Verzählt?

Ich bin ja eigentlich ein Fan von Statistiken, und von Erhebungen schonmal grad besonders – war ich doch in den glorreichen Zeiten der Volkszählung 1987 selbst als Azubi in einer Erhebungsstelle eingesetzt.

Da sich ausserdem bei aller Datensammelwut selbst in unseren vermeintlich perfekten und deutsch-gründlichen Archiven eine Menge Karteileichen anzusammen belieben, war mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung (die 1987 noch niemand so nahe gesehen hätte) ein neuer Zensus mehr als überfällig. So weit so toll… – aber irgendwie war damals alles “besser”… oder?

1983 gab es ja schon einmal einen Anlauf für eine Volkszählung (allein der Name klingt aus heutiger Sicht schon ein wenig “gestrig angehaucht”, zumal ja nicht allein das “Volk” gezählt wird), diese wurde schon damals wegen verschiedenster, z.T. berechtigter aber z.T. auch an den Haaren herbeigezogener Bedenken eingestampft. Übrigens mit dem amüsanten Nebeneffekt, dass die aus Kostengründen recycelten Bleistifte und Radiergummis mit 1983er Aufdruck vier Jahre später für manch irritierte Frage sorgten. Anekdoten halt.

1987 wurde jedenfalls eine ziemlich umfassende Befragung durchgeführt, was u.a. auch daran lag, dass der Abgleich der Melderegister, selbst wenn er vollumfänglich genehmigt worden wäre, technisch wohl kaum so einfach umsetzbar gewesen wäre wie das mit modernen Mitteln machbar ist. Hätte man damals jedoch auch noch vorgesehen, nur 10% der Bevölkerung zu befragen (und diese auch noch “zufällig” auszuwählen), so wäre schon der Sinn, geschweige denn das Ergebnis der Zählung hochgradig in Zweifel gezogen worden. Und der Zweifler und Verweigerer gab es ja auch so schon genug.

Genau das aber wird nun gemacht – zum einen befragt man ein Zehntel der Einwohnerschaft auf Basis der vorliegenden und bekannt unsauberen Datenbestände, in der Hoffnung dadurch die Ungereimtheiten ausräumen zu können. Das würde schon bedingen, dass bei der zufälligen Auswahl auch zufällig genau der passende Prozentsatz an Karteileichen dabei ist, so dass man das halbwegs exakt hochrechnen kann. Die Wahrscheinlichkeit spricht dann doch eher dagegen, dass das klappt – mal ganz davon abgesehen dass das Ganze z.B. finanzielle Auswirkungen auf die beteiligten Kommunen haben wird, und solche, die dadurch Einbußen erleiden, sicherlich höchst intensiv an einer Widerlegung der hochgerechneten Daten arbeiten werden. Ich mag aber auch einfach nur zu schwarz sehen ;)

Witziger finde ich dann doch etwas anderes: Neben anderen Dingen sollen ja auch die Wohngebäude gezählt werden. Zufälligerweise gehören wir zu denjenigen, die nicht nur einen Eintrag im Grundbuch haben (ob einem die Hütte(n) auch aus Sicht der finanzierenden Banken gehören, interessiert den Zensus ja zum Glück ohnehin nicht) – und da nahm es mich doch leicht Wunder, dass am Ende genau ein großformatiger Umschlag mit genau einem Fragebogen in unserem Postkasten landete.

Vier Tage später konnte ich nicht umhin, die Strategen von “Information und Technik Nordrhein-Westfalen – Geschäftsbereich Statistik” (Toller Name – “damals” hieß das einfach “Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik” und ganz kurz “LDS NW”) auf den Fehler ihrer Wege anzusprechen. Das Gespräch habe ich leider nicht genau aufgezeichnet, aber es war amüsant. Mein Ansprechpartner meinte auf meine Frage, wo denn wohl unsere anderen Fragebögen gelandet seien, das frage er sich auch so manches mal. Hmm. Na jedenfalls solle ich doch bitte abwarten, heute seien ja erst die letzten Bögen rausgegangen, und wenn wir z.B. ein Gebäude erst vor relativ kurzer Zeit erworben hätten (könnte in einem Fall zutreffen, wo es erst 14 Monate her ist – definieren Sie bitte “kurze Zeit”), so wäre es schon möglich, dass der Bogen noch an den früheren Eigentümer ging (ich glaube, wenn das wirklich geklappt hätte, hätten wir schon Besuch von der Nachbarin bekommen). Jedenfalls beginnt schon diese Sache Zweifel an der Vollständigkeit der zugrunde gelegten Daten zu nähren – und wenn sowas schon nicht klappt, dann haben wir datentechnisch vermutlich eine ganze Menge Kompost im Keller…

Jedenfalls ist das einzige Gebäude, für das wir befragt wurden, selbiges welches wir seit fast 15 Jahren bewohnen. Änderungen in den vergangenen 6 Jahren scheinen somit entweder unsauber abgeglichen worden zu sein, oder da hat jemand kräftigst gewürfelt. Normal ist das nicht. Dabei regt mich weniger auf, dass ich auskunftssüchtig wäre – die Fragebögen kann man online bearbeiten, aber es ist halt schon ein gewisser Aufwand. Das ist aber genau der Haken: Wenn schon so ein Riesenaufwasch gemacht wird, dann möchte ich das Vertrauen haben können, dass die Erfassung Sinn macht und am Ende ein brauchbares Ergebnis steht. Derzeit überwiegen vor allem an letzterem doch meine Zweifel.

Es ist natürlich nicht völlig auszuschließen, dass eine ganze Menge falsch adressierte Bögen herausgegangen ist, und eine mittelschwere Flut an Rückläufern zu viel Arbeit und korrigiertem Neuversand in einigen Wochen führen wird. Wäre das so, wäre das zwar nicht billig aber zumindest eine Chance, dass doch kein Murks produziert wird. Schön ist ja auch, dass Auskunftspflicht besteht – da sind wir aber mal gespannt, wer denn da gemahnt oder gar mit Bußgeld belegt wird… Briefkästen, insbesondere solche, die nicht existieren, haben gelegentlich eine vernichtende Zahlungsmoral…

Tja, schade eigentlich, was als gute Idee begann droht dann doch eher zu einer weiteren Anhäufung potenziell unbrauchbarer Daten zu verkommen. Dabei täte bei soviel Statistikmüll da draußen ein bereinigter Datenbestand mehr als Not… …aber wer weiß, es könnte sich auch herausstellen, dass wir besser dran sind wenn wir die ganze Wahrheit nicht kennen.

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PC vs. Mac – Selten so gelacht…

Unglaublich (und leider aus der Liste der Mac&i Highlights bei heise schon wieder verschwunden) ist eine Werbeidee, mit der eine Softwareschmiede aus Redmond aufmacht: Surf the web or surf Hawaii. Könnte man mal bringen…

…wenn da nicht ein bis mehrere Haken an der Propaganda wären. Ja ich weiss, ich bin Mac-voreingenommen, aber ich glaube nach 7 Jahren problemfreier Benutzung derselben und zeitgleicher Verwendung – oder doch eher “Erleidung” – des nächstliegenden Konkurrenzprodukts werde ich ein wenig elektrisch, wenn hier jemand – und das Wortspiel passt vorzüglich – Äpfel mit Birnen vergleicht.

