1994 M-Edition

Wenn man sich für ein neues „Spielzeug“ interessiert, gibt es zwei Herangehensweisen: Entweder, man verfährt komplett nach Bauchgefühl – was dann das Risiko birgt, zwar spontane Freude über die Neuanschaffung zu empfinden, allerdings häufig gefolgt von Ernüchterung, wenn sich der „Fang“ als doch nicht so lohnenswert und dauerhaft erweist. Oder aber, man informiert sich im Vorfeld ausgiebig, sucht sehr intensiv – und stellt mitunter fest, dass die besten Angebote weg sind, weil man zu lange gezögert hat.

Die Wahrheit ist wie üblich irgendwo dazwischen.

Im Februar stolperte ich auf einer der bereits erwähnten Plattformen über einen roten Miata Bj. 1990, der aus mehreren Gründen sehr interessant schien: Er hatte absolute Vollausstattung, schien optisch in gutem und vor allem rostfreiem Zustand zu sein, stand nicht zu weit weg (ca. 60km) und passte ins Budget. Fast zeitgleich tauchte ein zweiter auf, beinahe gleiche Ausstattung, optisch schlechterer Zustand aus dem der Anbieter auch keinen Hehl machte, jedoch nur wenige Euros „günstiger“. Also fing ich an, mich umfassend schlau zu machen, auf was man bei einem Modell dieser Zeit und dieser „Provenienz“ so alles achten muss. Schließlich vereinbarte ich einen Probefahrttermin nachdem die Autos beide schon ca. 6-7 Wochen im Netz inseriert waren. Am Tag des Termins war der bessere von beiden weg. Pech. Oder auch nicht – wer weiß das schon.

Die anderen Angebote der nächsten Tage und Wochen waren preislich zwar günstig aber alles andere als interessant – meist völlig abgerockte Autos oder aber derart mit Verkleidungen und Zusatzausstattungen verunstaltet, dass der gesuchte Charakter nicht mehr gegeben war… …bis dann… …das Mchen auftauchte.

Inseriert war der Wagen als „Special Edition“ – was erst mal nichts heißen muss, denn Sonderausgaben hat Mazda schon immer gern und vielfältig aufgelegt – gerade beim MX-5 gibt es eine lange Latte davon. Trotzdem fiel dieser irgendwie auf. An sich wäre ich spontan nicht auf „blau-metallic“ mit beigefarbenem Interieur gekommen, aber das war Anfang der Neunziger nunmal das Maß der Dinge für einen Roadster. Und da Fragen bekanntlich kostenlos sind und die Entfernung überschaubar verabredeten wir uns und ich fuhr hin.

Kaum hatte der Besitzer die Schutzplane abgezogen, blinkten mich vom Kotflügel die Embleme „M-Edition“ an. Interessant. Die Ausstattung schien gehoben wenn auch auf den ersten Blick nicht spektakulär. Außerdem waren die Spuren von 23 Jahren (EZ 1994) deutlich erkennbar, und auch der Angstgegner jedes MX-5-Besitzers – Schweller-Rost – war durch mäßig ordentlich verarbeitete Reparaturbleche „TÜV-tauglich“ beseitigt worden – aber auch nicht mehr als das. Die Radläufe achtern trugen dementsprechend auch schon deutlichen „Blümchenschmuck“, von der einen oder anderen kleinen „Kampfspur“ mal ganz abgesehen.

Im gleichen Moment fuhr interessanterweise ein älterer Herr vorbei (jaja, wer im Schlachthaus sitzt, sollte nicht mit Schweinen werfen), bremste scharf, stieg aus und fragte, ob der Wagen zu verkaufen sei – meinen Kommentar „Das hängt stark davon ab, was ich jetzt gleich sage“ beantwortete er mit „Sie wissen schon, dass das ein besonderes Teil ist?“ – was ich nur süffisant mit „Sonst wäre ich nicht hier“ konterte. Ob’s Zufall oder Absicht war, lustig war’s.

Also Probefahrt – meine erste mit ernsthafter Kaufabsicht durchgeführte Roadster-Fahrt. Dach auf – mit Anfängerfehler (Reißverschluss für’s Heckfenster vergessen, loszumachen) und Motor anlassen – Pfffrt denkste, das Ding ist ein Ami, Leerlauf und Orgeln führt da zu gar nichts, der startet nur mit durchgetretener Kupplung – na gut, muss man wissen. Trotz scheinbar längerer Standzeit war der Motor zwar etwas unwillig aber doch sofort da. Also bei typischen Apriltemperaturen eine Runde durch’s Neandertal gedreht, dumme oder weniger dumme Anfängerfragen gestellt und mal angetestet, was mit 131PS so geht wenn das Auto nicht wirklich viel wiegt… um dann festzustellen, dass das was da auf der Uhr angezeigt wird, Meilen sind – autsch, das hätte in Anwesenheit der Rennleitung ins Geld gehen können.

Zurück auf dem Stellplatz noch ein paar Detailfotos gemacht, vorsichtig sondiert, ob der Verkäufer beim Preis noch Flexibilität hat (ich bin kein Teppichhändler und um’s kurz zu machen – er hatte nicht – er wusste verflixt nochmal ganz genau, was er da hatte) und den Abschluss vertagt, da ich noch recherchieren und mit meinem freundlichen Mazda-Händler Rücksprache halten wollte – man möchte ja wissen, welche Folgekosten man sich so einhandelt (Nee was bin ich auf einmal spießig…).

Der Rest ging Schlag auf Schlag – nach der Versicherung meiner Fachwerkstatt, dass so ziemlich jedes von mir erkannte Problem mit überschaubarem Aufwand zu beheben sei, der Feststellung im Netz, dass dieses Fahrzeug eine zu 100% unverbastelte und original erhaltene 1994er M-Edition ist, von der es nur 3000 Stück gab, und einem Schnellcheck bei der Versicherung, der trotz SF2 einen geradezu lächerlich günstigen Beitrag ergab, ging’s schon tags darauf mit einer ordentlichen Anzahlung in der Tasche zum Verkäufer, und mit Papieren und Kennzeichen retour. Die längsten fünf Tage der letzten Jahre später war dann Abholung angezeigt – Restbetrag war überwiesen, schöne neue Bottroper Wunschkennzeichen im Gepäck und zusammen mit Sohnemann bekam das Mchen ein neues Zuhause verpasst.

