschädigte Vermieter und vermüllte Wohnungen an, so habe ich auch nicht unbedingt den Eindruck, hier aktive Mitglieder der jeweiligen Verbände gezeigt zu bekommen.

Dazu passt ganz gut, dass ich mich selbst angesichts der Anschaffung eines „Vermietobjekts“ mal versucht hatte, mit dem örtlichen „Haus und Grund“ ins Vernehmen zu setzen. Irgendwie war das ungefähr so ernüchternd wie gelegentliche Gespräche mit Gewerkschaftsvertretern. Wenn ich mich mit einem solchen Verein unterhalte, möchte ich in erster Linie wissen, was mir eine Mitgliedschaft für Vorteile bringt – es ist mir vergleichsweise egal, was andere schlechter oder gar nicht machen. So ein Club will von mir vor allem eines: Harte Barschaft. Ist es so verwerflich, dass ich da nach der angemessenen Gegenleistung frage?

Es nimmt also nicht Wunder, dass ich nicht „organisiert“ bin. Zumal auch der o.g. Artikel wieder einmal belegt, dass der Verband zumindest bisher mit dem Schreckgespenst jedes privaten (und auch des einen oder anderen gewerblichen) Vermieters überfordert ist – es gibt keine verlässliche Statistik und auch sonst keine erkennbaren Mittel zur Selbsthilfe. Dabei auf die fehlenden Rechtsmittel in Deutschland zu verweisen, wäre fadenscheinig.

Auf den Mieterbund gehe ich in diesem Zusammenhang übrigens nicht allzu detailliert ein – es dürfte aber klar sein, dass die Klientel, um die es bei diesem Thema geht, dort ebensowenig aktive Mitglieder stellen dürfte, und was Statistiken angeht – die Meinung darüber ist in historischen Zitaten genügend dargelegt.

Was aber nun tun in Bezug auf die modernen Nomaden und den Schaden, den sie hinterlassen?

Die Sache ist doch relativ eindeutig – schon meine Oma pflegte zu sagen „Wehret den Anfängen!“ Mein Mittel zum Selbstschutz hieß in diesem Fall Hausverwaltung, denn die hat den schönen Vorteil, dass sie die Mietverhältnisse voll unter Kontrolle hat und sofort Alarm schlägt, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Die medienwirksam präsentierten Nomadismusfälle haben in der Regel gemeinsam, dass die Vermieter sich viel zu lange ausbleibende Zahlungen, Ausreden und Versprechungen haben gefallen lassen. In diesem Sinne bringt eine Verwaltung mehr als sie kostet (ich sollte erwähnen, dass man die als Vermieter grundsätzlich aus eigener Tasche zahlt): Zahlt der Mieter nicht, bekommt er eine Mahnung. Ist er mit dem gesetzlich geforderten Mindestmaß im Rückstand, fängt er eine Kündigung. Dieser kann er durch Zahlung entgegenwirken. Das ist so einfach, dass man nicht mal ’ne Zeichnung machen muss – nur umsetzen muss es jemand.

Dabei spreche ich niemandem ab, dass er auch mal unverschuldet in eine Notlage geraten kann – aber auch das ist nicht das Ende der Welt, denn unser Sozialsystem sorgt normalerweise dafür, dass niemand auf der Straße leben muss. Es gibt lediglich die Anforderung, sich dann auch selbst um gewisse Behördengänge und ein wenig Papierkrieg zu kümmern. Leider ist bei manchem Zeitgenossen, der wahrlich keine anderen Verpflichtungen hat, schon die Disziplin für solche notwendigen Erledigungen nicht gegeben. Auch hier hilft nur der sprichwörtliche stete Tropfen oder der gelegentliche sanfte aber bestimmte Schubs.

Es bleiben natürlich diejenigen Kandidaten, die tatsächlich vorsätzlich ihre Masche fahren, sich irgendwo einzunisten, die Bude in das letzte Chaos zu verwandeln, und dann irgendwann bei Nacht und Nebel zu verschwinden um woanders weiter zu hausen. Wie jemand damit tatsächlich glücklich sein kann, wird sich mir auf ewig verschließen – aber das ist auch nicht der Punkt: Die Regeln sind einfach: Wer keine Kaution hinterlegt, zieht nicht ein. Wer mehr als zwei Monatsmieten im Rückstand ist, zieht aus. Das kann im unmittelbaren Fall etwas teurer sein (vorzuschießende Räumungs-/Lagerkosten), spart aber monate- oder gar jahrelangen Ärger mit einer „kostenlos“ überlassenen Wohnung die danach ein Sanierungsfall ist.

