Terrorfon…

Keine Masche ist so platt, dass sie nicht jemand versuchen würde.

Aktuell geistern Anrufe eines gewissen „Günter Bollmeister“ (ich möchte mal bezweifeln dass der Inhaber der sonoren Grabesstimme wirklich so heißt) vom „Institut für Urheberrechtsverletzungen“ herum. Auch unseren Anrufbeantworter hat der freundliche Herr, der „nicht lange drum herumreden möchte“, bereits beglückt.

Dazu fiel mir neben dem hörbaren Hintergrundrauschen eines Anrufautomaten (auch wenn ich einräumen möchte, dass die Sprechpausen strategisch gesetzt sind) vor allem auf, dass man für Urheberrechtsverletzungen neuerdings ein Institut braucht. Komisch. Bislang war ich der Meinung, dass solche Verletzungen von Personen und nicht von Instituten begangen werden – aber wenn die sich nun für solche Dienstleistungen zur Verfügung stellen möchten…

Egal, war ohnehin eine Fehleinschätzung, denn würde es dieses Institut tatsächlich geben, wäre ihr Ansinnen wohl eher gegen Urheberrechtsverletzungen einzustufen. Leider kann ich es nicht abschließend beurteilen, denn natürlich rief der Automat von einer unterdrückten Rufnummer aus an (weshalb ich ohnehin nicht selbst ans Telefon gegangen wäre sondern zunächst mal den Anrufwichtigkeitsfilter handeln ließ) und die schönen „wir-geben-dem-geschockten-Anrufopfer-mal-die-Gelegenheit-nutzlose-Einwände-vorzubringen“-Sprechpausen sorgten dann dafür, dass unsere Fritzbox dem Kotelett an der virtuellen Backe zuvorkam und einfach auflegte.

So weiß ich nur, dass man unserem Bekanntenkreis unterstellen wollte, sie hätten uns für irgendwelche illegalen Musik-Downloads und das „schauen von Videos auf den einschlägigen Portalen im Internet“ angeschwärzt. Aber sicher doch – wir haben ja selbst auch keine anderen Hobbies…

Nun ist der o.g. Name und das fiktive Institut im Netz kein Unbekannter – die Anrufe gibt’s derzeit zuhauf und je nach Informationsgrad der Angerufenen reagieren sie unterschiedlich panisch. Am Ende bleibt aber die Info derjenigen, die sich den Mist bis zum bitteren Ende angehört haben, dass man „die Sache abmildern“ könnte – aha! Es geht also doch wieder nur darum, Unbedarfte auf zweifelhaftem Weg um ihre wenig zweifelhaften Barmittel zu bringen. Oder neudeutsch: Abzocke.

Jetzt könnte man sagen „ignoriere alles, was Du nicht schwarz auf weiß bekommst“ – aber wie wir schon im Fall „Post vom Fachregister“ gesehen haben, kann man sich ja nicht einmal mehr auf so etwas verlassen – und wenn dann doch mal was von einem Anwalt kommt, ist es selten genug eine Kanzlei mit so scheinbar seriösen (wenn auch inakzeptablen) Absichten wie im Fall der Zweistein-Abmahnung. Gerade von der abmahnfreudigen Anwaltsfraktion sind ja nicht umsonst letzthin so manche selbst vor dem Kadi gelandet – und womit? Mit Recht. Ein Schelm, wer das paradox findet.

Was aber jetzt tun wenn einem besagter Herr Bollmeister auf denselben geht? Man wäre ja versucht, den AB so zu tunen, dass er die Verbaldiarrhoe komplett mitschneidet, und das Ergebnis dann den „einschlägigen Ermittlungsbehörden“ (um das Sprachniveau zu halten) zur Verfügung zu stellen – aber da es sich um eine „Bandansage“ (welch Anachronismus) handelt, wäre vermutlich schon die Weitergabe eines Mitschnitts eine Urheberrechtsverletzung (könnte ja ein Rap-Song sein, und das „Herunterladen“ vom AB dann ein illegaler Musik-Download) – und abgesehen davon platzen die Postfächer der Behörden vermutlich schon vor am Ende doch wieder ergebnislos im Sande verlaufenden Anzeigen.

Tatsache ist, sollte mich einer dieser Strategen „live und in Farbe“ oder auch nur in Druckform behelligen und dabei verwertbare Spuren hinterlassen, gibt’s genau das, was diejenigen durch finanzielle Gegenleistung „abmildern“ wollen – eine saftige Anzeige wegen versuchten Betrugs. Hatte ich erwähnt, dass wir in der Nachbarschaft Mitarbeiter der „Freund-und-Helfer„-Institution wohnen haben? Das wird ein Spaß…

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3 Kommentare zu Terrorfon…

  1. Gast sagt:

    Ruhig Blut, soviel Text wäre garnicht nötig gewesen ^^ Da hat wohl jemand aus Ihrem Bekanntenkreis genau die richtige Wirkung erziehlt mit diesem Video: http://www.marcophono.com/flatrate_42_a.html

  2. Leo sagt:

    Hallo!
    Ich kenne zufällig die Website von der diese Anruf kam:
    Sie heißt marcophono.de das Telefonspaßportal und dort kann man seine Freunde veräppeln.
    Hier ist die Seite mit dem „Herrn Günther Bollmeier“:
    http://www.marcophono.com/flatrate_42_a.html
    Alles nur Fake!

  3. E.P.M. sagt:

    Der besagte Herr „Günter Bollmeister“ scheint das ganze jetzt unter dem Namen
    „Günter Baum“ zu machen ( Telefonanrufe ).

    LG E.P.M.

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