Bei der Abholung stand der Wagen offen, der Motor war ordentlich warm – die Frage „Na, Abschiedsfahrt gemacht?“ folglich eher rhetorisch. Ein zwischenzeitlich noch aufgetauchtes Hardtop kam gegen kleinen Obolus noch dazu und als wir losfuhren erlebte ich das erste mal, dass ein Auto von seinem Vorbesitzer einen Abschiedskuss bekam – ich nehm‘ das dann mal als Auftrag für gute Behandlung und Pflege 🙂

Eins noch bevor es für heute reichen soll: Bei der Recherche – und auch bis heute – fand ich, dass mit der Bezeichnung „M-Edition“ eine Menge Schindluder getrieben wird, wenn auch zum Glück nicht im deutschen Markt, für den das Modell ja gar nicht gebaut war – es wurde nur in den USA angeboten. Trotzdem werde ich die von mir zusammengetragenen Details und alle noch kommenden Hinweise zu Instandsetzungsarbeiten etc. auf separaten Seiten auf dieser Webseite dokumentieren – vielleicht hilft’s mal jemandem.

Ansonsten – das Auto hat den „Segen“ des TÜV bis August 2018 – jetzt wird erst mal genossen bevor es wahrscheinlich nochmal ans Eingemachte geht. Hoffen wir, dass der Sommer nicht schwächelt.

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Miata!

Nein, das hier mutiert jetzt nicht zum Auto-Blog. Aber im Leben eines Menschen kommt irgendwann mal der Punkt, wo man mal „was anderes“ ausprobieren möchte.

In meinem Fall war es der Moment, als sich abzeichnete, dass unsere demnächst-Führerschein-bewehrte Tochter interessiert auf mein Auto schielte. Und da ich weiß, wie wichtig es gerade für Fahranfänger ist, das Erlernte in die Praxis umzusetzen, war der Wunsch nach einem weiteren fahrbaren Untersatz da – aber es sollte eben jenes „andere“ sein.

Schon seit seiner Einführung vor mittlerweile fast 28 Jahren hat mich der Mazda MX-5 angefressen – generell der Marke verhaftet bin ich sowieso schon lange, aber die Tatsachen einer vierköpfigen Familie und des doch recht beachtlichen Anschaffungswiderstandes hielten mich bisher davon ab, „Roadster-Dummheiten“ zu machen. Oh ja, „Roadster“ – ich durfte erst einmal ganz schnell lernen, dass der MX-5 kein „Cabrio“ ist…

Wie auch immer, es sollte jedenfalls entweder ein überdurchschnittlich nützliches oder ein überdurchschnittlich spaßiges Fahrzeug her – und es sollte außerdem nicht besonders viel kosten (oh, ich geb für einen guten Spaß auch gern Geld aus, aber alles hat seine Grenzen). Angesichts der teilweise kranken Preise, die für längerfristig fahrtaugliche interessante Transporter aufgerufen werden, war die „Nützlichkeitsvariante“ auch schnell vom Tisch – also einen kleinen Spaßflitzer bitte. Nur woher nehmen und nicht stehlen?

Der Händler des Vertrauens hat soviele davon, dass er sie verkaufen muss. Wie jeder halbwegs seriöse Anbieter sind diese Teile allerdings auch noch jungen Baujahres, dass er sich die notwendige Gewährleistung leisten kann – und ich mir die auf dem Schild hinter der Windschutzscheibe aufgemalten Zahlen nicht leisten will. Also mal auf dem freien Markt suchen – der Angebotsplattformen gibt es ja genug.

Nun muss man wissen – oder eben lernen – dass es vom MX-5 inzwischen vier Generationen gibt, und abgesehen von den ersten beiden die Unterschiede schon sehr massiv sind. Generation vier (der „ND“) ist raus – je nach Ausstattung kostet der das 8-10fache meines „Wunschbudgets“. Überraschenderweise gibt es von der dritten Baureihe („NC“) Modelle aus den Anfangsjahren, die „schon“ für vierstellige Beträge zu haben sind – bei der Ausstattung könnte man ins Grübeln kommen, doch hilft da der Blick in einschlägige Foren (dazu komme ich später noch) um einzusehen, dass es da auch ganz nette technische Fallstricke (mit Folgekosten) geben kann. Also wohl besser nicht.

Bleiben „NA“ und „NB“ – diese beiden Autos sind sich von der Basis her noch recht ähnlich, der markanteste äußerliche Unterschied sind die Klappscheinwerfer, die beim „NA“ verbaut wurden – und mir noch vom damaligen 323F meines Schwiegervaters bekannt waren. Eigentlich eher eine Reminiszenz an die 80er, aber vielleicht genau deswegen auch Kult. Und genau deswegen mag ich den häufiger und mit modernerer Ausstattung angebotenen „NB“ nicht so gut leiden – nein, er ist kein häßliches Auto, aber er verliert für mich im direkten Vergleich.

Fazit: Preislimit selbst gesetzt (oh ja, das sollte man tun, und auch konsequent dabei bleiben, denn sonst wird es u.U. teuer) und gesucht. Vorgabe: ein möglichst unverbauter „NA“, und nur wenn sich bei bestem Willen kein schöner finden lässt, evtl. einen „NB“, dann aber mit wirklich hervorstechender Ausstattung – keine halben Sachen!