Natürlich würde mich auch eine Statistik interessieren, wie groß das „Problem“ denn nun wirklich ist. Aber wirklich Verlässliches ist da kaum zu finden…

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1994 M-Edition

Wenn man sich für ein neues „Spielzeug“ interessiert, gibt es zwei Herangehensweisen: Entweder, man verfährt komplett nach Bauchgefühl – was dann das Risiko birgt, zwar spontane Freude über die Neuanschaffung zu empfinden, allerdings häufig gefolgt von Ernüchterung, wenn sich der „Fang“ als doch nicht so lohnenswert und dauerhaft erweist. Oder aber, man informiert sich im Vorfeld ausgiebig, sucht sehr intensiv – und stellt mitunter fest, dass die besten Angebote weg sind, weil man zu lange gezögert hat.

Die Wahrheit ist wie üblich irgendwo dazwischen.

Im Februar stolperte ich auf einer der bereits erwähnten Plattformen über einen roten Miata Bj. 1990, der aus mehreren Gründen sehr interessant schien: Er hatte absolute Vollausstattung, schien optisch in gutem und vor allem rostfreiem Zustand zu sein, stand nicht zu weit weg (ca. 60km) und passte ins Budget. Fast zeitgleich tauchte ein zweiter auf, beinahe gleiche Ausstattung, optisch schlechterer Zustand aus dem der Anbieter auch keinen Hehl machte, jedoch nur wenige Euros „günstiger“. Also fing ich an, mich umfassend schlau zu machen, auf was man bei einem Modell dieser Zeit und dieser „Provenienz“ so alles achten muss. Schließlich vereinbarte ich einen Probefahrttermin nachdem die Autos beide schon ca. 6-7 Wochen im Netz inseriert waren. Am Tag des Termins war der bessere von beiden weg. Pech. Oder auch nicht – wer weiß das schon.

Die anderen Angebote der nächsten Tage und Wochen waren preislich zwar günstig aber alles andere als interessant – meist völlig abgerockte Autos oder aber derart mit Verkleidungen und Zusatzausstattungen verunstaltet, dass der gesuchte Charakter nicht mehr gegeben war… …bis dann… …das Mchen auftauchte.

Inseriert war der Wagen als „Special Edition“ – was erst mal nichts heißen muss, denn Sonderausgaben hat Mazda schon immer gern und vielfältig aufgelegt – gerade beim MX-5 gibt es eine lange Latte davon. Trotzdem fiel dieser irgendwie auf. An sich wäre ich spontan nicht auf „blau-metallic“ mit beigefarbenem Interieur gekommen, aber das war Anfang der Neunziger nunmal das Maß der Dinge für einen Roadster. Und da Fragen bekanntlich kostenlos sind und die Entfernung überschaubar verabredeten wir uns und ich fuhr hin.

Kaum hatte der Besitzer die Schutzplane abgezogen, blinkten mich vom Kotflügel die Embleme „M-Edition“ an. Interessant. Die Ausstattung schien gehoben wenn auch auf den ersten Blick nicht spektakulär. Außerdem waren die Spuren von 23 Jahren (EZ 1994) deutlich erkennbar, und auch der Angstgegner jedes MX-5-Besitzers – Schweller-Rost – war durch mäßig ordentlich verarbeitete Reparaturbleche „TÜV-tauglich“ beseitigt worden – aber auch nicht mehr als das. Die Radläufe achtern trugen dementsprechend auch schon deutlichen „Blümchenschmuck“, von der einen oder anderen kleinen „Kampfspur“ mal ganz abgesehen.

Im gleichen Moment fuhr interessanterweise ein älterer Herr vorbei (jaja, wer im Schlachthaus sitzt, sollte nicht mit Schweinen werfen), bremste scharf, stieg aus und fragte, ob der Wagen zu verkaufen sei – meinen Kommentar „Das hängt stark davon ab, was ich jetzt gleich sage“ beantwortete er mit „Sie wissen schon, dass das ein besonderes Teil ist?“ – was ich nur süffisant mit „Sonst wäre ich nicht hier“ konterte. Ob’s Zufall oder Absicht war, lustig war’s.

