Spendenquittung

Da mach ich meinen allmorgendlichen Check auf Spiegel Online, und was muss ich da lesen?
Unsere herzallerliebsten Verbündeten kassieren bei Projektspenden für Afghanistan „Verwaltungsgebühren“. Hallo?

Um das Ganze ins passende Licht zu rücken – aufgeflogen ist das wohl für die breite Öffentlichkeit nur dank der WikiLeaks Veröffentlichungen der letzten Tage. Es ist jetzt nicht so, dass unsere Regierung davon keinen Wind bekommen hätte – eher im Gegentum, sie haben das den Amerikanern sogar – wenn ich die diplomatische Rumeierei mal richtig werte – ziemlich direkt angegangen, bis hin zu der schon beachtlichen Einlassung, dass man sich das in diesem Fall wohl zukünftig mit Spenden etwas schwerer machen müsse (der tatsächliche Wortlaut ist noch schöner, aber ich mag hier nicht abkupfern).

Das passt gerade zu dieser Jahreszeit schön in ein Thema, was meine Lieblings-Blog-Kollegin Suriel letztens hatte: Spenden, warum und an wen?

Ich bekomme bei sogenannten oder auch tatsächlichen Hilfsorganisationen regelmäßig Plaque wenn mir Details über Verwaltungskosten und Werbeaufwendungen bekannt werden. Erfahre ich zu schlimme Zahlen, wandert so eine Organisation auch schonmal gern auf meine „Hier-spende-ich-garantiert-niemals“-Liste. Ich zahl schon Steuern für mein Geld, da muss der Teil, den ich für gute Zwecke abgeben möchte, nicht auch noch unangemessen dezimiert werden.

Im vorliegenden Fall sind aber 50 Millionen Euro – alles andere als ein Taschengeld – für Projekte zum Aufbau der Afghanischen Armee „gespendet“ worden. Gut, das war jetzt eine „Spende“ der Bundesrepublik und damit der deutschen Steuerzahler – aber das macht’s eigentlich nur noch schlimmer, denn natürlich sind diese Beträge dann bereits bereinigt um die Millionen von Euro, die landesintern schon für das Einsammeln und Verwalten der Steuergelder verbraten werden.

Im übrigen sollten die Mittel offenbar bestimmten Projekten zufließen, wurden aber über einen von den USA unterhaltenen Fonds transferiert – und da legten sie dann erst einmal Winterschlaf ein, was sich besagter Fonds mit locker-flockigen 15% vergüten ließ. Das Ganze ist auch noch – so zitiert der Spiegel – unter Berufung auf das US-amerikanische Haushaltsrecht geschehen, somit völlig legal und „man könne da nichts machen, sorry“. Abkassieren im Namen des Gesetzes.

Da fragt man sich als Normalbürger, dem ein solcher Betrag die Tränen in die Augen treibt, warum die Bundesregierung nicht einfach hergeht und einen eigenen Fonds auflegt. Am besten gleich unter Schaffung eines passenden Haushaltsrechts, so dass wir dann auch gleich von Fremdmitteln 15% Gebühren einbehalten können. Ich will gar nicht wissen, für welche fragwürdigen Zwecke diese Gebühren dann haushaltsintern wieder verplant würden bzw. im US-Fall wurden.

Es war mir immer schon klar, dass bei diesen „Großprojekten“ der Befriedung „instabiler Staaten“ unglaublich viel gemauschelt wird und im Argen liegt. Aber dieser Vorfall schlägt dem Faß glatt wieder die Krone ins Gesicht!

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2 Kommentare zu Spendenquittung

  1. Suriel sagt:

    Oh jawoll, so lob ich mir das doch… Verwaltungsgebühren… unfassbar

  2. Andre sagt:

    …wobei mal ganz im ernst …. bei der deutschen Regelungswütigkeit, wo ja alles und jeder geregelt sein muss, hätte es mich auch nicht gewundert, wenn das eine Erfindung von uns wäre 😉

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