Ich mach’s kurz – das Ganze hat locker ein halbes Jahr vor sich hin geköchelt – immer mal wieder was spannendes gesichtet, bei dem einen oder anderen Anbieter auch angerufen, Informationen gegengecheckt, Modellhistorie studiert, Foren befragt, Angebote verworfen… es war teilweise zum auf-den-Tisch-klettern, denn selbst Privatanbieter sind mittlerweile beängstigend geschickt darin, abgerockte Karren als „scheckheftgepflegte Liebhaberfahrzeuge“ anzubieten. Richtig gefährlich sind in dem Zusammenhang manche „ehrliche“ Autos – bei denen der hohe Preis damit gerechtfertigt wird, dass vom verbrauchten Zustand des Wagens aber auch gar nichts kaschiert wurde, und auch über Jahre hinweg nur das Nötigste in Stand gehalten wurde. Ich mag Ehrlichkeit, aber bitte nicht um den Preis, übervorteilt zu werden.

Als kleiner Twist kam dann noch dazu, dass gerade in den Anfangstagen einfach zu wenige MX-5 in den Markt geworfen wurden und „verzweifelte“ Fans sich daher die US-amerikanische bzw. kanadische Version – Miata – importiert haben. Diese Fahrzeuge kommen in der Regel mit etwas interessanterer Ausstattung daher, sehen in Details etwas anders aus, und es gibt eine rege Diskussion, welche Variante die „besitzenswertere“ sei. An sich wäre es mir gleich, aber bei einem über 20 Jahre alten Auto noch eine etwas höherwertige Ausstattung dazu zu bekommen machte diese Option natürlich interessant. So habe ich von den bestimmt mindestens 20 intensiver recherchierten Angeboten mehr als die Hälfte Miatas dabei gehabt.

Tja, und Anfang April passierte es dann – ein Privatanbieter hatte eine „Special Edition“ eingestellt, die auf den ersten Blick schon spannend aussah. Wie spannend, das konnte ich da noch nicht ahnen.

Fortsetzung folgt…

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Heul doch!

So so, Mr Cameron hat also nach Bekanntgabe seines Brexit-bedingten Rücktritts geweint.

Ich hoffe inständig, seine Gemütsäußerung war nicht dem Abschied von einem Amt geschuldet, in dem er sich nicht nur aus internationaler Sicht alles andere als mit Ruhm bekleckert hat. Er sollte vielmehr um die Zukunft seines Landes weinen, dessen Bevölkerung er nicht nur versäumt hat, die Vorteile einer EU-Mitgliedschaft zu vermitteln, sondern der er in einem Anflug von Schwachsinn und mit dem alleinigen Zweck, eine anstehende Wahlschlappe abzuwenden auch noch die Möglichkeit gegeben hat, mit denkbar knapper Mehrheit eine von falschen Versprechungen geleitete Fehlentscheidung zu fällen.

Man muss als einigermaßen Europa- und zukunftsgläubiger Mensch schon ein wenig verwundert sein, mit welcher Katerstimmung das gar nicht mal so vereinigte Königreich am Morgen nach dem Referendum aufwachte – in einer Welt, in der sich vor allem die Finanzmärkte unmittelbar für das Votum der Briten „bedankten“. Und zu allem Überfluss waren es ausgerechnet Nigel Fromage – äh – Farage und sein Brexiteer-„Kollege“ Boris „Honest“ Johnson, die zentrale Aussagen (lt. eigener Bekundung von Herrn Farage waren es ja gar keine „Versprechen“) der Kampagne postwendend relativierten wenn nicht sogar kassierten.

Es ist aber auch zu doll – erst tingelt Herr Cameron von Gipfel zu Gipfel um den ohnehin schon „Special Deal“ für die Britische EU-Mitgliedschaft immer weiter aufzubohren, so dass der Rest der Gemeinschaft schon mit der Faust in der Tasche mit den Zähnen knirschen musste. Und dann kommen diese Austritts-Philosophen und erzählen ihrer Klientel, dass man auch ohne EU-Mitgliedschaft Zugang zum Wirtschaftsraum behalten könne und somit die Folgen gar nicht schlimm seien – man lediglich das Geld für die Mitgliedschaft einsparen und anders verwenden könne, und sich natürlich nicht mehr dem „Diktat“ Brüssels unterwerfen müsse. Ja wenn es denn so einfach wäre, hier mal einen auf Schweiz oder Norwegen zu machen. Was die Herrschaften übersehen bzw. verschwiegen haben ist, dass auch diese Länder für Vorteile gegenüber der EU mit barer Münze und mit Freizügigkeit bezahlen – zwei Dinge, die die Brexiteers ablehnen – im Gegenzug aber an den Entscheidungen in Brüssel oder Straßburg nicht aktiv mitwirken können. Volltreffer.

Wie Wasser auf die Mühlen derjenigen, die das ewige Austrittsgeheul von der Insel langsam echt nicht mehr hören können, muss das gespaltene Referendumsergebnis wirken – und die Tatsache, dass sich Schotten und Nordiren mit dem Ergebnis alles andere als abfinden wollen. Das Wort vom „Kleinbritannien“ machte schon die Runde – und das Vermächtnis von Herrn Cameron wird auf die Spaltung zweier Unionen reduziert werden. Tolle Leistung.

Was ich mir nach der Brexit-Entscheidung wünsche:

Erstens: Eine EU der klaren Worte und der schnellen Entscheidungen. Die Zusagen an Herrn Cameron sowie alle anderen Zugeständnisse, die den Briten unangemessene Vorteile gegenüber den anderen EU-Mitgliedsländern einräumen, müssen kassiert werden. Sollte es nämlich – was ja immerhin schon anklingt – noch zu einem „Exit vom Brexit“ kommen, sind die ewigen Sonderlocken das letzte, was wir uns noch erlauben können.

Zweitens: Keinerlei Zeitspielchen. Die Briten gehören zu Europa – sie haben das nur mehrheitlich irgendwie noch nicht verstanden. Manchmal setzt Verständnis aber erst ein, wenn die Rumeierei aufhört. Es gab ein Referendum, und auch wenn dieses nicht bindend sein sollte, hat Herr Cameron es durch seine Äußerungen vor der Abstimmung und durch seine Rücktrittsankündigung quasi bindend gemacht. Also gehört das Ding jetzt eingetütet. Sollte es anschließend zu einem Zurückrudern kommen, kann dies genau wie es für den tatsächlichen Austritt vorgesehen ist im Rahmen von Verhandlungen passieren. Aber dann müssen für die Briten die gleichen Regeln wie für alle anderen Mitglieder gelten. Der Sonderstatus wurde soeben durch die Begünstigten des Sonderstatus zurückgewiesen. Vielen Dank dafür!