Ich war ja schon versucht, mit eins der allseits beliebten “No, I won’t fix your computer” T-Shirts zuzulegen (die aber diejenigen, die es vielleicht sollten, doch eher nicht verstehen). Wenn ich zu Computerproblemen befragt werde, ist jenes unter o.g. Link beworbene Konkurrenzprodukt oftmals ein guter Teil des Problems, und die von mir bevorzugte Alternative wäre eine gute Voraussetzung gewesen, das Problem gar nicht erst zu bekommen. Nichtsdestotrotz schlägt mir bei der bloßen Erwähnung der Produkte aus Cupertino die Ablehnung “aber die sind doch soooo teuer” entgegen. Schön, dass nun ausgerechnet der Konkurrent die Rechnung aufmacht… (es gibt dort noch ein paar andere Argumentationsstränge, warum das Zeug mit dem Obst schlecht und das mit dem flatternden Guckloch gut sein soll – die sind aber weit weniger spektakulär und rein gar nicht überzeugend)

Aus aktuellem Anlass mache ich die Mathe-Hausaufgabe und vergleiche mal das, was ich mir gerade als neues Arbeitsmittel bestellt habe – und zwar streng nach Vorgabe des Kampagnenführers:

Man gehe dazu auf die o.g. Seite und clicke auf “iMac 27”” (jawoll – keine halben Sachen…)
Achso, btw., die Jungs rechnen in US-Dollar, denn scheinbar ist man dort empfänglicher für die Aussicht auf Hawaii-Urlaub, oder man unterstellt, dass das Publikum weniger kritisch nachrechnet. Wie auch immer.

Dort verglichen wird der schon erwähnte 27”er aus Cupertino mit drei 24”ern (23-24… Peanuts) – was ja schon mal in sich unfair ist. Macht aber nix – ich stehe ohnehin auf dem Standpunkt, dass Bildschirmdiagonale und Auflösung durch nichts zu ersetzen sind.

Zwei der drei Vergleichsmodelle sind – das fällt ebenso sofort auf – mit Dual-Core statt Quad-Core Prozessoren ausgestattet – sogar das Teil, das preislich noch am nächsten drankäme. Hmm. Rechenleistung scheint nicht wirklich ausschlaggebend für diesen Preisvergleich zu sein. Schön.

Alle drei Vergleichsmodelle sind “touch-enabled”. Mein “Zukünftiger” kommt stattdessen mit dem Magic Trackpad, viel mehr Multitouch geht nicht und ich spare mir die ekligen Tatschefinger auf dem Display (das vom zigfachen blankwischen bestimmt nicht besser wird). Dank permanent überfülltem Schreibtisch mutiere ich eh zum Mausgegner.

Deutlich herausgestellt wird auch, dass die “PC”-AllInOnes über BluRay-Laufwerke verfügen, was für Freunde der hochauflösenden Scheiben ein Punkt sein mag. Ehrlich gesagt: Ickweessnich! Wenn ich HD Filme schauen will, so möchte ich dazu auch den passenden Ton und überhaupt Kino-Feeling – schon deswegen bräuchte ich so ein Laufwerk nicht im Rechner. Sollte es mich trotzdem antreiben, ein solches haben zu wollen, könnte ich das zur Not noch extern beschaffen und hätte damit zusätzliche Flexibilität denn hier stehen noch einige Kisten rum bei denen bei DVD Schluss mit Optisch ist. Aber gut, ist zumindest mal ein Punkt.

Dann gibt’s noch drei coole Punkte: iLive vs. *******Live (nein ich sag das Wort nicht!), Cupertino-Wolke gegen Redmond-Wolke (erstere kostenpflichtig, letztere nicht) und schließlich das für Mac-Jünger so gut wie unbekannte Thema Virenschutz – nett dass man bei einem anfälligen System einen Schutz mitliefert, aber warum soll ich mehr als den systeminternen Schutz _kaufen_ gegen etwas, was es nicht gibt?

Genug gesabbelt, ich will harte Fakten. Und ich möchte dann doch gern schon richtig vergleichen:

iMac 27, 1TB, 8GB RAM (ab Werk – teurer aber ich vergleiche gern fair), 1TB Platte, MobileMe Abo und weil’s so schön ist noch externes BluRay Gedöns: Macht in Summe: 2058 EUR incl. MWSt.
Die Kiste kommt fertig installiert ins Haus – einschalten, loslegen.

Dagegen:

Asus All-In-One ET2400, 1TB, 6GB RAM (kann man das erweitern? Verkauft’s einer mit mehr fertig eingebaut?): 1606 EUR

Differenz: 452 EUR – dafür habe ich aber _keine_ 27 Zoll (die gibt’s nur mit Obst), keine Quad-Core CPU, zumindest weniger RAM (dabei erwähne ich am Rande, dass man den Mac auch mit 12GB zum selben Preis bekommen kann, das fängt dann schon an weh zu tun) und auch nur das eine eingebaute optische Laufwerk. Kann ich auf BluRay verzichten (ich kann!) ermäßigt sich der Preisvorteil auf 362 EUR weil der iMac dann nur noch 1968 EUR kostet. Und da sind noch 99 EUR für MobileMe mit drin, das ich aber ohnehin brauche, und dessen Lizenzkosten sich theoretisch auf alle von mir genutzten Clients verteilen. Ausserdem berechnet man im Hersteller-Store 200 EUR für die Erweiterung des Mac von 4 auf 8GB – könnte man auch selbst billiger machen – die Erweiterung des ASUS scheint man ja ohnedies selbst machen zu müssen. Streiche ich das auch noch bleiben 63 EUR Preisunterschied für ein viel kleineres und weniger leistungsfähiges Gerät mit dem falschen Betriebssystem. Dafür komm ich vielleicht nach Wuppertal und evtl. noch nach Zandvoort, aber nicht nach Hawaii.

Beweisführung abgeschlossen ;)

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Gewerbeauskunft-Zentrale – is klar!

Ich wollte mich eigentlich nicht aufregen. Als mich im März ein – wie üblich durch umweltgrauen Fensterumschlag mit Freistempler und ebenso farb- und fantasielos wirkendes Umweltpapieranschreiben auf extrem amtlich getrimmtes – Schreiben der sog. “Gewerbeauskunft-Zentrale” erreichte, habe ich es reflexartig in die Rundablage befördert. Im Gegensatz zu Spam-Email hat Briefpost ja den schönen Vorteil, dass sie immer noch einen messbaren Geldbetrag für Druck und Versand kostet. Also dachte ich, das war’s dann wohl – zumal die verwendete Adresse und insb. das bezogene Gewerbe mal wieder hoffnungslos überholt waren – wo kaufen die Künstler eigentlich ihre Adressbestände ein? Das ist ja schon reklamationswürdig…

Naja egal, heute komm ich nach Hause und was liegt da? Jetzt schicken die tatsächlich schon Erinnerungsschreiben! Da steht – vermutlich sogar korrekt – das Datum des letzten Schreibens im Kopf. Briefpost-Spam mit Wiedervorlagefunktion oder wie?