Also Probefahrt – meine erste mit ernsthafter Kaufabsicht durchgeführte Roadster-Fahrt. Dach auf – mit Anfängerfehler (Reißverschluss für’s Heckfenster vergessen, loszumachen) und Motor anlassen – Pfffrt denkste, das Ding ist ein Ami, Leerlauf und Orgeln führt da zu gar nichts, der startet nur mit durchgetretener Kupplung – na gut, muss man wissen. Trotz scheinbar längerer Standzeit war der Motor zwar etwas unwillig aber doch sofort da. Also bei typischen Apriltemperaturen eine Runde durch’s Neandertal gedreht, dumme oder weniger dumme Anfängerfragen gestellt und mal angetestet, was mit 131PS so geht wenn das Auto nicht wirklich viel wiegt… um dann festzustellen, dass das was da auf der Uhr angezeigt wird, Meilen sind – autsch, das hätte in Anwesenheit der Rennleitung ins Geld gehen können.

Zurück auf dem Stellplatz noch ein paar Detailfotos gemacht, vorsichtig sondiert, ob der Verkäufer beim Preis noch Flexibilität hat (ich bin kein Teppichhändler und um’s kurz zu machen – er hatte nicht – er wusste verflixt nochmal ganz genau, was er da hatte) und den Abschluss vertagt, da ich noch recherchieren und mit meinem freundlichen Mazda-Händler Rücksprache halten wollte – man möchte ja wissen, welche Folgekosten man sich so einhandelt (Nee was bin ich auf einmal spießig…).

Der Rest ging Schlag auf Schlag – nach der Versicherung meiner Fachwerkstatt, dass so ziemlich jedes von mir erkannte Problem mit überschaubarem Aufwand zu beheben sei, der Feststellung im Netz, dass dieses Fahrzeug eine zu 100% unverbastelte und original erhaltene 1994er M-Edition ist, von der es nur 3000 Stück gab, und einem Schnellcheck bei der Versicherung, der trotz SF2 einen geradezu lächerlich günstigen Beitrag ergab, ging’s schon tags darauf mit einer ordentlichen Anzahlung in der Tasche zum Verkäufer, und mit Papieren und Kennzeichen retour. Die längsten fünf Tage der letzten Jahre später war dann Abholung angezeigt – Restbetrag war überwiesen, schöne neue Bottroper Wunschkennzeichen im Gepäck und zusammen mit Sohnemann bekam das Mchen ein neues Zuhause verpasst.

Bei der Abholung stand der Wagen offen, der Motor war ordentlich warm – die Frage „Na, Abschiedsfahrt gemacht?“ folglich eher rhetorisch. Ein zwischenzeitlich noch aufgetauchtes Hardtop kam gegen kleinen Obolus noch dazu und als wir losfuhren erlebte ich das erste mal, dass ein Auto von seinem Vorbesitzer einen Abschiedskuss bekam – ich nehm‘ das dann mal als Auftrag für gute Behandlung und Pflege 🙂

Eins noch bevor es für heute reichen soll: Bei der Recherche – und auch bis heute – fand ich, dass mit der Bezeichnung „M-Edition“ eine Menge Schindluder getrieben wird, wenn auch zum Glück nicht im deutschen Markt, für den das Modell ja gar nicht gebaut war – es wurde nur in den USA angeboten. Trotzdem werde ich die von mir zusammengetragenen Details und alle noch kommenden Hinweise zu Instandsetzungsarbeiten etc. auf separaten Seiten auf dieser Webseite dokumentieren – vielleicht hilft’s mal jemandem.

Ansonsten – das Auto hat den „Segen“ des TÜV bis August 2018 – jetzt wird erst mal genossen bevor es wahrscheinlich nochmal ans Eingemachte geht. Hoffen wir, dass der Sommer nicht schwächelt.

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Miata!

Nein, das hier mutiert jetzt nicht zum Auto-Blog. Aber im Leben eines Menschen kommt irgendwann mal der Punkt, wo man mal „was anderes“ ausprobieren möchte.

In meinem Fall war es der Moment, als sich abzeichnete, dass unsere demnächst-Führerschein-bewehrte Tochter interessiert auf mein Auto schielte. Und da ich weiß, wie wichtig es gerade für Fahranfänger ist, das Erlernte in die Praxis umzusetzen, war der Wunsch nach einem weiteren fahrbaren Untersatz da – aber es sollte eben jenes „andere“ sein.