Drittens: Eine EU, die den kräftigen Tritt in den Allerwertesten den ihr das UK-Referendum verpasst hat, zum Anlass nimmt, neuen Anlauf zu nehmen. Das Projekt EU ist über die Zeit versandet und kommt bei denen, die am meisten davon profitieren sollen – nämlich den EU-Bürgern – nicht mehr gut an. Die Alternativen wären aber Rückfall in nationale Alleingänge und das Ende der längsten Friedensperiode der Neuzeit. Wer das bezahlen dürfte? Man braucht sicherlich nicht dreimal zu raten.

Viertens: EU-Bürger, die endlich anfangen, sich als das wahrzunehmen, was sie sein sollten: Nicht Mitglieder überkommener und in einer modernen Welt allein nicht existenzfähiger Nationalstaaten sondern Mitglieder einer Kontinental- und idealerweise sogar Weltgemeinschaft. Die „Entscheidung“ der Briten war mehrheitlich getragen von älteren Bürgern, die vermutlich einem Nationalverständnis nachhängen das heute unrealistisch ist – wer glaubt, die eigene Nation sei auf sich gestellt „besser dran“, glaubt auch, man könne die Kolonien wieder einführen. Kapiert’s endlich – das Reich, in dem die Sonne nie untergeht, kann nur eine friedlich zusammenarbeitende Weltgemeinschaft sein. Natürlich sind wir davon noch unendlich weit entfernt, aber die Aufgabe unserer Generation ist doch, zumindest zu verhindern, dass wir uns von diesem Ziel immer weiter entfernen.

Das heißt allerdings nicht, dass ich dem von mir so empfundenen Cameron’schen Credo „Stillstand ist genug Annäherung“ beipflichten würde. Es muss vorangehen. Eine von Vernunft geleitete Erweiterung der EU ist dabei genauso wichtig wie die endlich nötige Bereitschaft, mehr nationale Privilegien in die Hände der Gemeinschaft zu legen. Wir brauchen keinen „Boss vom Bosporus“ um Europas Grenzen zu sichern. Da wo sie gesichert gehören, könnte dies auch ein gemeinschaftlich organisierter Grenzschutz tun. Ich habe gehört, dass es bei knapp 500 Millionen Menschen genügend Leute mit persönlicher und fachlicher Eignung dazu geben soll. Und die äußeren Grenzen zu kontrollieren dürfte einfacher und kostengünstiger sein als die innereuropäischen Kontrollen wieder aufleben zu lassen.

Zumindest letzteres müsste sogar den extrem national eingestellten Briten einleuchten: Klar kann man seine Insel abschotten und jeden der rein will bis zum Exzess kontrollieren. Klemmt man sich aber diesen Kontrollwahn weil man der Gemeinschaft, der man angehört, vertraut, kann man die Kräfte mit in eine gemeinschaftliche Grenzsicherung investieren – man kontrolliert nicht erst, wer in’s glorreiche Vereinigte Königreich einreisen möchte, sondern schon, wer „von draußen“ in die EU kommt. Für die Briten besonders komfortabel: Echte eigene Außengrenzen, die dabei zu kontrollieren wären, haben sie ja nicht mehr. Abgesehen vielleicht von Bootsflüchtlingen, aber selbst die wären nicht so wahnsinnig, sich DEN Umweg anzutun.

Und noch eine Lehre gilt es, aus dem Referendum zu ziehen: Auch im Zeitalter der Demokratie ist es nicht ratsam, ohne Not schwerwiegende Entscheidungen in die Hände eines unzureichend informierten und emotionalisierten Volkes zu legen. Manchmal müssen Politiker den Job, für den sie gewählt sind, sauber zu Ende bringen und anschließend das Wahlvolk darüber entscheiden lassen ob sie das mit einer Mandatsverlängerung danken. Tun sie das nicht, ist das eben das Berufsrisiko demokratisch gewählter Regierungen. Und wer sich nicht entscheiden kann, wie der Job, für den er gewählt wurde, richtig zu machen ist, der sollte nicht den Wähler fragen – sondern lieber zurücktreten und den Wähler entscheiden lassen, wer diesen Job besser machen soll. Wie heißt es im Amtseid unserer Regierungsvertreter: „…seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden…“ – die sich den Spruch ausdachten, haben es verstanden.

Mr Cameron, dem politischen Auslaufmodell dessen tatsächliche Gründe für plötzliche Tränendrüsenaktivität mir weiter unklar sind, kann ich nur zurufen: Heul doch!

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Für alles gibt es ein erstes Mal

Bei mir war’s heute der Besuch auf der zuständigen Polizeidienststelle – um eine Anzeige zu erstatten. Stilecht gegen Unbekannt und mit ’nem ganzen Hefter voll Unterlagen.

Nun bin bzw. habe ich also ein Aktenzeichen, welches ich gern und ungefragt den geprellten Unternehmen zur Verfügung stellen werde, die noch alle glauben, ich sei neuerdings Kunde bei ihnen.

Interessant ist, dass die Masche an sich der Polizei schon hinlänglich bekannt war – man mir aber wenigstens erklärt hat, dass es auch schon Ermittlungserfolge (= Verhaftungen) gab. Aufklärungsquote also zumindest größer null, was ja schonmal Mut macht – zwar ist mir ohnehin bisher kein finanzieller Schaden entstanden aber einerseits steh ich überhaupt nicht auf Inkassoverfahren (annehmend, dass die Bankverbindungen in den betreffenden Verträgen ungefähr so wertlos sein dürften wie die gefälschten Ausweise der Paketempfänger – und dann hält man sich ja schonmal gern am Rechnungsempfänger schadlos wenn der nicht rechtzeitig gegensteuert) und andererseits hasse ich nichts mehr als den Gedanken, dass jemand mit meinem zumindest nach bestem Wissen unbescholtenen Namen krumme Dinge anstellt.