Gut, dann sei also hier nochmal eine Warnung gepostet – das Netz ist ohnedies schon voll davon aber die Herrschaften versuchen’s scheint’s weiter und scheinen immer noch Opfer zu finden, die entweder so blauäugig sind, das Schreiben an die freundlicherweise sogar gebührenfreie Faxnummer 0800 3552222 zurückzusenden oder gar noch blauäugiger und die darauffolgende Jahresrechnung über mindestens 12*39,85 Euro zzgl. MWSt. zu bezahlen. Wahnsinn. Kein Wunder, dass sich das gebührenpflichtige Rumgespamme zu lohnen scheint.

Wie dem auch sei, wer mal GWE Wirtschaftsinformations GmbH und den Namen des Geschäftsführers S. Cyperski (ich mag mich täuschen aber bislang dachte ich, auch ein Geschäftsführer muss in geschäftlicher Korrespondenz mit Vor- und Zunamen aufgeführt werden) in die Suchmaschine seiner Wahl eintatzelt, findet erstaunlicherweise viel mit den auch von mir verwendeten Begriffen Verschlagwortetes im Netz. Sorry, aber unter einer derart abstrusen Adresse und zu einem dermaßen überzogenen Preis eine “Vermarktung” eines “Basiseintrags” anzubieten – dafür fällt mir überhaupt kein ausreichend krasser Begriff ein.

Also: Gönnen wir der Post die Gebühren und führen wir das Umweltpapier wieder dem zu, dem es entstammt: Der Altpapiersammlung.

Sollte Herr Cyperski mitlesen: Wenn Sie das Schreiben nochmal mit besser recherchierter Adresse schicken, verspreche ich auch, es besonders andächtig zu ignorieren – vielleicht nehme ich es sogar mal als Kaminanzünder…

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Do-it-yourself vs. Steuerberater

Es gibt noch sowas wie späte Gerechtigkeit…

Obwohl – ich weiss nicht ob’s mich mehr freuen und bestätigen oder mir doch eher leidtun soll.

Seit Jahren baue ich mir brav jedes Jahr mittels eines – ebenfalls jährlich im Abo erneuerten – Steuerprogramms meine Steuererklärung selber. Da sich aber je nachdem was man so alles macht die Anlagen, Grundlagen und Unterlagen für dieselbe über die Jahre geradezu exponentiell vermehrt haben, überkam mich in 2009 der Wunsch, das Ganze nun doch mal in kompetente Hände abzugeben und – wenn auch gegen einen stolzen Obolus – Hirn und Hände von dieser mühseligen und nicht zwangsläufig auch erfolgreichen Tätigkeit zu entlasten.

Steuerberater gibt’s wie Sand am Meer, und selbstverständlich gibt es neben sehr preiswerten und sehr teuren auch sehr gute und… tja, und damit wären wir beim Punkt:

Durch persönliche Empfehlung landete ich bei einer Firma, die sich auf das Anbieten von “Wirtschaftsdiensten” spezialisiert hatte – dazu gehörte insb. auch die Leistung von Steuerberatungs- und Buchhaltungsdiensten, was ja genau mein “Zielgebiet” war. Da mir das Konzept zusagte und man sogar avisierte, eine Dependance in Bottrop eröffnen zu wollen (sogar eine Adresse war schon angegeben, unter der auch zuvor schon ein Steuerberater tätig war), wurde ein ordentlicher Vertrag gemacht, der auch deswegen ganz entgegenkommend war, weil das vereinbarte Honorar in handlichen wöchentlichen Teilbeträgen abgebucht werden sollte. Stressfreier geht kaum…

…dachte ich. Alles fing damit an, dass ca. zwei Wochen nach Vertragsabschluss das Sekretariat des Steuerberaters anrief und mich fragte, ob ich denn wohl ausnahmsweise die Teilbeträge für den ersten Monat selbst überweisen könne – man hatte zwar das Abbuchungsverfahren angeboten, aber wohl mit dem gewählten Dienstleister technische Probleme. Nunja, kann ja mal vorkommen – also brav überwiesen.

Gerade mal eine Woche später wurde ich angerufen und gefragt, wo denn nun meine Zahlung sei – die natürlich treu den Anweisungen des Steuerbüros folgend unmittelbar ausgeführt worden war. Beleg gefaxt, gedacht, alles sei okay… von wegen. Drei Tage später wurde der gleiche Betrag von meinem Konto abgebucht – ging also scheinbar doch, und nicht nur in Wochen- sondern auch in Monatsbeträgen. Toll.

Nach einem weiteren Telefonat hiess es dann, man habe nun auch meine Überweisung gefunden und selbstverständlich würde der nun doppelt bezahlte Betrag verrechnet. Wann – die Frage sollte ich mir später stellen, denn taggenau einen Monat später wurde – kaum verwunderlich – ein neuer Monatsbetrag abgebucht. Von einem anderen Zahlungs-Dienstleister übrigens, und unter Angabe einer anderen Mandantennummer – so richtig einig war man sich intern also wohl immer noch nicht. Nachdem im Zuge der turnusmäßigen Belegabholung erneut nur Entschuldigungen sowie die vorlage einer neuen Einzugsermächtigung für diesmal dann wirklich nur noch monatliche Zahlungsweise kamen, schwoll mir schon ein wenig der Kamm.

Das Fass zum Überlaufen brachte dann, dass zum Ende des zweiten Vertragsmonats (naja, zwei Tage bis zum normalen regulären Zahlungstermin) erneut ein Monatsbetrag abgebucht wurde – vollkommen ignorierend, dass ja schon drei Monatsbeträge gezahlt waren und somit eine Verrechnung im Raum stand, und zu allem Überfluss mit erneut anderer Mandantennummer (aber diesmal wenigstens mit der richtigen) und zur Abwechslung auch noch mit einem abweichenden (wenn auch nur um Centbeträge) Zahlbetrag.