Schon seit seiner Einführung vor mittlerweile fast 28 Jahren hat mich der Mazda MX-5 angefressen – generell der Marke verhaftet bin ich sowieso schon lange, aber die Tatsachen einer vierköpfigen Familie und des doch recht beachtlichen Anschaffungswiderstandes hielten mich bisher davon ab, „Roadster-Dummheiten“ zu machen. Oh ja, „Roadster“ – ich durfte erst einmal ganz schnell lernen, dass der MX-5 kein „Cabrio“ ist…

Wie auch immer, es sollte jedenfalls entweder ein überdurchschnittlich nützliches oder ein überdurchschnittlich spaßiges Fahrzeug her – und es sollte außerdem nicht besonders viel kosten (oh, ich geb für einen guten Spaß auch gern Geld aus, aber alles hat seine Grenzen). Angesichts der teilweise kranken Preise, die für längerfristig fahrtaugliche interessante Transporter aufgerufen werden, war die „Nützlichkeitsvariante“ auch schnell vom Tisch – also einen kleinen Spaßflitzer bitte. Nur woher nehmen und nicht stehlen?

Der Händler des Vertrauens hat soviele davon, dass er sie verkaufen muss. Wie jeder halbwegs seriöse Anbieter sind diese Teile allerdings auch noch jungen Baujahres, dass er sich die notwendige Gewährleistung leisten kann – und ich mir die auf dem Schild hinter der Windschutzscheibe aufgemalten Zahlen nicht leisten will. Also mal auf dem freien Markt suchen – der Angebotsplattformen gibt es ja genug.

Nun muss man wissen – oder eben lernen – dass es vom MX-5 inzwischen vier Generationen gibt, und abgesehen von den ersten beiden die Unterschiede schon sehr massiv sind. Generation vier (der „ND“) ist raus – je nach Ausstattung kostet der das 8-10fache meines „Wunschbudgets“. Überraschenderweise gibt es von der dritten Baureihe („NC“) Modelle aus den Anfangsjahren, die „schon“ für vierstellige Beträge zu haben sind – bei der Ausstattung könnte man ins Grübeln kommen, doch hilft da der Blick in einschlägige Foren (dazu komme ich später noch) um einzusehen, dass es da auch ganz nette technische Fallstricke (mit Folgekosten) geben kann. Also wohl besser nicht.

Bleiben „NA“ und „NB“ – diese beiden Autos sind sich von der Basis her noch recht ähnlich, der markanteste äußerliche Unterschied sind die Klappscheinwerfer, die beim „NA“ verbaut wurden – und mir noch vom damaligen 323F meines Schwiegervaters bekannt waren. Eigentlich eher eine Reminiszenz an die 80er, aber vielleicht genau deswegen auch Kult. Und genau deswegen mag ich den häufiger und mit modernerer Ausstattung angebotenen „NB“ nicht so gut leiden – nein, er ist kein häßliches Auto, aber er verliert für mich im direkten Vergleich.

Fazit: Preislimit selbst gesetzt (oh ja, das sollte man tun, und auch konsequent dabei bleiben, denn sonst wird es u.U. teuer) und gesucht. Vorgabe: ein möglichst unverbauter „NA“, und nur wenn sich bei bestem Willen kein schöner finden lässt, evtl. einen „NB“, dann aber mit wirklich hervorstechender Ausstattung – keine halben Sachen!

Ich mach’s kurz – das Ganze hat locker ein halbes Jahr vor sich hin geköchelt – immer mal wieder was spannendes gesichtet, bei dem einen oder anderen Anbieter auch angerufen, Informationen gegengecheckt, Modellhistorie studiert, Foren befragt, Angebote verworfen… es war teilweise zum auf-den-Tisch-klettern, denn selbst Privatanbieter sind mittlerweile beängstigend geschickt darin, abgerockte Karren als „scheckheftgepflegte Liebhaberfahrzeuge“ anzubieten. Richtig gefährlich sind in dem Zusammenhang manche „ehrliche“ Autos – bei denen der hohe Preis damit gerechtfertigt wird, dass vom verbrauchten Zustand des Wagens aber auch gar nichts kaschiert wurde, und auch über Jahre hinweg nur das Nötigste in Stand gehalten wurde. Ich mag Ehrlichkeit, aber bitte nicht um den Preis, übervorteilt zu werden.