Ich bin gespannt ob – und falls, dann auch wann – da noch was nachkommt…

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Identitätsmissbrauch

…da denkt man immer, sowas passiert nur anderen!

Weihnachten – das Fest der Liebe und für viele auch das Fest des Schenkens oder Sich-selbst-beschenkens. Das haben wohl auch ein paar Strategen gedacht, die fröhlich unter Nutzung meiner Privatanschrift Mobilfunkverträge abschließen bzw. abgeschlossen haben.

Alles fing mit einer freundlichen Rechnung von 1&1 an – für ein iPhone mit Vertrag, das ich weder bestellt noch erhalten hatte (wäre auch noch schöner – unbestellte Ware geht hier postwendend zurück). Na fein, dachte ich mir, rief direkt bei 1&1 an, wo man mich sehr freundlich an das „Security Team“ durchstellte, schnell erkannte, dass man einem Betrug aufgesessen war (das einzige was stimmte war die Postanschrift – alle anderen Daten passten schon auf den ersten Blick überhaupt nicht) und mir zusicherte, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen damit a) mir keine Nachteile entstehen und b) ein erneuter Versuch eines solchen betrügerischen Auftrags zumindest im dortigen Konzern erfolglos bleiben werde. Derart zuvorkommende und schnelle Behandlung eines ernsten Anliegens kann man sich ja nur wünschen – danke sehr.

Nebenbei bemerkt ist 1&1 wenigstens so gründlich, für solche Fälle eine Schufa-Anfrage zu stellen – die ich natürlich nicht autorisiert hatte (wie auch, ich habe ja nichts bestellt und unterschrieben). In solchen Fällen ist aber meineschufa.de mein Freund – dort konnte ich nämlich sehen dass die Anfrage erfolgt ist, und dementsprechend auch von dort eine Rückfrage veranlassen. Wird die Schufa hoffentlich ebenfalls interessant finden, wie ein Vertragspartner Anfragen ohne gültige Identitätsprüfung stellen konnte…

Aber andere Anbieter haben ja auch schöne Telefone – scheint es. Denn heute flatterte mir ein mehrseitiger Schrieb der Telekom ins Haus – man begrüßte mich freundlich als Neukunden und aus den weiteren Ausführungen entnehme ich – auch wenn es nicht ausdrücklich drinsteht – dass sie so blauäugig waren, an irgendeine Anschrift ein zu diesem Vertrag gehöriges, und vermutlich nicht besonders billiges, Handy zu versenden. Ähmja…

Überflüssig zu erwähnen, dass die freundlicherweise im Schreiben detailliert aufgeführten Daten – mit Ausnahme der Anschrift und der wiederholten Nutzung meines Vor- und Nachnamens – für mich völlig unbekannt waren. Wäre schön, woanders noch Konten zu haben, vor allem wenn auf dem eigenen mal wieder das Geld zur Neige geht, aber bei den mir auf diese Weise bekannt gewordenen Banken hatte ich noch nie irgendwas – ich kenn ja sogar die Städte nur dem Namen nach.

Ich habe jedenfalls den Kundenservice freundlich aber bestimmt angeschrieben und gebeten, sich um die Aufklärung des Betrugsfalls zu kümmern. Am Montag werde ich aber wohl vorsorglich auch noch bei der zuständigen Polizeidienststelle vorstellig werden – nicht ganz das was man vor Weihnachten noch braucht, aber bevor das hier zur Dauerbeschäftigung wird setzen wir doch lieber einen Präventivschlag an.

Fortsetzung – so fürchte ich – folgt…

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Aus aktuellem Anlass…

Ist ja lustig – es ist nun schon ca. acht Jahre her, dass sich jemand mit dem Ansinnen bei mir meldete, die zweistein.de-Domain übernehmen zu wollen. Damals fing es damit an, dass mich ein freundlicher junger Mann anschrieb und fragte, ob die Domain u.U. abzugeben sei – und ich antwortete, das käme zunächst mal darauf an, was ihm die Sache wert sei.

Heute rief mich erneut ein freundlicher Mensch mit ansatzweise gleichlautender Frage an. Allerdings hat sich die Sachlage seither leicht verändert – weshalb ich an dieser Stelle ein für allemal klarstellen möchte:

Die Domain zweistein.de wird von uns ausschließlich zu privaten, familiären Zwecken genutzt. Dabei geht es nicht allein um diesen Blog und die angehängte Ahnenforschungsseite sondern u.a. um vielfach verwendete und vernetzte Email-Adressen.

Aus diesem Grund wäre die Veräußerung der Domain nicht nur mit erheblichem administrativem Aufwand sondern sogar mit wirtschaftlichen Risiken (finanzieller Schaden durch unberechtigt übernommene Kundenkonten oder Accounts in sozialen Netzwerken) verbunden.

Daher tut es mir leid, aber diese Domain ist unter keinen Umständen verkäuflich. Auch eine Überlassung der Web-Adresse – unabhängig vom Verwendungszweck – kann ich leider nicht anbieten.

Ich hatte 1998 bei der Suche nach einem Domainnamen das Pech, dass meine 1. Wahl bereits belegt war, aber das Glück, dass es diesen Namen noch gab, er hervorragend zu unserer Familie passt und bei DENIC bis heute das „first-come-first-serve“ Prinzip gilt.

Sollte sich also – bei meinem heutigen Anrufer habe ich keinen Grund, das anzunehmen – noch einmal jemand darin versteigen, uns die Domain auf dem Rechtsweg abspenstig machen zu wollen: Lasst es – das wird nichts. Mit den gesparten Anwaltskosten kann man vielleicht eine ähnliche Domain unter einer anderen TLD kaufen und hat sie sofort verfügbar.

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Demokratieverständnis

Lang ist’s her, aber heute muss ich mal wieder meinen Senf loswerden…

Die Medien sind dieser Tage voll von Artikeln über die Besetzung der EU Kommissionspräsidentschaft – und der illustren Konsequenzen die sich aus dieser oder jener Personalie ergeben könnten.

