Do-it-yourself vs. Steuerberater

Es gibt noch sowas wie späte Gerechtigkeit…

Obwohl – ich weiss nicht ob’s mich mehr freuen und bestätigen oder mir doch eher leidtun soll.

Seit Jahren baue ich mir brav jedes Jahr mittels eines – ebenfalls jährlich im Abo erneuerten – Steuerprogramms meine Steuererklärung selber. Da sich aber je nachdem was man so alles macht die Anlagen, Grundlagen und Unterlagen für dieselbe über die Jahre geradezu exponentiell vermehrt haben, überkam mich in 2009 der Wunsch, das Ganze nun doch mal in kompetente Hände abzugeben und – wenn auch gegen einen stolzen Obolus – Hirn und Hände von dieser mühseligen und nicht zwangsläufig auch erfolgreichen Tätigkeit zu entlasten.

Steuerberater gibt’s wie Sand am Meer, und selbstverständlich gibt es neben sehr preiswerten und sehr teuren auch sehr gute und… tja, und damit wären wir beim Punkt:

Durch persönliche Empfehlung landete ich bei einer Firma, die sich auf das Anbieten von „Wirtschaftsdiensten“ spezialisiert hatte – dazu gehörte insb. auch die Leistung von Steuerberatungs- und Buchhaltungsdiensten, was ja genau mein „Zielgebiet“ war. Da mir das Konzept zusagte und man sogar avisierte, eine Dependance in Bottrop eröffnen zu wollen (sogar eine Adresse war schon angegeben, unter der auch zuvor schon ein Steuerberater tätig war), wurde ein ordentlicher Vertrag gemacht, der auch deswegen ganz entgegenkommend war, weil das vereinbarte Honorar in handlichen wöchentlichen Teilbeträgen abgebucht werden sollte. Stressfreier geht kaum…

…dachte ich. Alles fing damit an, dass ca. zwei Wochen nach Vertragsabschluss das Sekretariat des Steuerberaters anrief und mich fragte, ob ich denn wohl ausnahmsweise die Teilbeträge für den ersten Monat selbst überweisen könne – man hatte zwar das Abbuchungsverfahren angeboten, aber wohl mit dem gewählten Dienstleister technische Probleme. Nunja, kann ja mal vorkommen – also brav überwiesen.

Gerade mal eine Woche später wurde ich angerufen und gefragt, wo denn nun meine Zahlung sei – die natürlich treu den Anweisungen des Steuerbüros folgend unmittelbar ausgeführt worden war. Beleg gefaxt, gedacht, alles sei okay… von wegen. Drei Tage später wurde der gleiche Betrag von meinem Konto abgebucht – ging also scheinbar doch, und nicht nur in Wochen- sondern auch in Monatsbeträgen. Toll.

Nach einem weiteren Telefonat hiess es dann, man habe nun auch meine Überweisung gefunden und selbstverständlich würde der nun doppelt bezahlte Betrag verrechnet. Wann – die Frage sollte ich mir später stellen, denn taggenau einen Monat später wurde – kaum verwunderlich – ein neuer Monatsbetrag abgebucht. Von einem anderen Zahlungs-Dienstleister übrigens, und unter Angabe einer anderen Mandantennummer – so richtig einig war man sich intern also wohl immer noch nicht. Nachdem im Zuge der turnusmäßigen Belegabholung erneut nur Entschuldigungen sowie die vorlage einer neuen Einzugsermächtigung für diesmal dann wirklich nur noch monatliche Zahlungsweise kamen, schwoll mir schon ein wenig der Kamm.

Das Fass zum Überlaufen brachte dann, dass zum Ende des zweiten Vertragsmonats (naja, zwei Tage bis zum normalen regulären Zahlungstermin) erneut ein Monatsbetrag abgebucht wurde – vollkommen ignorierend, dass ja schon drei Monatsbeträge gezahlt waren und somit eine Verrechnung im Raum stand, und zu allem Überfluss mit erneut anderer Mandantennummer (aber diesmal wenigstens mit der richtigen) und zur Abwechslung auch noch mit einem abweichenden (wenn auch nur um Centbeträge) Zahlbetrag.