Da zu dem Zeitpunkt ausser pünktlicher Belegabholung und hilflosem Gestammel der scheinbar nicht nur von mir regelmäßig befeuerten Sekretärin nicht wirklich viel rübergekommen war, tat ich dann das, was man in solchen Fällen tut: Fristlos kündigen und Rückabwicklung verlangen. Den definitiv zuviel bezahlten Betrag konnte ich glücklicherweise problemlos zurückbuchen lassen (wenigstens was), die älteren Abbuchungen waren leider nicht mehr rückholbar – von einem seriösen Geschäftspartner erwartet man aber, dass er mit sowas professionell umgeht…

Pustekuchen. Es gab zwei Telefonate mit der Bitte “ob man da nicht nochmal was machen und sich irgendwo treffen könnte” – allein für die Rückübermittlung der Belege (die ich in einem prophetischen Moment vor der Abgabe brav selbst erfasst hatte) brauchten die drei schriftliche Erinnerungen bis dann ein lieblos gepacktes aber recht dickes Paket kam. Dieses enthielt – wie zum Beweis dass man eben doch was für sein Geld getan habe – auch zwei Bündel mit Ausdrucken aus deren Buchhaltungssystem. Sah sogar ganz nett aus, mir gefielen nur die Zahlen unterm Strich nicht, wichen sie doch immens von meinen eigenen – mit Blick auf den Kontostand zweifelsfrei richtigen – Berechnungen ab. Na das hätte einen Steuerbescheid gegeben…

Dass ich mein Geld nicht zurückbekommen habe, dürfte aus dem oben gesagten schon klar geworden sein. Da andere mir vorgeschlagene Steuerbüros mehrheitlich ähnlich arbeiten (monatliche Vorauszahlung und wenn’s gut läuft werden notwendige Eingaben beim Finanzamt halbwegs pünktlich gemacht – für Richtigkeit garantiert wie üblich niemand) habe ich mir die Idee des fachkundigen Dienstleisters wieder abgeschminkt. Spannenderweise kam sogar meine Hausverwaltung gelegentlich zum selben Schluss weil auch ihr “Mann vom Fach” einige Dinge heftigst verbaselt hat. Nicht das beste Zeugnis für eine Zunft, die neben ihrem eigenen Broterwerb gerade das steuerliche Wohl ihrer Klienten im Sinn haben müsste.

Da ich heute beim Aufräumen wieder über die Unterlagen dieser zweifelhaften Beratungsgesellschaft stolperte, konnte ich mir das Anwerfen meiner Lieblingssuchmaschine nicht verkneifen – und was muss ich sehen: Sie tauchen auf einer Liste der Insolvenzen vom 20.12.2010 auf. Nicht dass mich das überrascht hätte – eher schon ein Wunder, dass der Schuppen so lange gehalten hat…

“Sparbücher” sind also mehr als nur eine konservative Geldanlageform. Und da ich meinem blau-gelb verpackten solchen seit über 10 Jahren treu bin, bleib ich dann wohl dabei und helfe mir selbst. Ich bitte Angehörige der steuerberatenden Berufe, von Angeboten an meine Adresse abzusehen ;)

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Branchenbuch Bottrop?

Der Spam wird nicht alle…

Nun fand ich nach der Aktion mit dem Fachregister neulich erneut einen “Eintragungsantrag” in meiner Post – diesmal von einer J. Kerler Verlag GmbH in Ingolstadt.

Schon beim Öffnen des Briefes fiel mir einiges aus dem Gesicht, weil der Verlag nämlich schon postgelb mit “Branchenbuch – Bottrop” aufmacht. Nicht umsonst denkt man da spontan an den Begriff “Gelbe Seiten”, der bekanntlich geschützt ist und für den es entsprechend bekannte Verlage gibt, die Einträge dort bewerben dürfen. Dass dazu der J. Kerler Verlag gehört, wäre mir aktuell neu.


Dennoch möchte ich den Verlag nicht mit den Fachregister-Typen auf eine Stufe stellen, denn immerhin stellt er zwei Dinge deutlich – oder sagen wir, deutlich genug – klar:

Erstens: Der Eintrag kostet Geld. Ordentlich. 99 EUR Monatlich stehen schon mitten auf der Seite erkennbar, im kleiner (aber lesbar) Gedruckten wird es auf 1188 EUR/Jahr konkretisiert – für den “Basiseintrag” und zzgl. MWSt.

Zweitens: Trotz der sich aufdrängenden Assoziation wird wenigstens auf der Vorderseite und (für den Lesekundigen) gut lesbar darauf hingewiesen, dass man nichts mit Telekom, DeTeMedien, den Gelben Seiten oder wem auch immer zu tun habe. Hübsch.

Das war’s aber dann auch. Und da das Holzauge ja wachsam ist, analysieren wir mal, was man uns da anbieten will.

Offenbar geht es – mal wieder – um einen Eintrag in einem Online-Verzeichnis. Das muss ja per se erst einmal nichts ganz Schlechtes sein – schließlich ist man auch auf sozialen Plattformen vertreten und Telefonbuch und die schon erwähnten farbigen Seiten sind auch nicht mehr auf die Papierform beschränkt. Aber gerade da ist das Problem: Wenn man auf zuvielen Plattformen eingetragen ist, wer hält den ganzen Ramsch aktuell und wer garantiert einem, wann man wo gefunden wird? Das Sprichwort vom Wald und den Bäumen liegt nahe.

Tatsächlich nennt sich das bezogene Verzeichnis in diesem Fall (und ich verzichte bewusst auf die Kapselung als Link) www.branchenbuch-bottrop.de. Das wäre von der Namensgebung fast noch sinnhaft, doch so richtig “catchy” ist die Adresse dann nicht. Naja, wir sehen mal nach.

Der Verlag hat sich dann doch immerhin soviel Arbeit gemacht, auf der Splashpage ein paar allgemein bekannte Fakten über Bottrop zu deponieren – für ein passendes Foto hat’s dann schon nicht mehr gereicht – vermutlich kommt das erst, wenn genügend zahlende Kunden da sind, damit die dann nicht behaupten können, sie bekämen nichts geboten.

Analog zum bereits erwähnten Fall habe ich dann erst einmal gecheckt, was die denn über mich anzeigen wenn ich mich suche. Oh – Klasse – genau wie die zugesandte “Antragsseite” impliziert, bin ich nicht mit einer Branche erfasst, werde also bei der Branchensuche nicht gefunden. Darüberhinaus haben sie mich mit einem Firmennamen erfasst, den ich gar nicht mehr führe (weil das entsprechende Gewerbe lange abgemeldet ist) und um dem Fass die Krone ins Gesicht zu hauen, ist als Telefonnummer eine solche hinterlegt, die ich als VoIP-Nummer von einem bekannten DSL-Anbieter zugeteilt bekam – man darf munter spekulieren, wo die wohl ihre Datenbestände einkaufen (mal davon abgesehen, dass der Kauf wenig aktuell war, denn auch dort war die Änderung der Firma bekannt und der Vertrag ist längst ausgelaufen!). Nunja, nichts wirklich Neues bislang.

Interessant ist, dass offenbar ein sehr umfangreicher, leider jedoch nur begrenzt nach Branchen zugeordneter Datenbestand online ist. Ich kann nicht beurteilen, ob eine Branchenzuordnung nur für tatsächlich zahlende Kunden erfolgt, aber angesichts der Aktualität meines eigenen Eintrags halte ich das Verzeichnis ohnehin für wenig aussagekräftig – und die rückseitig detaillierte Begründung für die Bepreisung des Eintrags mit “Webmarketing, Lizenzgebühren, Hochleistungsservern sowie Mieten für Informatikzentren” macht mich schmunzeln.