Nun haben wir gerade eben eine – nicht für alle politischen Parteien erfreuliche – Europawahl hinter uns gebracht, die als wesentliche Neuerung mitbrachte, dass Spitzenkandidaten für die Bestzung eben jenes Spitzenamtes nominiert waren und an prominenter Stelle in Fernsehduellen, auf Plakaten und in Werbespots präsentiert wurden.

Unter diesen Umständen nimmt es Wunder, dass nach der Auszählung der Stimmen nunmehr das Ergebnis einer demokratischen Entscheidung auf verschiedenste Weise in Frage gestellt wird.

Da ist zunächst unser Freund, Herr Cameron von jener – ihrer immerhin sehr langjährigen und höchst privilegierten EU-Mitgliedschaft anscheinend dauerhaft überdrüssigen – Europa vorgelagerten Insel. Besagtes Überbleibsel eines ehemals weltumspannenden Imperiums maßt es sich in Person ebendieses Herrn an, Europa als Ganzem vorschreiben zu wollen, wen sie gefälligst entgegen aller Wahlergebnisse und des Mehrheitswillens eines politischen Gremiums auf keinen Fall in das erwähnte Amt zu setzen haben – anderenfalls werde man die überfällige Grundsatzentscheidung über einen Verbleib der mehrheitlich scheinbar nicht Bleibewilligen in der EU vorziehen.

Da kann ich nur sagen – nur zu! So lange ich mich mit dem Thema EU auseinandersetze, ist die Teilhabe des Vereinigten Königreiches vor allem dadurch geprägt, „dagegen“ zu sein, und sich die widerwillige Zustimmung durch Zugeständnisse abringen – ja abkaufen zu lassen. Haben wir das nötig? Ist dieses Inselkönigreich wirklich so wichtig für Europa, dass das gesamte Konstrukt in sich zusammenfällt wenn ihre eigenen Rückwärtsdenker aufgrund ihrer Ablehnung eines vermeintlich rückwärtsgewandten aber immerhin gestandenen Europäers ihren Willen bekommen und aus dem Kanal ein Graben wird? Ich glaube kaum. Die wirtschaftlichen Folgen werden erheblich sein – das steht ausser Zweifel. Die Frage ist nur, für wen? Und sollte es die übrigen wirklich massiv stören? Die Tür ist schließlich nicht verschlossen – auch wer fehlgelenkter Weise gern raus möchte, wird – allerdings hoffentlich zu deutlich angemesseneren Bedingungen – wieder eingelassen werden.

Tja und dann gibt’s noch die generelle Frage nach der Eignung für das Amt. Ich bin nun beileibe kein angestammter Freund von Herrn Juncker (um es klar zu machen, von Herrn Schulz ebensowenig) – genaugenommen ist mir die Personalie gar nicht wirklich wichtig. Es geht mir ausschließlich um den Prozess der Entscheidungsfindung.

Nehmen wir mal an es sei Bundestagswahl und Frau Merkel kandidiert wieder als Spitzenkandidatin. Auf der „Gegenseite“ stellen sie meinetwegen Herrn Steinmeier auf. So weit so gut. Die Wähler entscheiden sich für eine Parteienkonstellation und machen – so die Theorie – ihre Entscheidung zu einem guten Teil an den Spitzenkandidaten fest.

Jetzt möchte ich mal erleben, wie die deutsche Wählerschaft reagiert, wenn nach Vorlage des Wahlergebnisses auf einmal die SPD Herrn Schröder aus der Versenkung holt, die CDU spontan auf Frau von der Leyen setzt und die Bayern – einfach weil das „Paulchen“ grad so lecker war – mit dem Austritt aus der Bundesrepublik drohen wenn nicht Herr Seehofer Kanzler wird. Was bitte soll denn dieser Unfug?

Eignung für das Amt? Ja sicher, wünschenswert wäre die in so vielen Situationen, aber der Punkt ist doch, wenn jemand, der zur Wahl gestellt wird, gewählt wird, dann sollte er den Job auch erst einmal machen und seine Eignung unter Beweis stellen. Egal um welche Position es sich handelt, sofern die Wahl mit rechten Dingen zuging kann man getrost davon ausgehen, dass der Schaden, den er oder sie anrichten kann, überschaubar bleibt. Schließlich ist unsere Gesellschaft vernetzt genug und unsere Demokratie stark genug, dass sie sich ungeeigneter Personalien vor Eintritt unabwendbaren Schadens auch wieder zu entledigen weiß – und das im Gegensatz zu manch Bananen-, Wodka- oder Öl-Autokratie… äh… -„Republik“ auch gewaltfrei.

Dass die dabei Zurücktretenden oder zurückgetreten-Werdenden uns anschließend noch manches Jahr auf der Tasche liegen, ist der Preis, den wir für diese Freiheit bezahlen…

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Terrorfon…

Keine Masche ist so platt, dass sie nicht jemand versuchen würde.

Aktuell geistern Anrufe eines gewissen „Günter Bollmeister“ (ich möchte mal bezweifeln dass der Inhaber der sonoren Grabesstimme wirklich so heißt) vom „Institut für Urheberrechtsverletzungen“ herum. Auch unseren Anrufbeantworter hat der freundliche Herr, der „nicht lange drum herumreden möchte“, bereits beglückt.

Dazu fiel mir neben dem hörbaren Hintergrundrauschen eines Anrufautomaten (auch wenn ich einräumen möchte, dass die Sprechpausen strategisch gesetzt sind) vor allem auf, dass man für Urheberrechtsverletzungen neuerdings ein Institut braucht. Komisch. Bislang war ich der Meinung, dass solche Verletzungen von Personen und nicht von Instituten begangen werden – aber wenn die sich nun für solche Dienstleistungen zur Verfügung stellen möchten…

Egal, war ohnehin eine Fehleinschätzung, denn würde es dieses Institut tatsächlich geben, wäre ihr Ansinnen wohl eher gegen Urheberrechtsverletzungen einzustufen. Leider kann ich es nicht abschließend beurteilen, denn natürlich rief der Automat von einer unterdrückten Rufnummer aus an (weshalb ich ohnehin nicht selbst ans Telefon gegangen wäre sondern zunächst mal den Anrufwichtigkeitsfilter handeln ließ) und die schönen „wir-geben-dem-geschockten-Anrufopfer-mal-die-Gelegenheit-nutzlose-Einwände-vorzubringen“-Sprechpausen sorgten dann dafür, dass unsere Fritzbox dem Kotelett an der virtuellen Backe zuvorkam und einfach auflegte.