Als kleiner Twist kam dann noch dazu, dass gerade in den Anfangstagen einfach zu wenige MX-5 in den Markt geworfen wurden und „verzweifelte“ Fans sich daher die US-amerikanische bzw. kanadische Version – Miata – importiert haben. Diese Fahrzeuge kommen in der Regel mit etwas interessanterer Ausstattung daher, sehen in Details etwas anders aus, und es gibt eine rege Diskussion, welche Variante die „besitzenswertere“ sei. An sich wäre es mir gleich, aber bei einem über 20 Jahre alten Auto noch eine etwas höherwertige Ausstattung dazu zu bekommen machte diese Option natürlich interessant. So habe ich von den bestimmt mindestens 20 intensiver recherchierten Angeboten mehr als die Hälfte Miatas dabei gehabt.

Tja, und Anfang April passierte es dann – ein Privatanbieter hatte eine „Special Edition“ eingestellt, die auf den ersten Blick schon spannend aussah. Wie spannend, das konnte ich da noch nicht ahnen.

Fortsetzung folgt…

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Heul doch!

So so, Mr Cameron hat also nach Bekanntgabe seines Brexit-bedingten Rücktritts geweint.

Ich hoffe inständig, seine Gemütsäußerung war nicht dem Abschied von einem Amt geschuldet, in dem er sich nicht nur aus internationaler Sicht alles andere als mit Ruhm bekleckert hat. Er sollte vielmehr um die Zukunft seines Landes weinen, dessen Bevölkerung er nicht nur versäumt hat, die Vorteile einer EU-Mitgliedschaft zu vermitteln, sondern der er in einem Anflug von Schwachsinn und mit dem alleinigen Zweck, eine anstehende Wahlschlappe abzuwenden auch noch die Möglichkeit gegeben hat, mit denkbar knapper Mehrheit eine von falschen Versprechungen geleitete Fehlentscheidung zu fällen.

Man muss als einigermaßen Europa- und zukunftsgläubiger Mensch schon ein wenig verwundert sein, mit welcher Katerstimmung das gar nicht mal so vereinigte Königreich am Morgen nach dem Referendum aufwachte – in einer Welt, in der sich vor allem die Finanzmärkte unmittelbar für das Votum der Briten „bedankten“. Und zu allem Überfluss waren es ausgerechnet Nigel Fromage – äh – Farage und sein Brexiteer-„Kollege“ Boris „Honest“ Johnson, die zentrale Aussagen (lt. eigener Bekundung von Herrn Farage waren es ja gar keine „Versprechen“) der Kampagne postwendend relativierten wenn nicht sogar kassierten.

Es ist aber auch zu doll – erst tingelt Herr Cameron von Gipfel zu Gipfel um den ohnehin schon „Special Deal“ für die Britische EU-Mitgliedschaft immer weiter aufzubohren, so dass der Rest der Gemeinschaft schon mit der Faust in der Tasche mit den Zähnen knirschen musste. Und dann kommen diese Austritts-Philosophen und erzählen ihrer Klientel, dass man auch ohne EU-Mitgliedschaft Zugang zum Wirtschaftsraum behalten könne und somit die Folgen gar nicht schlimm seien – man lediglich das Geld für die Mitgliedschaft einsparen und anders verwenden könne, und sich natürlich nicht mehr dem „Diktat“ Brüssels unterwerfen müsse. Ja wenn es denn so einfach wäre, hier mal einen auf Schweiz oder Norwegen zu machen. Was die Herrschaften übersehen bzw. verschwiegen haben ist, dass auch diese Länder für Vorteile gegenüber der EU mit barer Münze und mit Freizügigkeit bezahlen – zwei Dinge, die die Brexiteers ablehnen – im Gegenzug aber an den Entscheidungen in Brüssel oder Straßburg nicht aktiv mitwirken können. Volltreffer.

Wie Wasser auf die Mühlen derjenigen, die das ewige Austrittsgeheul von der Insel langsam echt nicht mehr hören können, muss das gespaltene Referendumsergebnis wirken – und die Tatsache, dass sich Schotten und Nordiren mit dem Ergebnis alles andere als abfinden wollen. Das Wort vom „Kleinbritannien“ machte schon die Runde – und das Vermächtnis von Herrn Cameron wird auf die Spaltung zweier Unionen reduziert werden. Tolle Leistung.