Nach soviel Eigenrecherche (ich bin echt zu neugierig) muss dann doch noch geprüft werden, ob sich nicht schon jemand anders hiermit befasst hat. Es hat. Die Suche auf meiner Lieblingssuchmaschine bedurfte neben “Branchenbuch” und “Kerler” nur eines weiteren Schlagwortes, um an erster Stelle diesen schönen Artikel zum Thema auszuwerfen.

Auf sowas kann ich gar nicht – deswegen dieser zusätzliche Artikel und die Hoffnung, dass alle Empfänger des Schreibens lesen und sich selbst ein Bild über die angebotene “Leistung” machen können. Natürlich werde ich so etwas niemals unterschreiben – das Porto für derartige Werbesendungen ist also allemal verbrannt.

Wir merken uns: Wer per Brief die Bestätigung für einen Eintrag in ein Internet-Verzeichnis “erbittet”, will immer und viel Geld dafür! Die Gegenleistung mag sich für den unbedarften Leser teilweise sogar imposant anhören – allein, sie ist es in der Regel nicht. Aus dem Vertrag – einmal unterschrieben – kommt man dennoch eher schlecht wieder raus, und das schonmal grade, je seriöser aufgemacht das Angebot daherkommt. Scheinbar muss sich das Ganze immer noch lohnen – sonst würden es nicht so viele versuchen. Tatsächlich ist das Geld in eine einigermaßen brauchbar aufgemachte eigene Homepage (und da gibt es für das gleiche Geld schon richtig tolle Sachen!) 100mal besser investiert.

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Presslufthammer-Kitas…

Ich glaub mir fällt grad alles aus dem Gesicht.

Als Familienvater ist man so einiges gewohnt, auch was den mitunter etwas ungebremsten Geräuschpegel von Kindern betrifft. Was sich aber jetzt der Landesvorsitzende der Senioren-Union von NRW geritten hat, zieht mir mal grad ganz gepflegt die Schuhe aus – findet er doch allen Ernstes die Zulassung von Kitas in Wohngebieten verfassungswidrig! Geht’s noch?

Der Hit dabei ist – der Mann vertritt diesen Standpunkt ohne rot zu werden (naja, Union halt), gehört dabei aber ganz offenkundig einer Generation an, die mehr als dankbar sein müsste, dass es in diesem Land überhaupt noch nennenswert Nachwuchs gibt – den irgendwoher müssen ja die Bezüge seiner Generation wenn schon nicht lang- so doch zumindest mittelfristig gesichert werden. Es wäre vermutlich vermessen und dem Generationenvertrag zuwider laufend, von Menschen dieser Gesinnung eine Verzichtserklärung auf anteilige Renten- und Pensionszahlungen aus Beiträgen von Kita-Kindern und deren Eltern zu verlangen.

Ich bekam vor einiger Zeit schon einen Rappel, als mir befreundete Eltern berichteten, dass eine langjährige Anwohnerin unseres Stadtteil-Kindergartens dadurch auffällig wurde, dass sie spielende Kinder anranzte – zu völlig normalen Betriebszeiten der Tageseinrichtung wohlgemerkt, die sich seit Mitte der sechziger Jahre höchstens zu ihren Gunsten verändert haben dürften.

Amüsanterweise mokiert sich Spiegel Online in diesem Kontext über die Zulassung von Flugrattenzucht bzw. die ablehnende Haltung gegenüber Friedhöfen in ebensolchen Wohngebieten. Da Tauben aber nunman weitgehend geräuschfrei ihren Guano verteilen, könnte man höchstens noch die logistischen Vorteile wohnortnaher Endlagerstätten aufzeigen – da aber jemand mit derart gestrigen Ansichten ohnehin schon bedenklich nahe am Endlagerungszustand, zumindest aber vollendet merkbefreit sein dürfte, ist die Argumentation kaum der Mühe wert.

Um es auf den Punkt zu bringen: Familien gehören in Wohngebiete. Kinderbetreuung soll wohnortnah sein. Wem Kinderlärm auf den Zwirn geht, dem steht ein gewaltiges Potenzial an Kita-fernen Wohnmöglichkeiten offen, zumal in unserem Land die Freizügigkeit in der oben bereits erwähnten Verfassung garantiert ist. Sollte dies tatsächlich der näheren Erörterung bedürfen, so mag man gerne ein Verbot von Kitas in der unmittelbaren Nähe von Seniorenresidenzen aussprechen – die Sinnfälligkeit einer solchen Anordnung wäre aber ohnehin zweifelhaft, auch wenn ein gewisser Trend zu später Elternschaft nicht von der Hand zu weisen ist…

Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass die Partei, der besagter Seniorenclub angehört, den Herrn mal gehörig einbremst und ihm darlegt, dass es andere Bevölkerungsgruppen gibt, die nicht nur seine Rente zahlen sondern im Zweifel auch über Erfolg oder Misserfolg seines politischen Clubs entscheiden.

Vielleicht baut der Herr ja auf die – demografisch nicht komplett von der Hand zu weisenden – künftigen Mehrheitsverhältnisse, es sollte ihm aber klar sein, dass dies bei allem medizinischen Fortschritt kein Zustand von unbegrenzter Dauer sein wird.

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Die Welt ist… …gar nicht mal so übel!

Na das ist doch mal eine gute Nachricht:

Unsere Welt ist besser als wir das gemeinhin wahrhaben wollen.

So schreibt’s zumindest der Focus und hat auch nicht unerhebliche statistische Belege dafür – und wenn ich mir diese mal so zu Gemüte führe und es mit dem vergleiche, was mir über die Jahre hinweg so aufgefallen ist, so haben sie zumindest mit einem garantiert Recht: Bislang ist keine der düstersten Vorhersagen eingetroffen.

Natürlich kann man darüber streiten, ob vieles einfach nur deshalb nicht so schlimm gekommen ist, weil irgendjemand auf die Warnungen gehört und sich “besser” verhalten hat. Aber mal ganz ehrlich – so recht glauben können wir es bei der generellen Dynamik des “warum selbst bewegen wenn es die anderen auch nicht tun?” dann doch nicht, oder?