So weiß ich nur, dass man unserem Bekanntenkreis unterstellen wollte, sie hätten uns für irgendwelche illegalen Musik-Downloads und das „schauen von Videos auf den einschlägigen Portalen im Internet“ angeschwärzt. Aber sicher doch – wir haben ja selbst auch keine anderen Hobbies…

Nun ist der o.g. Name und das fiktive Institut im Netz kein Unbekannter – die Anrufe gibt’s derzeit zuhauf und je nach Informationsgrad der Angerufenen reagieren sie unterschiedlich panisch. Am Ende bleibt aber die Info derjenigen, die sich den Mist bis zum bitteren Ende angehört haben, dass man „die Sache abmildern“ könnte – aha! Es geht also doch wieder nur darum, Unbedarfte auf zweifelhaftem Weg um ihre wenig zweifelhaften Barmittel zu bringen. Oder neudeutsch: Abzocke.

Jetzt könnte man sagen „ignoriere alles, was Du nicht schwarz auf weiß bekommst“ – aber wie wir schon im Fall „Post vom Fachregister“ gesehen haben, kann man sich ja nicht einmal mehr auf so etwas verlassen – und wenn dann doch mal was von einem Anwalt kommt, ist es selten genug eine Kanzlei mit so scheinbar seriösen (wenn auch inakzeptablen) Absichten wie im Fall der Zweistein-Abmahnung. Gerade von der abmahnfreudigen Anwaltsfraktion sind ja nicht umsonst letzthin so manche selbst vor dem Kadi gelandet – und womit? Mit Recht. Ein Schelm, wer das paradox findet.

Was aber jetzt tun wenn einem besagter Herr Bollmeister auf denselben geht? Man wäre ja versucht, den AB so zu tunen, dass er die Verbaldiarrhoe komplett mitschneidet, und das Ergebnis dann den „einschlägigen Ermittlungsbehörden“ (um das Sprachniveau zu halten) zur Verfügung zu stellen – aber da es sich um eine „Bandansage“ (welch Anachronismus) handelt, wäre vermutlich schon die Weitergabe eines Mitschnitts eine Urheberrechtsverletzung (könnte ja ein Rap-Song sein, und das „Herunterladen“ vom AB dann ein illegaler Musik-Download) – und abgesehen davon platzen die Postfächer der Behörden vermutlich schon vor am Ende doch wieder ergebnislos im Sande verlaufenden Anzeigen.

Tatsache ist, sollte mich einer dieser Strategen „live und in Farbe“ oder auch nur in Druckform behelligen und dabei verwertbare Spuren hinterlassen, gibt’s genau das, was diejenigen durch finanzielle Gegenleistung „abmildern“ wollen – eine saftige Anzeige wegen versuchten Betrugs. Hatte ich erwähnt, dass wir in der Nachbarschaft Mitarbeiter der „Freund-und-Helfer„-Institution wohnen haben? Das wird ein Spaß…

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Apfel-Stilblüten

Allseits herrscht ja momentan noch Hype um das neue iPhone 5 – ist ja auch ganz nett, was die Leute aus Cupertino da mal wieder verzapft haben, obgleich ich die Begeisterung nicht so ganz teilen mag.

Das neue iOS zum Beispiel – bislang sehe ich noch nicht, was es konkret besser macht als sein Vorgänger – es macht nur wie gewohnt das eine oder andere anders. Manche Dinge sind auch in die Hose gegangen, wie man an der offiziellen Entschuldigung von Apple für die neue Maps-App erkennen kann. Es genügt eben doch nicht, sich maßgeblich auf einen Partner zu verlassen, wenn man etwas etabliertes durch etwas vermeintlich viel besseres ersetzen möchte – Qualitätskontrolle mag lästig sein, aber sie ist unerlässlich.

Deswegen bin ich aber sicherlich nicht gleich so angefressen das ich als seit Jahren überzeugter Nutzer nun abtrünnig würde – aber wie schon bei Desktop und Mobilgerät kaufe ich kritischer ein. Im konkreten Fall heißt das für den neuen Handy-Vertrag: Das iPhone 4S ist noch lange gut genug. Warum?

Erstens bietet es softwaretechnisch derzeit keine Nachteile zum iPhone 5. Das, was ich mit dem neuen Gerät machen möchte, geht auch mit dem 4S, einschließlich Siri, die unsere Kinder momentan mehr überzeugt als mich, aber für den einen oder anderen Schmunzler gut ist.

Zweitens kommt der Formfaktor ins Spiel – das neue Gerät ist größer, was gut ist wenn man nur ein Mobilgerät nutzen möchte. Als ohnehin schon großer Freund des iPad stellt sich dieses Problem aber nicht, und dank iCloud auch nicht das des Datenaustausches zwischen beiden. Also warum größer werden und dann ein Problem mit der Mitnahme haben? In Situationen wo das iPad zum Mitnehmen zu unpraktisch ist, braucht es auch nicht größer als ein „klassisches“ iPhone zu sein. Was denn auch meinen kritischen Blick auf viele der fast schon Semi-Tablets der Konkurrenz erklärt – selbst ohne Diskussion über Für und Wider deren Softwareausstattung, wenn ich mir ein Brikett (oder meinetwegen eine Wandfliese) ans Ohr halten möchte, gehe ich in den Schuppen, da liegen genug…

Drittens wäre da noch die Sache mit LTE – der neue „Standard“ ist ja bekanntlich noch nicht so recht einer – dazu gibt es viel zuviele Unterschiede bei unterstützten Frequenzen, Netzabdeckung der Anbieter und – jetzt kommt’s – den Tarifen. Genau. Die ziehen einem nämlich buchstäblich die Schuhe aus. Es genügt ja nicht, dass ein (im übrigen subventioniertes) Handy beim Mobilfunkanbieter in der kleinsten Ausstattung 200 € mehr kostet als das Vorgängermodell (dieser Preisunterschied lässt sich durch die Preise im Obstladen eindeutig nicht erklären) – nein, für die als größte Neuerung gepriesene Hochgeschwindigkeitsverbindung mit LTE darf man beim (auch nicht gerade billigen) Tarif nochmal einen Zehner drauflegen. Da muss man schon intensiver Nutzer sein, damit sich das rechnet.