Was ich mir nach der Brexit-Entscheidung wünsche:

Erstens: Eine EU der klaren Worte und der schnellen Entscheidungen. Die Zusagen an Herrn Cameron sowie alle anderen Zugeständnisse, die den Briten unangemessene Vorteile gegenüber den anderen EU-Mitgliedsländern einräumen, müssen kassiert werden. Sollte es nämlich – was ja immerhin schon anklingt – noch zu einem „Exit vom Brexit“ kommen, sind die ewigen Sonderlocken das letzte, was wir uns noch erlauben können.

Zweitens: Keinerlei Zeitspielchen. Die Briten gehören zu Europa – sie haben das nur mehrheitlich irgendwie noch nicht verstanden. Manchmal setzt Verständnis aber erst ein, wenn die Rumeierei aufhört. Es gab ein Referendum, und auch wenn dieses nicht bindend sein sollte, hat Herr Cameron es durch seine Äußerungen vor der Abstimmung und durch seine Rücktrittsankündigung quasi bindend gemacht. Also gehört das Ding jetzt eingetütet. Sollte es anschließend zu einem Zurückrudern kommen, kann dies genau wie es für den tatsächlichen Austritt vorgesehen ist im Rahmen von Verhandlungen passieren. Aber dann müssen für die Briten die gleichen Regeln wie für alle anderen Mitglieder gelten. Der Sonderstatus wurde soeben durch die Begünstigten des Sonderstatus zurückgewiesen. Vielen Dank dafür!

Drittens: Eine EU, die den kräftigen Tritt in den Allerwertesten den ihr das UK-Referendum verpasst hat, zum Anlass nimmt, neuen Anlauf zu nehmen. Das Projekt EU ist über die Zeit versandet und kommt bei denen, die am meisten davon profitieren sollen – nämlich den EU-Bürgern – nicht mehr gut an. Die Alternativen wären aber Rückfall in nationale Alleingänge und das Ende der längsten Friedensperiode der Neuzeit. Wer das bezahlen dürfte? Man braucht sicherlich nicht dreimal zu raten.

Viertens: EU-Bürger, die endlich anfangen, sich als das wahrzunehmen, was sie sein sollten: Nicht Mitglieder überkommener und in einer modernen Welt allein nicht existenzfähiger Nationalstaaten sondern Mitglieder einer Kontinental- und idealerweise sogar Weltgemeinschaft. Die „Entscheidung“ der Briten war mehrheitlich getragen von älteren Bürgern, die vermutlich einem Nationalverständnis nachhängen das heute unrealistisch ist – wer glaubt, die eigene Nation sei auf sich gestellt „besser dran“, glaubt auch, man könne die Kolonien wieder einführen. Kapiert’s endlich – das Reich, in dem die Sonne nie untergeht, kann nur eine friedlich zusammenarbeitende Weltgemeinschaft sein. Natürlich sind wir davon noch unendlich weit entfernt, aber die Aufgabe unserer Generation ist doch, zumindest zu verhindern, dass wir uns von diesem Ziel immer weiter entfernen.

Das heißt allerdings nicht, dass ich dem von mir so empfundenen Cameron’schen Credo „Stillstand ist genug Annäherung“ beipflichten würde. Es muss vorangehen. Eine von Vernunft geleitete Erweiterung der EU ist dabei genauso wichtig wie die endlich nötige Bereitschaft, mehr nationale Privilegien in die Hände der Gemeinschaft zu legen. Wir brauchen keinen „Boss vom Bosporus“ um Europas Grenzen zu sichern. Da wo sie gesichert gehören, könnte dies auch ein gemeinschaftlich organisierter Grenzschutz tun. Ich habe gehört, dass es bei knapp 500 Millionen Menschen genügend Leute mit persönlicher und fachlicher Eignung dazu geben soll. Und die äußeren Grenzen zu kontrollieren dürfte einfacher und kostengünstiger sein als die innereuropäischen Kontrollen wieder aufleben zu lassen.