Wenn ich’s mal für mich bei Licht betrachte, schreibe ich vieles der positiven Entwicklungen der letzten Jahre dann doch dem vielgescholtenen technischen Fortschritt zu – denn auch der ist besser als sein Ruf. Zwar führt auch der in unserer “Industriegesellschaft” eher weg vom “Industriearbeitsplatz” hin zum “Schreibtischtäter”, aber damit können wir – so denke ich – ganz gut umgehen. Wenige werden wohl der tatsächlichen schweren, gesundheitsschädlichen und schmutzigen Arbeit früherer Jahre hinterhertrauern – sicherlich gibt es begleitende Umstände, um deren Verlust es aus gesellschaftlicher oder persönlicher Sicht schade sein könnte, aber wenn jemand heute nach einem Arbeitsleben noch in relativ guter Verfassung seinen Ruhestand genießen kann, so war das noch vor wenigen Jahren alles andere als selbstverständlich. Auch wenn das für “unsere Generation” bedeutet, länger zu arbeiten, mehr in die Rentenkassen einzuzahlen und vermutlich später weniger rauszukriegen. Umsonst gibt’s nichts… (naja eins vielleicht, aber da wollen wir bei einem Artikel über das Gute in der Welt mal nicht dran denken)

Ich weiß noch gut, wie meinem ersten eigenen Auto ein frühes Ende nicht nur durch Schwarzschlamm sondern insbesondere durch Einführung bleifreien Benzins und des Katalysators bereitet wurde. Damals sprach alles vom Waldsterben und selbst Nachbars Fichtenhecke wirkte irgendwie gespenstisch gelb. Erstaunlich nur, dass dieselbe Hecke heute immer noch steht (und wieder grün ist), und dass auch ansonsten einige der einstmals grauen Ruhrgebietsstädte heute mit Baumbeständen protzen können, die ausländische Besucher nur schwer glauben wollen (“This is the Ruhrgebiet? They told me all is grey and dirty here…”) – Ja sicher, dazwischen lagen schmerzhafte Schließungen, Millionen von Arbeitslosen und ein kompletter Strukturwandel – aber ist das rückwirkend betrachtet schlecht gewesen?

Vermutlich würden sich viele der früheren finsteren Prophezeihungen problemlos und sogar extremer als gedacht erfüllt haben, wenn nicht der stetige Drang nach Wohlstand auch die ach so böse Technik massiv vorangebracht hätte. Wäre kein Geld drin, hätte kaum ein Industriezweig ein Interesse daran, besonders ressourcenschonende Produkte herzustellen, und wenn eine Gesellschaft wie die unsere schon alles besitzt, muss man zur Neuanschaffung eine Menge Anreize schaffen. Diese Dynamik scheint zu funktionieren.

Und ja, angesichts von globaler Erwärmung, Terroranschlägen, Naturkatastrophen, Gewalt und was-weiß-ich-noch-alles in den Medien könnte man schonmal in Trübsal ausbrechen. Aber ist der eigentliche Fluch nicht auch, dass wir heute über alles viel besser und unmittelbarer informiert werden? Und ist dieser Fluch nicht zu einem guten Teil auch ein Segen, weil wir eben viel besser über die Welt um uns herum Bescheid wissen?

Paradox ist es allemal – wir wissen soviel über unsere Welt, dass sie uns irgendwie schlecht rüberkommt. Wir wissen anscheinend nicht genug um zu erkennen, wie gut sie in vielem ist – und dass wir das durchaus sogar selbst beeinflusst haben.

So schnell geht die Welt nicht unter – Apfelbäumchen pflanzen und an die Zukunft glauben darf ruhig Konjunktur haben!

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Spendenquittung

Da mach ich meinen allmorgendlichen Check auf Spiegel Online, und was muss ich da lesen?
Unsere herzallerliebsten Verbündeten kassieren bei Projektspenden für Afghanistan “Verwaltungsgebühren”. Hallo?

Um das Ganze ins passende Licht zu rücken – aufgeflogen ist das wohl für die breite Öffentlichkeit nur dank der WikiLeaks Veröffentlichungen der letzten Tage. Es ist jetzt nicht so, dass unsere Regierung davon keinen Wind bekommen hätte – eher im Gegentum, sie haben das den Amerikanern sogar – wenn ich die diplomatische Rumeierei mal richtig werte – ziemlich direkt angegangen, bis hin zu der schon beachtlichen Einlassung, dass man sich das in diesem Fall wohl zukünftig mit Spenden etwas schwerer machen müsse (der tatsächliche Wortlaut ist noch schöner, aber ich mag hier nicht abkupfern).

Das passt gerade zu dieser Jahreszeit schön in ein Thema, was meine Lieblings-Blog-Kollegin Suriel letztens hatte: Spenden, warum und an wen?

Ich bekomme bei sogenannten oder auch tatsächlichen Hilfsorganisationen regelmäßig Plaque wenn mir Details über Verwaltungskosten und Werbeaufwendungen bekannt werden. Erfahre ich zu schlimme Zahlen, wandert so eine Organisation auch schonmal gern auf meine “Hier-spende-ich-garantiert-niemals”-Liste. Ich zahl schon Steuern für mein Geld, da muss der Teil, den ich für gute Zwecke abgeben möchte, nicht auch noch unangemessen dezimiert werden.

Im vorliegenden Fall sind aber 50 Millionen Euro – alles andere als ein Taschengeld – für Projekte zum Aufbau der Afghanischen Armee “gespendet” worden. Gut, das war jetzt eine “Spende” der Bundesrepublik und damit der deutschen Steuerzahler – aber das macht’s eigentlich nur noch schlimmer, denn natürlich sind diese Beträge dann bereits bereinigt um die Millionen von Euro, die landesintern schon für das Einsammeln und Verwalten der Steuergelder verbraten werden.

Im übrigen sollten die Mittel offenbar bestimmten Projekten zufließen, wurden aber über einen von den USA unterhaltenen Fonds transferiert – und da legten sie dann erst einmal Winterschlaf ein, was sich besagter Fonds mit locker-flockigen 15% vergüten ließ. Das Ganze ist auch noch – so zitiert der Spiegel – unter Berufung auf das US-amerikanische Haushaltsrecht geschehen, somit völlig legal und “man könne da nichts machen, sorry”. Abkassieren im Namen des Gesetzes.

Da fragt man sich als Normalbürger, dem ein solcher Betrag die Tränen in die Augen treibt, warum die Bundesregierung nicht einfach hergeht und einen eigenen Fonds auflegt. Am besten gleich unter Schaffung eines passenden Haushaltsrechts, so dass wir dann auch gleich von Fremdmitteln 15% Gebühren einbehalten können. Ich will gar nicht wissen, für welche fragwürdigen Zwecke diese Gebühren dann haushaltsintern wieder verplant würden bzw. im US-Fall wurden.

Es war mir immer schon klar, dass bei diesen “Großprojekten” der Befriedung “instabiler Staaten” unglaublich viel gemauschelt wird und im Argen liegt. Aber dieser Vorfall schlägt dem Faß glatt wieder die Krone ins Gesicht!

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Post vom Fachregister!

Davon gelesen hatte ich ja schon – aber nun hab ich’s auch schwarz auf weiß – naja, Umweltpapierweiß ;)

Eigentlich lasse ich meine gewerbliche Tätigkeit hier ja außen vor – aber die Jungs vom sogenannten “Fachregister Wirtschaft und Unternehmen” haben mies recherchiert (genauer: veraltete Adressbestände aufgekauft) – also kann ich ja dann doch:

Wer von besagtem Fachregister noch nicht gehört hat, vor denen wird seit Wochen allerorten gewarnt, die prominentesten Google-Ergebnisse dazu stehen deutlich vor dem von ihnen beworbenen Internetregister – das sagt schon alles.

