Sauwetter…

Gut, dass es Mittagspausen gibt… ich bleib nämlich niemandem gern was schuldig.

Da klagte doch mein lieber Kollege André über die Eigenwilligkeiten seiner nicht mehr so ganz taufrischen Heizungsanlage, und ich hab mich hinreissen lassen, einen Blogpost zu unserer Lösung zu verfassen. Na dann will ich mal:

Wir schrieben das Jahr 2008 als sich im schon damals nicht gerade ausgesprochen milden Winter unsere alte Vaillant Niedertemperaturheizung mit dem Begehren meldete, mal Pause machen zu wollen. Klasse. Draussen kalt, drinnen kalt – ärgerlich. Der herbeigerufene Heizungsbauer fand einen spontanen Fehler in der Steuereinheit, die er für geradezu unglaublich günstige 450 Euro auswechseln wollte. Was zur Not noch okay gewesen wäre, wenn denn diese Steuerung den Fehler behoben hätte. Mitnichten. Zwei Tage später stellte sich dann heraus, dass die alte Steuerung völlig intakt war, lediglich der Außentemperaturfühler war komplett abgesoffen, weil ihn irgendein Volldepp mit der Kabelöffnung nach oben an die Aussenmauer geschraubt hatte. Kann ja nicht gut gehen.

Damit war das Vertrauen in besagten Heizungsbauer besiegelt, und da wir im gleichen Jahr zu einer gewissen Summe Geldes kamen (ist eine andere Geschichte) war dann mal Grundrenovierung angezeigt – nicht zuletzt auch, weil die alte Anlage im Frühjahr zu allem Überfluss noch anfing zu lecken!

Passenderweise lernten wir im selben Jahr einen – meiner Meinung nach – deutlich qualifizierteren Heizungsbauer kennen (Schöne Grüße 😉 ) und relativ schnell wurde klar, wir machen keine halben Sachen mehr. Gas musste es sein, Brennwert war das Mittel der Wahl, jetzt musste „nur noch“ das Design stimmen. (Übrigens ist heute Sauwetter, ich kann also nur mit Innenaufnahmen dienen – zumal die Mittagspause nicht ewig dauert)


Die Idee, die dann zur Umsetzung kam, war ebenso einfach wie genial: Das Niedertemperaturgehopse flog auf den Schrott, auf den es gehörte, und stattdessen gab es einen netten kompakten Wandhänger mit integriertem kleinem 40l-Schichtspeicher für Warmwasser. War auch höchste Zeit, denn unser nur 12 Jahre alter 200l-Speicher erfreute sich nicht unerheblichen Rostbefalls – von dem wegen des Kalkgehalts mitunter als „Flüssigbeton“ verschrieenen Wasser hier mal ganz zu schweigen. Übrigens war der alte Kessel zu dem Zeitpunkt 16 Jahre alt und wie ein anderer Installateur mal sagte: „Denken Sie mal dran, wieviele Autos Sie in der Zeit gehabt haben“… und die Dinger haben meist weniger Betriebsstunden auf dem Buckel.

Nagut. Der neue Brenner allein sollte es aber nicht sein – schließlich fraß uns der lokale Gasversorger schon reichlich die Haare vom Kopf. Da unser Haus eine nette Südwestlage hat, bot sich eine kombinierte Heizungs- und Warmwasser-Solaranlage an. Der Haken dabei: Wir wohnen im Altbau, mit knapp 175cm Deckenhöhe im Keller! Es gibt praktisch keinen modernen Solar-Schichtspeicher, der da stehend reinpassen würde – geschweige denn auch nur reingetragen und halbwegs aufgerichtet werden könnte.

Also eine nette Knobelaufgabe für unseren Handwerker. Fünf große Flachkollektoren auf’s Dach zu schmeissen ist bestenfalls etwas, was Muskelschmalz kostet. Aber wie kriegt man die Speicher eingebaut und die Ansteuerung gelöst? Kombinierte Konzepte für Heizungsunterstützung und Warmwasser gehen im Normalfall von 500-750l Schichtspeichern aus, mehr ist besser. Passt aber nicht rein.

Wenn man nicht schichten kann, muss man eben in die Breite gehen. Also bekamen wir statt eines direkt zwei Speicher eingebaut. Die passten mit je 300l prima in den Keller (auch wenn zum späteren Anodentausch jetzt nur noch Kettenanoden in Frage kommen, da die normalen noch ca. 1m Luft über dem Speicher erfordern würden – das wäre dann in etwa zwei Handbreit über dem Fußboden meines darüberliegenden Musikzimmers…). Einer dieser Speicher ist der Puffer für Warmwasser, der andere ist in den Heizungsrücklauf eingeschleift. Die Solarsteuerung sorgt dafür, dass verfügbare Solarwärme jeweils ideal auf diese Speicher aufgeteilt wird, wobei Warmwasser aus naheliegenden Gründen den Vorrang hat. Das zugrundeliegende Programm ist nicht so ganz trivial, weshalb kein Regler des Heizungsherstellers sondern ein Fremdgerät zum Einsatz kam. Macht aber nichts, das Ding ist dermaßen wartungsfrei dass es ruhig in der Ecke im Keller hängen darf.

Mittlerweile haben wir mit der besagten Anlage schon zwei Sommer hinter uns, in denen die Kollektoren fleißig „gepulvert“ haben. Im ersten Jahr hat sich unser monatlicher Gasabschlag durch Minderverbrauch und Preissenkung quasi halbiert (!), im aktuellen Jahr zog die Sache dann wieder an, was aber normal ist da eine komplette Haushälfte dazu kam und nun mit beheizt wird. Gibt schlimmeres…

Zwei Dinge seien noch erwähnt:

So ein Brennwert-Ding verursacht ein nicht geringes Aufkommen an Kondenswasser im doppelwandigen Kunststoff-Kaminzug. Das muss irgendwohin. Mangels Abfluss im Heizungskeller montierten wir eine kleine Pumpe mit ca. 15m Aquariumschlauch, durch die das Wasser bei Überschreiten einer gewissen Menge in die Waschküche befördert wird. Von der Nutzung desselben wird abgeraten weil es durchaus unangenehme Beimischungen enthalten kann (der Schlauch ist inzwischen leicht gelblich verfärbt – das muss ja woher kommen).

Und da es im Winter schonmal richtig kalt werden kann, haben wir uns noch einen kleinen „Smokey Joe“ gegönnt, der die Lastspitzen der Heizung in diesem Winter hoffentlich deutlich einkürzen wird. Ich werde zu berichten wissen.

Die beteiligten Handwerksbetriebe empfehle ich bei Bedarf in der Region gern weiter 😉

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Ein Kommentar zu Sauwetter…

  1. Andre sagt:

    Sehr interessanter Artikel … bin schon auf die Bilder vom Dach gespannt und werde dann später mal berichten, was der Heizungsbauer meines Vertrauens so erzählt hat … leider ist die Problembehebung etwas dringend und da habe ich momentan nicht ganz so viele Ausweichmöglichkeiten … naja .. mal schauen, was es gibt 😉

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