Zumindest letzteres müsste sogar den extrem national eingestellten Briten einleuchten: Klar kann man seine Insel abschotten und jeden der rein will bis zum Exzess kontrollieren. Klemmt man sich aber diesen Kontrollwahn weil man der Gemeinschaft, der man angehört, vertraut, kann man die Kräfte mit in eine gemeinschaftliche Grenzsicherung investieren – man kontrolliert nicht erst, wer in’s glorreiche Vereinigte Königreich einreisen möchte, sondern schon, wer „von draußen“ in die EU kommt. Für die Briten besonders komfortabel: Echte eigene Außengrenzen, die dabei zu kontrollieren wären, haben sie ja nicht mehr. Abgesehen vielleicht von Bootsflüchtlingen, aber selbst die wären nicht so wahnsinnig, sich DEN Umweg anzutun.

Und noch eine Lehre gilt es, aus dem Referendum zu ziehen: Auch im Zeitalter der Demokratie ist es nicht ratsam, ohne Not schwerwiegende Entscheidungen in die Hände eines unzureichend informierten und emotionalisierten Volkes zu legen. Manchmal müssen Politiker den Job, für den sie gewählt sind, sauber zu Ende bringen und anschließend das Wahlvolk darüber entscheiden lassen ob sie das mit einer Mandatsverlängerung danken. Tun sie das nicht, ist das eben das Berufsrisiko demokratisch gewählter Regierungen. Und wer sich nicht entscheiden kann, wie der Job, für den er gewählt wurde, richtig zu machen ist, der sollte nicht den Wähler fragen – sondern lieber zurücktreten und den Wähler entscheiden lassen, wer diesen Job besser machen soll. Wie heißt es im Amtseid unserer Regierungsvertreter: „…seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden…“ – die sich den Spruch ausdachten, haben es verstanden.

Mr Cameron, dem politischen Auslaufmodell dessen tatsächliche Gründe für plötzliche Tränendrüsenaktivität mir weiter unklar sind, kann ich nur zurufen: Heul doch!

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Für alles gibt es ein erstes Mal

Bei mir war’s heute der Besuch auf der zuständigen Polizeidienststelle – um eine Anzeige zu erstatten. Stilecht gegen Unbekannt und mit ’nem ganzen Hefter voll Unterlagen.

Nun bin bzw. habe ich also ein Aktenzeichen, welches ich gern und ungefragt den geprellten Unternehmen zur Verfügung stellen werde, die noch alle glauben, ich sei neuerdings Kunde bei ihnen.

Interessant ist, dass die Masche an sich der Polizei schon hinlänglich bekannt war – man mir aber wenigstens erklärt hat, dass es auch schon Ermittlungserfolge (= Verhaftungen) gab. Aufklärungsquote also zumindest größer null, was ja schonmal Mut macht – zwar ist mir ohnehin bisher kein finanzieller Schaden entstanden aber einerseits steh ich überhaupt nicht auf Inkassoverfahren (annehmend, dass die Bankverbindungen in den betreffenden Verträgen ungefähr so wertlos sein dürften wie die gefälschten Ausweise der Paketempfänger – und dann hält man sich ja schonmal gern am Rechnungsempfänger schadlos wenn der nicht rechtzeitig gegensteuert) und andererseits hasse ich nichts mehr als den Gedanken, dass jemand mit meinem zumindest nach bestem Wissen unbescholtenen Namen krumme Dinge anstellt.

Ich bin gespannt ob – und falls, dann auch wann – da noch was nachkommt…

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Identitätsmissbrauch

…da denkt man immer, sowas passiert nur anderen!

Weihnachten – das Fest der Liebe und für viele auch das Fest des Schenkens oder Sich-selbst-beschenkens. Das haben wohl auch ein paar Strategen gedacht, die fröhlich unter Nutzung meiner Privatanschrift Mobilfunkverträge abschließen bzw. abgeschlossen haben.

Alles fing mit einer freundlichen Rechnung von 1&1 an – für ein iPhone mit Vertrag, das ich weder bestellt noch erhalten hatte (wäre auch noch schöner – unbestellte Ware geht hier postwendend zurück). Na fein, dachte ich mir, rief direkt bei 1&1 an, wo man mich sehr freundlich an das „Security Team“ durchstellte, schnell erkannte, dass man einem Betrug aufgesessen war (das einzige was stimmte war die Postanschrift – alle anderen Daten passten schon auf den ersten Blick überhaupt nicht) und mir zusicherte, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen damit a) mir keine Nachteile entstehen und b) ein erneuter Versuch eines solchen betrügerischen Auftrags zumindest im dortigen Konzern erfolglos bleiben werde. Derart zuvorkommende und schnelle Behandlung eines ernsten Anliegens kann man sich ja nur wünschen – danke sehr.