Aber der Reihe nach – als ich den Brief in den Händen hielt, sah ich zunächst den “Infopost” Stempel auf dem Fensterumschlag und das Umweltgrau von Umschlag und Inhalt. “Aha, bestimmt wieder so einer der auf wichtig macht…” (Behördenbriefe sind mittlerweile fast durchgängig auf Umweltpapier – Anm. d. Red.) Und richtig, der “Briefkopf” beschränkt sich auf die Worte “Fachregister Wirtschaft und Unternehmen” – sonst nichts. Weitere Details über den “Absender” erfährt man in einer lapidaren Fußzeile, wo es heißt: “United Lda – Av. Joao Crisostomo 38 – P-1050-127 Lissabon – Fon 00351 211148777 – Fax 00351 211148755 – www.registerwu.de – NIPC: 508829402″

Immerhin ist die Anschrift einigermaßen konsistent (Adresse und Ländervorwahl passen zusammen), aber was bitte macht ein solches, auf “offiziell” getrimmtes Register mit einer Firmenanschrift in Portugal? Aber wir sind ja noch nicht fertig. Es heißt im Text: “Hiermit erfolgt die turnusmässige Kontrolle der gespeicherten Grunddaten Ihres Unternehmens.” (Ein Feld im Briefkopf mit “letzte Datenkontrolle” soll suggerieren, dass die das schonmal gemacht haben. Hätten sie’s, wüssten sie was falsch ist – das bezogene Unternehmen gab’s damals schon nicht mehr und Post von diesem Laden habe ich noch nie bekommen. Hübsch.

“Ihre Grunddaten werden kostenfrei veröffentlicht.” Na das wollen wir mal sehen – es gibt ja ‘ne URL. Also mal spontan dort recherchiert und ich stehe nicht drin! Aber was ist das – 14 Einträge aus meiner Stadt, dem Namen nach nicht wirklich branchenpassend. Die werden doch nicht allen ernstes geantwortet haben? Vielleicht sollte ich mal Beileidskarten drucken…

Ach ja: “Sollte eine rechtzeitige Gültigkeitsbestätigung ausbleiben, könnten Ihre Daten beim nächsten Kontrolllauf gestrichen werden.” – Na ich bitte darum, am besten gleich aus dem Postverteiler. Aber ich werd den Teufel tun, das schriftlich zu machen, denn die zweite Seite des “Kontrollbriefes” hat es in sich – ich liebe Formulare!

Schön ist der offizielle Charakter auch dieses Formulars. Dagegen wirkte das Ding, was ich für mein bestehendes Gewerbe letzthin von der Creditreform bekam, geradezu primitiv (vier Seiten im schönsten Schreibmaschinendesign) – das aber hatte wenigstens Hand und Fuß und die Aktualisierung der Daten in einem freundlichen Telefongespräch war kostenlos und ohne Verpflichtungen. Soll einfach mal erwähnt sein.

Schaut man sich besagtes Formular gut an, fallen zwei Dinge auf: Am Ende ist ein Feld für Datum, Firmenstempel und Unterschrift und – vor diesem Feld befindet sich ein dicht beschriebener Absatz mit scheinbar unwichtigen und unauffälligen Informationen. Kramen wir mal die Lesehilfe raus:

1. Wort: Auftrag. He, hallo? Geht’s noch? Ich soll doch nur Daten kontrollieren und aktualisieren. Wer hat was von Auftrag gesagt?

“Wir erteilen hiermit dem Verlag United Lda den Auftrag…” (schon wieder Auftrag – und wieso Verlag? Eben war’s noch ein Fachregister…) “…die auf diesem Formular gemachten Angaben … während der nächsten 3 Jahre (!!!) als Anzeige (!!!) auf … zu publizieren.” Drei Jahre – die machen nix Kleines hier… immerhin gibt’s ein Widerrufsrecht, und zwar 10 Tage ab Auftragsdatum (implizieren wir mal das Datum was unten eingetragen werden soll), natürlich hat der Widerruf gefälligst als Einschreiben zu erfolgen. Sie hätten noch “mit Rückschein” dabei schreiben sollen – das will man nämlich als Beleg gewiss haben, anderenfalls droht nämlich “Die Kosten für die Anzeige betragen Euro 1011 p.a. exkl. MwSt….” (hmm, der Laden sitzt in Portugal, und für solche Leistungen können die m.W. innergemeinschaftlich nicht mal MwSt. erheben – ich mag mich täuschen). 1011 Euro für praktisch nichts – naja einen Eintrag auf einer nett neutral gestalteten und inhaltlich eher wertlosen Webseite gibt’s dann schon, aber was will ich damit?

Hat man vorab über das Fachregister recherchiert, wird schon aufgefallen sein, dass der “Verlag” dahinter offenbar auch nicht besonders identitätsstabil ist – jedenfalls räumen sie sich vorsichtshalber das Recht ein, “diesen Vertrag auf Dritte” übertragen zu dürfen. Könnte ja sein dass man seine Einnahmequelle spontan vererben muss. Natürlich ist “Gerichtsstand der jeweilige Sitz des Verlages” – und wenn das dann in irgendeiner Bananenrepublik oder am Südpol ist – Problem des “Kunden”. Man hat’s ja blanko unterschrieben. Um um die Rücksendung zu motivieren, ist sogar noch ein Antwortumschlag mit (oh Wunder, es gibt was umsonst) “Entgelt zahlt Empfänger” beigefügt. Dieser geht übrigens nicht nach Portugal (dann ginge es nicht mit einem Antwort-Aufdruck der Deutschen Post) sondern nach Niederaula. Postfachadresse natürlich, und als “Firmenname” nur “Fachregister”. Vertrauenerweckend.

Bei soviel Frechheit auf einen Haufen wird mir immer gleich ganz blümerant. Das Geschäftsmodell – wenn man es denn so nennen mag – ist aber auch ein ganz einfaches:

So ein Brief kostet im Massendruck ca. 20 Cent incl. beider Umschläge. Infopost dürfte bei dergleichen Massenversand bei 25 Cent pro Brief liegen, rechnen wir also mal großzügig 50 Cent pro Brief. Fällt jemand auf die Kiste herein, sind das spontan 3033 Euro (Gesamtsumme für drei Jahre) Umsatz. Ab gehen noch die Kosten für das Antwortporto (wird vermutlich bei den allgemein üblichen 55 Cent liegen) – und die sicherlich vergleichsweise horrenden Kosten für die dann tatsächlich notwendige Erfassung der Daten in besagtem Register. Datentypisten machen sowas im Akkord für kleinstes Geld. Evtl. auch das in Portugal, oder sogar in einer der erwähnten Bananenrepubliken – bloss nicht zuviel Gewinn verschleudern, den man in die eigene Tasche stecken könnte.