Da zu dem Zeitpunkt ausser pünktlicher Belegabholung und hilflosem Gestammel der scheinbar nicht nur von mir regelmäßig befeuerten Sekretärin nicht wirklich viel rübergekommen war, tat ich dann das, was man in solchen Fällen tut: Fristlos kündigen und Rückabwicklung verlangen. Den definitiv zuviel bezahlten Betrag konnte ich glücklicherweise problemlos zurückbuchen lassen (wenigstens was), die älteren Abbuchungen waren leider nicht mehr rückholbar – von einem seriösen Geschäftspartner erwartet man aber, dass er mit sowas professionell umgeht…

Pustekuchen. Es gab zwei Telefonate mit der Bitte „ob man da nicht nochmal was machen und sich irgendwo treffen könnte“ – allein für die Rückübermittlung der Belege (die ich in einem prophetischen Moment vor der Abgabe brav selbst erfasst hatte) brauchten die drei schriftliche Erinnerungen bis dann ein lieblos gepacktes aber recht dickes Paket kam. Dieses enthielt – wie zum Beweis dass man eben doch was für sein Geld getan habe – auch zwei Bündel mit Ausdrucken aus deren Buchhaltungssystem. Sah sogar ganz nett aus, mir gefielen nur die Zahlen unterm Strich nicht, wichen sie doch immens von meinen eigenen – mit Blick auf den Kontostand zweifelsfrei richtigen – Berechnungen ab. Na das hätte einen Steuerbescheid gegeben…

Dass ich mein Geld nicht zurückbekommen habe, dürfte aus dem oben gesagten schon klar geworden sein. Da andere mir vorgeschlagene Steuerbüros mehrheitlich ähnlich arbeiten (monatliche Vorauszahlung und wenn’s gut läuft werden notwendige Eingaben beim Finanzamt halbwegs pünktlich gemacht – für Richtigkeit garantiert wie üblich niemand) habe ich mir die Idee des fachkundigen Dienstleisters wieder abgeschminkt. Spannenderweise kam sogar meine Hausverwaltung gelegentlich zum selben Schluss weil auch ihr „Mann vom Fach“ einige Dinge heftigst verbaselt hat. Nicht das beste Zeugnis für eine Zunft, die neben ihrem eigenen Broterwerb gerade das steuerliche Wohl ihrer Klienten im Sinn haben müsste.

Da ich heute beim Aufräumen wieder über die Unterlagen dieser zweifelhaften Beratungsgesellschaft stolperte, konnte ich mir das Anwerfen meiner Lieblingssuchmaschine nicht verkneifen – und was muss ich sehen: Sie tauchen auf einer Liste der Insolvenzen vom 20.12.2010 auf. Nicht dass mich das überrascht hätte – eher schon ein Wunder, dass der Schuppen so lange gehalten hat…

„Sparbücher“ sind also mehr als nur eine konservative Geldanlageform. Und da ich meinem blau-gelb verpackten solchen seit über 10 Jahren treu bin, bleib ich dann wohl dabei und helfe mir selbst. Ich bitte Angehörige der steuerberatenden Berufe, von Angeboten an meine Adresse abzusehen 😉

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Ein Kommentar zu Do-it-yourself vs. Steuerberater

  1. Werner Heitland sagt:

    Hallo Gereon,
    Steuererklärung – ein jährlich wiederkehrendes Übel
    Lieber zum Zahnarzt gehen… und jeder weiß, wie gern man das macht.

    So war´s bei mir – bis ich den PC für diese unangenehme Aufgabe ( die Steuererklärung) einsetzte.
    Mit einem Programm, dass Handbuch ( laufend ergänzt und aktualisiert) und jährliche Programm – CD (ebenfalls mit laufender Online – Aktualisierung) umfasst.

    Der Preis für dieses Programm und seine Aktualisierungen ist überschaubar.

    Einmal -vor einigen Jahren – und zuletzt zweimal hintereinander hatte sich das Finanzamt heftig zu meinen Ungunsten verrechnet.

    Gut – den Vergleich zwischen den zugegangenen Steuerbescheiden und den Berechnungen und Ausdrucken „meines“ Programms musste ich machen.
    Kostete ein bisschen Zeit – aber noch nie in meinem Leben habe ich bei irgendeiner Tätigkeit einen solchen „Stundenlohn“ erhalten.

    Mit guten und belegbaren Argumenten aus dem Steuerprogramm zeigte sich das Finanzamt einsichtig, korrektur – und überweisungsbereit.

    Schließlich sind Differenzbeträge aus allen Steuerfällen anerkannt und erstattet worden.

    Es mag Steuersituationen geben, die derart kompliziert sind, dass man einen Berater braucht. Oder man möchte sich den ganzen Kram vom Hals schaffen und in die Hände von Leuten geben, die was davon verstehen und die ganze Sache flüssiger und professioneller händeln können als man selbst dazu in der Lage sein zu können glaubt.

    Nur – wie findet man solche Leute, die ihr Geld wert sind – deren steuerberatende Tätigkeit mein und dein Geld zurecht verdienen?

    Dein Bericht zeigt, dass man zwar finden kann, mit dem Fund aber von Fall zu Fall nicht glücklich wird – und lieber wieder selbst tätig wird.

    Liebe Grüße

    Werner

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