Und dabei lasse ich den vielkritisierten Wechsel beim Dock-Connector noch außen vor (der mich allerdings auch weniger stört, weil ich eh nur mit Kabel „docke“… und das ist ja dabei)

Aber: a propos iCloud – einen hab ich noch:

Das „abgelegte“ iPhone 4 hat eine neue Liebhaberin gefunden – meine angetraute bis dato Handyverweigerin. Alles nach dem Motto „ja wenn man sowas alles damit machen kann…“ – erste und wichtigste Amtshandlung des „Gern-mal-Terminvergessers“: Die Kalender verheiraten. Das geht ja über die Kalenderfreigabe ganz einfach… …sollte man denken.

Schritt 1 erwies sich als fast unüberwindliche Hürde: Freigabe des Kalenders meiner Frau an mich. iCloud haben wir beide, incl. passender Email-Adressen. Also Freigabe ausgewählt, eigene Adresse rein und abgeschickt. Dann in meinem Account auf Annehmen geclickt und – oh Wunder:

„Der Kalender kann nicht angezeigt werden, weil er nicht mehr freigegeben wird.“

Ja nee, is klar… er wird eindeutig freigegeben, die Einstellung ist sichtbar. 5mal probiert, 5mal Fehler erhalten, im Web natürlich keinerlei googlebare Hinweise dazu. Was tun?

Logischer Schritt: Gegenprobe. Also gebe ich einen meiner Kalender (einer reicht ja heutzutage nicht mehr) frei – und siehe da, das Annehmen klappt problemlos und alle Einträge sind sichtbar. Sogar das Bearbeiten ist kein Problem (was ja auch der tiefere Sinn einer solchen Funktion ist). Schön.

Konsequente Folgefrage: Was ist bei meiner Frau anders als bei mir? Und ich meine das ganz wertneutral. Klickt man sich im iCal oder iCloud mal fröhlich durch, fällt auf, dass in „meiner“ Freigabeliste neben dem entsprechenden Kalender ihre iCloud-Email-Adresse steht. Schön. In „ihrer“ Liste ist das umgekehrt genauso – aber mit einem Fragezeichen davor. Hä? Was’n das? Ich hab den Account nicht erst seit gestern und erinnere mich mindestens dreier Fälle, in denen ich irgendwelche Adressen, Sicherheitsfragen und sonstigen Krams bestätigen musste. Viel aktiver kann das Konto nicht sein, Emails laufen auch hin und her und iCloud streikt auch ansonsten eher so gar nicht. Aber man lernt nie. Aus. Denn:

Ein Besuch bei appleid.apple.com (sic) erlaubt, sich nochmal die Einstellungen zu besagtem Konto (bzw. beiden) näher anzuschauen. Und da sieht man dann, dass mit beiden die bei der Einrichtung angegebene sowie eine zusätzliche icloud-Email-Adresse verknüpft und verifiziert ist. Aus mir nicht näher ersichtlichen Gründen gammelt in meinem Account aber noch eine dritte, als nicht verifiziert gekennzeichnete Email-Adresse rum.

Jetzt läge es nahe, dieses durch Click auf „Verifizieren“ zu beheben (sofern die Adresse denn stimmt und genutzt werden soll – ja, wäre in der Tat ganz nett gewesen). Allein, das klappt nicht. Da von diesem Schritt nicht die Seligkeit abhängt, ist der „Löschknopf“ entsprechend schnell lokalisiert – zwei Adressen reichen völlig, ich will ja vor allem sehen ob es danach tut wie es soll.

Tja, was soll ich sagen, kaum ist die „unvalidierte“ (welch Wort!) Email-Adresse raus, läuft es als wenn es nie gestreikt hätte. Da ich ansonsten nichts (und ich meine nichts!) verändert habe, kann es nur diese Ursache gewesen sein. Vielleicht hilft’s ja Leidensgenossen, die beim Googeln nach ebendiesem Fehler hier landen.

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Familienzusammenführung…

Da denkt man immer, das passiert nur den anderen…

Ich habe ja im Zuge meiner amateurhaften Anläufe zum Thema Ahnenforschung schon so die eine oder andere Idee gehabt, was vielleicht passieren könnte – aber nun ist tatsächlich was erfreuliches eingetreten womit ich nicht rechnen konnte.

Auf der Suche nach einem Zweig der Familie brachte mich meine Mutter darauf, mal mit ihrem Patenkind in Kontakt zu treten – die zum Glück in den modernen Kommunikationsmitteln bewandert ist und sofort Feuer und Flamme für mein Anliegen war – ich renn ja gern offene Türen ein. Sie bedachte mich dann auch sofort mit Fotos, einer Menge interessanter Daten und vor allem Namen, von denen ich so manchen vor 30-40 Jahren zuletzt gehört, geschweige denn den Namensträger gesehen habe.

Richtig gefreut hat mich aber heute die Nachricht, dass sie durch die Datensammelwut ihres – ich glaub in unserer Gegend nennt man das „Kleincousins“ darauf gebracht wurde, doch nochmal eine Suche nach ihrer einzigen Cousine zu starten, die sie immerhin vor 40 Jahren aus dem Blick verlor. Und tatsächlich – die beiden haben sich gefunden. Und da meine liebe Helferin noch zwei Schwestern hat sind nun vier Cousinen wieder vereint – zumindest schon einmal virtuell.

Und da das Gesichtsbuch bei dem ganzen auch noch eine Rolle gespielt hat, werd ich nun diesen Post auch direkt mal da teilen 🙂

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