Bei geschätzten Gesamtkosten (incl. Erfassung) von 1,50 EUR pro erfolgreichem Brief macht das 3031,50 Euro Schnitt. Wahrlich beeindruckend. Gehen wir von nur einer Jahresgebühr aus, sind’s immer noch 1009,50 EUR. Da die anderen Briefe vermutlich erfolglos waren, braucht also nur einer von 2020 (!) Angeschriebenen reagieren damit die Sache +- Null aufgeht. Wow. Mein Gefühl sagt mir, deren Quote ist besser :(

Aber wie sage ich immer: “Glauben Sie ja nicht, wen Sie vor sich haben…” – Wer sagt denn, dass in “Antwort”-Umschlägen immer die erwartete “Antwort” drin sein muss? Was drinsteckt, sieht man ja erst beim Öffnen, und da hat man die Antwort-Gebühr schon entrichtet. Ich muss den Gedanken, der mich umtreibt (und auf den ich vermutlich weder als einziger noch als erster komme), nicht zuende formulieren, oder?

Übrigens, a propos schwarze Gedanken: Das Impressum der Webseite ist auch unvollständig. Die haben ‘ne .de-Domain und ein Postfach, unter dem sie die Antworten auf ihre Abzocke sammeln. Da wär doch mal ‘ne Abmahnung fällig? Oder gleich ab an’s Reality-TV? (Was Hartnäckigkeit angeht, ist mir Akte regelrecht sympathisch…)

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Wetterfühlig

Mann, ist das nervig.

Wir haben – zumindest kalendarisch – Herbst, und draußen ist es weiß. Das braucht doch kein Mensch. (Ich kann das jetzt hier schreiben, denn wir leben in einer Demokratie und meine Kinder lesen grad nicht mit ;) )

Für heute nacht hat der Wetterbericht sogar erstmals zweistellige Minusgrade angekündigt. Das erinnert mich mal wieder an mein Reizthema Energiesparen… ich war nämlich gestern abend noch kurz aushäusig und hatte mal wieder das zweifelhafte Vergnügen, an reihenweise Häusern vorbeizukommen, bei denen vor schönster Festbeleuchtung die Fenster auf Kipp standen!

In Zeiten schimmelfreundlich abgedichteter ENEV-Gebäude ist regelmäßiges Lüften zwar grundsätzlich wichtig, aber es ist schon erschütternd, dass trotz öffentlicher und auch zweifelsfrei persönlicher Information sowie den zahllosen Berichten zum Thema im “Reality-TV” das Gespenst des “Dauerkipplüfters” immer noch umgeht.

Wir haben da auch so einen Spezialisten als Mieter. Seit Jahren versteht er es, seine Wohnung auf kuschelige 24-25 Grad zu heizen, ist der erste, der schreit, wenn die Heizung zu spät anspringt… …und hat die drei straßenseitigen Fenster seiner Behausung grundsätzlich gekippt (könnte ja zu warm werden!). Sowas kannte ich vordem nur in Berichten aus Russland, wo es ansatzweise Tradition zu sein scheint, die Temperatur in der hochgeheizten Bude über kleine Fensterklappen zu regulieren. Energetisch Wahnsinn, aber in einem Land, in dem Heizkörperthermostate vermutlich höchstens als Exportartikel für den Klassenfeind produziert wurden, zumindest historisch nachvollziehbar (als wir noch Klassenfeinde waren gab’s hier auch noch keine ENEV – die Bausünden der Zeit sind Legende…).

Besonders spaßig wird’s dann immer im März wenn die Heizkostenabrechnung auf den Tisch kommt. Unser “Kipplüfter” freut sich dann nämlich jedesmal einen Wolf, dass er den absoluten Vogel abschießt mit seiner Nachzahlung. Trotzdem ist er 100% beratungsresistent. Es ist ein Glück, dass es nutzungsabhängige Heizkostenabrechnungen gibt (die allseits berühmt-berüchtigten “Messröhrchen”) – bei rein qm-abhängiger Umlage hätte er vermutlich sonst längst massive Probleme mit seinen Nachbarn.

Bei uns selbst stellt sich das Problem zum Glück nicht – das empfohlene “Stoßlüften” ist ohnehin das einzige, was kontrolliert umsetzbar ist, wenn man tagsüber arbeiten muss, ist doch die Kippstellung die einzige “Eintrittskarte” bei Fenstern mit modernen Beschlägen – und Besuch nehmen wir dann doch lieber persönlich in Empfang…

Noch etwas fördert das aktuelle Wetter zu Tage, und das nervt mich nicht minder: In der Gegend wurden in den letzten Monaten (und dank kommender Förderprogramme wohl in Bälde noch viel mehr) reihenweise ältere Häuser mit neuer Fassadendämmung zugekleistert. Diese Dämmung mag grundsätzlich ihre Rechtfertigung haben, schließlich will man sich den Wohnraum aufheizen und nicht die Außenanlagen. Wenn aber die Dämmung auf ansonsten völlig intakte und in zweischaliger Ziegelbauweise hochgezogene Altbauten aufgebracht wird, ist das nicht nur ästhetisch fragwürdig. So richtig problematisch wird’s aber, wenn ich dann sehe, dass diese teilweise nur wenige Monate alten Dämmungen überdeutliche Feuchtigkeitsflecken bis hin zu grau-schwarzen Stockflecken entwickeln. Da denke ich an das Beispiel des nassen Pullovers und wie toll der bei Minusgraden wärmen muss.

Ich werde nichts Negatives über moderne und fachgerecht ausgeführte Passivhäuser verlieren – zwar ist mir das Konzept des praktisch luftdichten Wohncontainers mit gelegentlich richtig raffinierten Be- und Entlüftungskonzepten noch immer ein wenig suspekt, aber es kann offenbar gut funktionieren und spart dann auch unglaubliche Mengen Energie ein – was ich immer toll finde. Mir fehlt aber die “Seele” eines älteren Hauses, und die alten Hütten haben nunmal das Problem, dass man sie nicht so dicht bekommt, wie das für ein Passivhaus erforderlich wäre – und falls es doch klappt, so ist soviel altes Baumaterial drin, dass der Feuchtigkeitshaushalt nur sehr schwer kontrollierbar wird. Vom Beinahe-Passivhaus bis zum Schimmelbunker ist es dann nur noch ein ganz kleiner Schritt.

Also bleib ich bei der Politik der kleinen Schritte – Brennwerttechnik und Solarunterstützung haben wir, die Fenster entsprechen rundum der ENEV, und für die wohlige Atmosphäre gibt’s auch die Option der Holzfeuerung (Stichwort “Smokey Joe” – wobei hier keiner raucht, nicht mal der Ofen besonders stark…). Die Mauern aber dürfen weiter atmen, zumindest solange wir nicht Zeit und Geld hatten, den Keller freizulegen und zu isolieren. Das ist nämlich der Haken bei 30er-Jahre-Bauweise – mit Glück hat man damals schon von sowas wie Bitumen-Anstrichen gehört, aber nach 70-80 Jahren und der einen oder anderen Bergsenkung können die Elemente da nur müde drüber lächeln.

Hätte ich Zeit – wieder das schlimme Wort! – würde ich als nächstes gern ca. 120qm Dämmstoff in die noch offenen Dachflächen einbringen – das würde zweifelsfrei auch nochmal was reißen. In Fenster- oder Türennähe werden sich trotzdem immer sanfte Luftzüge zeigen. Solange das so bleibt, haben die Sporen jedenfalls keine Schnitte…

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