Nebenbei bemerkt ist 1&1 wenigstens so gründlich, für solche Fälle eine Schufa-Anfrage zu stellen – die ich natürlich nicht autorisiert hatte (wie auch, ich habe ja nichts bestellt und unterschrieben). In solchen Fällen ist aber meineschufa.de mein Freund – dort konnte ich nämlich sehen dass die Anfrage erfolgt ist, und dementsprechend auch von dort eine Rückfrage veranlassen. Wird die Schufa hoffentlich ebenfalls interessant finden, wie ein Vertragspartner Anfragen ohne gültige Identitätsprüfung stellen konnte…

Aber andere Anbieter haben ja auch schöne Telefone – scheint es. Denn heute flatterte mir ein mehrseitiger Schrieb der Telekom ins Haus – man begrüßte mich freundlich als Neukunden und aus den weiteren Ausführungen entnehme ich – auch wenn es nicht ausdrücklich drinsteht – dass sie so blauäugig waren, an irgendeine Anschrift ein zu diesem Vertrag gehöriges, und vermutlich nicht besonders billiges, Handy zu versenden. Ähmja…

Überflüssig zu erwähnen, dass die freundlicherweise im Schreiben detailliert aufgeführten Daten – mit Ausnahme der Anschrift und der wiederholten Nutzung meines Vor- und Nachnamens – für mich völlig unbekannt waren. Wäre schön, woanders noch Konten zu haben, vor allem wenn auf dem eigenen mal wieder das Geld zur Neige geht, aber bei den mir auf diese Weise bekannt gewordenen Banken hatte ich noch nie irgendwas – ich kenn ja sogar die Städte nur dem Namen nach.

Ich habe jedenfalls den Kundenservice freundlich aber bestimmt angeschrieben und gebeten, sich um die Aufklärung des Betrugsfalls zu kümmern. Am Montag werde ich aber wohl vorsorglich auch noch bei der zuständigen Polizeidienststelle vorstellig werden – nicht ganz das was man vor Weihnachten noch braucht, aber bevor das hier zur Dauerbeschäftigung wird setzen wir doch lieber einen Präventivschlag an.

Fortsetzung – so fürchte ich – folgt…

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Aus aktuellem Anlass…

Ist ja lustig – es ist nun schon ca. acht Jahre her, dass sich jemand mit dem Ansinnen bei mir meldete, die zweistein.de-Domain übernehmen zu wollen. Damals fing es damit an, dass mich ein freundlicher junger Mann anschrieb und fragte, ob die Domain u.U. abzugeben sei – und ich antwortete, das käme zunächst mal darauf an, was ihm die Sache wert sei.

Heute rief mich erneut ein freundlicher Mensch mit ansatzweise gleichlautender Frage an. Allerdings hat sich die Sachlage seither leicht verändert – weshalb ich an dieser Stelle ein für allemal klarstellen möchte:

Die Domain zweistein.de wird von uns ausschließlich zu privaten, familiären Zwecken genutzt. Dabei geht es nicht allein um diesen Blog und die angehängte Ahnenforschungsseite sondern u.a. um vielfach verwendete und vernetzte Email-Adressen.

Aus diesem Grund wäre die Veräußerung der Domain nicht nur mit erheblichem administrativem Aufwand sondern sogar mit wirtschaftlichen Risiken (finanzieller Schaden durch unberechtigt übernommene Kundenkonten oder Accounts in sozialen Netzwerken) verbunden.

Daher tut es mir leid, aber diese Domain ist unter keinen Umständen verkäuflich. Auch eine Überlassung der Web-Adresse – unabhängig vom Verwendungszweck – kann ich leider nicht anbieten.

Ich hatte 1998 bei der Suche nach einem Domainnamen das Pech, dass meine 1. Wahl bereits belegt war, aber das Glück, dass es diesen Namen noch gab, er hervorragend zu unserer Familie passt und bei DENIC bis heute das „first-come-first-serve“ Prinzip gilt.

Sollte sich also – bei meinem heutigen Anrufer habe ich keinen Grund, das anzunehmen – noch einmal jemand darin versteigen, uns die Domain auf dem Rechtsweg abspenstig machen zu wollen: Lasst es – das wird nichts. Mit den gesparten Anwaltskosten kann man vielleicht eine ähnliche Domain unter einer anderen TLD kaufen und hat sie sofort verfügbar.

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